Fußball-EM: Energiefakten zum Auftaktgegner Schottland

Christian
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Quelle: FrankWinkler; pixabay

Grüner Strom: umfangreiche Ressourcen, starkes Wachstum

Freitag wird es ernst: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft startet mit dem Eröffnungsspiel gegen Schottland ins EM-Turnier. Für uns Anlass genug, das Land im Norden der britischen Inseln nach Energie-Gesichtspunkten unter die Lupe zu nehmen.

Viel Wasser, reichlich Wind und lange Küstenstreifen: Schottland ist reich an Quellen zur Gewinnung erneuerbarer Energien. Gleichzeitig blickt das Land auf eine lange Tradition im Bergbau zurück. Dementsprechend stark hat sich der Energiesektor in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. Während Verstromung von Kohle in dem Land gar keine Rolle mehr spielt (das letzte Kohlekraftwerk wurde 2016 vom Netz genommen) und nur noch ein Atomkraftwerk von ehemals sechs in Betrieb ist, hat sich die Produktion von grünem Strom extrem gesteigert. Allein in den Jahren von 2007 bis 2020 vervierfachte sich die Energiegewinnung auf 32063 Gigawattstunden Strom. Doch damit war das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht: Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Schottland 113 Prozent der im Land benötigten Energie aus erneuerbaren Quellen. Also so viel, dass man einen großen Anteil des grünen Stroms für den Export einsetzen konnte.

Größter Ertrag durch Windenergie

Der Großteil des schottischen grünen Stroms kommt natürlich aus der Windenergie. 2023 erzeugte man mit inländischen Windanlagen etwa 62 Prozent seiner grünen Energie, in Offshore-Windparks ca. 20 Prozent. Signifikante Energiemengen kamen zudem aus den Quellen Wasser, Sonne und Biomasse. Aber gerade die Windparks vor den schottischen Küsten bergen noch viel Potenzial: Schon bis zum Jahr 2030 wird sich die hier gewonnene Energiemenge nur durch die bereits geplanten Repowering- und Bauprojekte vervierfachen. Bei entsprechender Speichertechnologie und effizienten Stromtrassen könnte Schottland also zu einem der wichtigsten Energie-Exporteure Europas aufsteigen.

Grüner Wasserstoff als wichtiger Baustein

Ein Baustein für den effizienten Transport von grüner Energie könnte die Produktion von aus grünem Strom gewonnenen Wasserstoff sein. Deshalb beschäftigt sich die schottische Politik intensiv mit diesem Thema. Bis 2030 soll das Land zu einer Elektrolyseleistung von fünf Gigawatt (GW) in der Lage sein, bis 2045 soll diese Leistung auf 25 GW steigen. Zum Vergleich: Für ganz Europa wird bis 2030 eine Elektrolysekapazität von 40 GW angestrebt.

Öl und Gas rückläufig

Neben grünen Energiequellen verfügt Schottland vor seinen Küsten auch über signifikante Öl- und Gas-Reserven. 98 Prozent der im Vereinigten Königreich aus diesen Rohstoffen erzeugten Produkte stammen aus schottischen Quellen. Das Zentrum der britischen Rohölwirtschaft befindet sich im schottischen Aberdeen. Jedoch ist dieser Wirtschaftszweig seit mehr als 20 Jahren auf dem Abstieg, die Produktionsmengen gehen kontinuierlich zurück und befinden sich heute auf dem niedrigsten Niveau seit über 70 Jahren.

Verbrauchsrückgang trotz Wärmebedarf

Trotz des Reichtums an Energiequellen agieren schottische Bevölkerung und inländische Wirtschaft übrigens energieeffizient. In den Jahren 2010 bis 2021 sank der absolute Verbrauch von etwa 170 Terrawattstunden (TWh) auf 147 TWh. Zum Vergleich: Im deutlich bevölkerungsreicheren Deutschland reduzierte sich der Wert von 608 verbrauchten Terrawattstunden im Jahr 2010 auf 517 TWh im vergangenen Jahr.
Gut die Hälfte ihrer Energie nutzten die Menschen im eher kalten Schottland übrigens für die Wärmeerzeugung. Jeweils knapp ein Viertel gingen zulasten der Sektoren Mobilität und Stromverbrauch.

Weitere Informationen zur schottischen Energiepolitik: https://www.en-former.com/schottland-setzt-auf-windenergie-fuer-netto-null/

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