28.10.2015 Claudia

Energiesparirrtümer rund um Hausbau und energetische Sanierung

Wer neu baut, umbaut oder seine vier Wände nach modernsten Energiestandards saniert, steht vor vielen Fragen: Lüftungsanlage ja oder nein? Fördert eine gute Dämmung wirklich die Schimmelbildung? Und lohnt sich das alles überhaupt? Ja, tut es! Allerdings nur, wenn man weiß, worauf es bei der Sanierung wirklich ankommt.

Irrtum #1: Lüftungsanlagen reduzieren zwar Wärmeverluste, aber dafür darf man die Fenster nicht mehr öffnen

Beschlagene Scheiben gehören mit einer Lüftungsanlage der Vergangenheit an (Foto: Fotolia).

Dass man die Fenster in Häusern mit einer automatischen Lüftungsanlage nicht öffnen darf, ist ganz klar falsch. Richtig hingegen ist, dass man sie nicht mehr öffnen muss. Eigentlich. Denn obwohl das Lüftungssystem kontinuierlich für frische, pollenfreie Luft sorgt, dürft ihr natürlich auch weiterhin eure Fenster und Balkontüren öffnen, wenn euch danach ist. Wenn nicht, übernimmt das Lüften die Anlage für euch. Sie saugt verbrauchte und feuchte Luft aus Bädern oder Küchen ab und leitet gleichzeitig Frischluft in die Wohnräume. In Energieeffizienz-Häusern, wie zum Beispiel Niedrigenergie- oder Passivhäusern, die durch eine bessere Dämmung, dichte Fugen und die Vermeidung von Wärmebrücken sowieso bereits wenig Wärmeverluste haben, reduziert eine solche Lüftungsanlage mögliche Verluste zusätzlich, die durch mechanisches Lüften entstehen würden.

Irrtum #2: Eine gute Dämmung fördert die Schimmelbildung

Schimmelbildung lässt sich mit einer Lüftungsanlage, optimal gedämmten Wänden und regelmäßigem Lüften vermeiden (Foto: Fotolia).

Ein anderer weit verbreiteter Mythos, wenn es um Energieeffizienz in den eigenen vier Wänden geht, ist die Behauptung, dass eine gute Dämmung zwar Wärmeverluste vermeidet, dafür aber Schimmelsporen magisch anzieht. Der Grund dafür liegt aber nicht in der guten Dämmung, sondern oftmals in einem falschen Lüftungsverhalten nach der Sanierung begründet. Schimmel entsteht überwiegend dort, wo Wände besonders kalt sind, also genau da, wo die Gebäudehülle eben nicht gut gedämmt ist. Dort kann sich die in der Raumluft enthaltene Feuchtigkeit niederschlagen und schafft so Bedingungen, in denen sich Schimmel besonders wohl fühlt. In perfekt gedämmten Häusern hingegen sind die Außenwände im Haus oder der Wohnung warm. Feuchtigkeit und Schimmel haben dort kein leichtes Spiel. Und mit der oben erwähnten Lüftungsanlage ist Schimmel sowieso kein Thema mehr, da die feuchte Luft permanent abgeführt wird. Wer auf eine solche Anlage, nicht aber auf eine gute Dämmung verzichten möchte, der sollte mehrmals täglich stoßlüften um überschüssige Feuchtigkeit nach draußen zu transportieren – vor allem beim Kochen und Duschen sowie in Räumen, in denen nasse Wäsche zum Trocknen hängt.

Irrtum #3: Die Zuschüsse für private Erneuerbare-Energie-Anlagen sind nicht besonders hoch

Die Investitionskosten für Solaranlagen sind deutlich gesunken (Foto: Fotolia).

Dies ist nur ein „halber“ Mythos, denn tatsächlich sind die Zuschüsse für die private Photovoltaikanlage auf dem Dach seit 2015 nicht mehr so hoch wie früher. Dazu muss man wissen, dass der Solarstrom per Gesetz rückvergütet wird. Bekam man früher noch rund 50 Cent für eine eingespeiste Kilowattstunde erstattet, so sind es seit diesem Jahr nur noch 12 Cent. Auf der anderen Seite haben sich aber auch die Investitionskosten für die Anlagen um rund 60 Prozent reduziert, was für einen Ausgleich sorgt. Ob sich eine Investition von mehreren tausend Euro für die PV-Anlage lohnt, sollte man also am besten mit einem Experten besprechen und individuell berechnen. Was sich lohnen kann, ist eine Solarthermie-Anlage zur klimafreundlichen Warmwassererzeugung durch Sonnenlicht. Nach gut acht Jahren hat sich die Investition für eine vierköpfige Familie bereits amortisiert und die warme Dusche gibt’s dann umsonst.

Irrtum #4: Das lohnt sich doch alles gar nicht und ist viel zu teuer

Dämmen ist hoch effizient und vergleichsweise günstig (Foto: Fotolia).

Ist es nicht! Zumindest nicht alles! Denn es muss ja nicht gleich eine teure Solaranlage auf dem Dach oder Erdwärmepumpe im Garten sein. Mit ein paar einfachen Maßnahmen könnt ihr energetisch das Beste aus eurem Zuhause rausholen, ohne danach gleich Privatinsolvenz anmelden zu müssen: Zum Beispiel die Isolierung freiliegender Heizungsrohre, mit der man Wärmeverluste vermeiden kann – ebenso wie mit der Dämmung der obersten Geschoßdecke, die auch kein Vermögen kostet, oder neue Fensterdichtungen. Oft hilft auch bereits die richtige Einstellung der Heizung oder der Austausch alter ineffektiver Pumpen. Bei diesen Arbeiten kann euch ein Sachverständiger oder einer unserer Energieberater weiterhelfen. Der sind zudem auch für eine mögliche Förderung wichtig. Denn die KfW-Bank fördert nur Maßnahmen, die von einem Fachunternehmen ausgeführt wurden.

Die Deutsche Energie-Agentur schätzt die Energieeinsparpotentiale unsanierter Altbauten übrigens auf bis zu 80 Prozent. Umfangreiche Sanierungen lassen sich hier mit günstigen Krediten finanzieren und machen die Energiesanierung dann für den Eigentümer zum einen weniger teuer und zum anderen noch lohnenswerter. 

Wenn ihr noch Fragen habt, wo und wie ihr in eurem Zuhause Energie sparen könnt oder ihr Hilfe bei der Planung und Umsetzung einer Sanierung benötigt, helfen euch unsere Energieberater gerne weiter. Ihr könnt sie unter 0221 178 – 3311 (Mo. bis Fr. von 8.00 bis 17.30 Uhr) und per E-Mail erreichen. 

Wir sind kontaktfreudig. Schreibt uns!