23.08.2016 Adrian

Energieeffizienz – die Gemeinheit mit dem Rebound-Effekt

Effiziente Geräte in Haus und Wohnung machen sich nicht immer bei Stromverbrauch und -kosten bemerkbar (Bild: fotolia).

Der Kühlschrank? Energieeffizienzklasse A+++. Die Glühbirnen? Alle durch LED ersetzt. Der Fernseher? Nutzt ebenfalls sparsame Leuchtdioden als Lichtquelle. Und doch, trotz aller Energieeffizienz – an Stromverbrauch und - Rechnung ändert sich nur wenig. Wie kann das sein? 

Es ist zum Verzweifeln: Da tauscht man als umwelt- und kostenbewusster Bürger über die Jahre hinweg alle Stromfresser im Haushalt durch neue, sparsame Modelle aus, schraubt in schwindelerregender Höhe eine LED nach der anderen in die Fassungen und am Ende, beim Blick auf Stromrechnung und - verbrauch, scheint das alles nichts gebracht zu haben. Wie kann das sein? Eine LED verbraucht bis zu 80 Prozent weniger Energie als eine Glühlampe, eine Kühl-Gefrierkombination mit der Energieeffizienzklasse A+++ rund 70 Prozent weniger Strom als ein vergleichbares Gerät aus dem Jahr 2000. Das müsste sich doch auch beim Verbrauch und bei den Kosten bemerkbar machen? 

Aus weniger wird manchmal mehr

Ja, eigentlich schon, doch Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Rebound-Effekt die Spareffekte oft einschränkt oder gar komplett zunichte macht. Denn energieeffiziente Produkte und Dienstleistungen animieren uns nachweislich dazu, mehr zu konsumieren. Wenn die Lampe so energiesparend ist, warum sollte sie dann nicht länger brennen? Wenn der Kühlschrank derart effizient ist, dann kann ich doch gleich ein größeres Modell kaufen? Und der neue Fernseher? Der kann ruhig ein paar Zoll Bildschirmdiagonale mehr aufweisen, als der Vorgänger. So kommen Spareffekte kaum zum Tragen. Im schlimmsten Fall steigt der Verbrauch sogar. 

Bildergalerie: Das kostet der Strom für Smartphone und Co.

  • Verbraucher schätzen die jährlichen Stromkosten für ihr Smartphone auf ca. 100 Euro.

  • Tatsächlich sind die Kosten aber deutlich geringer: Das Samsung Galaxy S5 etwa kommt auf einen Verbrauch von 3,9 kWh pro Jahr. Umgerechnet ergibt das Stromkosten in Höhe von 1,16 Euro (Foto: Samsung).

  • Bei einem iPhone sieht die Sache nicht anders aus. Das iPhone 6 hat einen vergleichsweise kleinen Akku.  Eine tägliche Ladung kostet den Verbraucher umgerechnet nur 0,75 Euro im Jahr.

  • Lädt man sein Handy über ein Netzteil, fallen aufgrund der Spannungs-Umwandlung Verluste an. Der Energiebedarf steigt. Bei modernen Netzteilen liegt die Energieeffizienz bei rund 74 Prozent.

  • Besitzer einer Smartwatch haben Grund zur Freude: Durchschnittlich 0,13 Wh saugt die clevere Uhr für eine volle Ladung aus dem Netz. Stromkosten pro Jahr: läppische 0,15 Euro.

  • Etwas teurer im Verbrauch: Tablets benötigen pro Jahr bei durchschnittlicher Nutzung rund vier Euro Strom.

  • Fehlt in kaum einem Haushalt: ein Laptop. Ist der vier Stunden täglich im Einsatz, kostet das den Besitzer ca. 17 Euro jährlich.

  • Stationäre Computer kommen bei gleicher Nutzung auf einen Verbrauch von ca. 290 kWh pro Jahr. Kostenpunkt: 79 Euro.

  • Stromfresser Fernseher? Nicht unbedingt: Bei vier Stunden Einsatz täglich verbrauchen moderne LED-Geräte mit einer Bildschirmdiagonale von 80 Zentimetern rund 80 kWh pro Jahr. Stromkosten: 21 Euro.

  • Beinahe doppelt so viel Strom verbraucht eine Spielekonsole bei gleicher Nutzungsdauer. Kosten: 40 Euro pro Jahr.

  • Auch der Stand-by-Modus ist nicht zu unterschätzen: Zieht bei Geräten, die ihr nicht täglich nutzt, öfter mal den Stecker – das spart bares Geld.

  • Neuere Elektrogeräte dürfen daher laut einer EU-Richtlinie maximal ein Watt im Stand-by-Modus verbrauchen. Das macht bei 24 Stunden aufs Jahr gerechnet 2,30 Euro pro Gerät.

  • Zählt zu den Spitzenreitern im Haushalt: der Kühlschrank. Bei einem effizienten Gerät fallen Stromkosten in Höhe von 36 Euro an. Ältere Modelle verbrauchen locker 80 Euro mehr.

Der Weißen Ware, also den Kühlschränken und Waschmaschinen, steht darüber hinaus ein Mehr an Geräten der Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungselektronik gegenüber. Computer, Spielekonsolen, Modems und Drucker verursachen mittlerweile rund ein Viertel des Stromverbrauchs im Haushalt. Und bei Ihnen ist das Bewusstsein zu sparen noch nicht ganz so ausgeprägt. Dort sind vielmehr Größe und Leistung, nicht der Energieverbrauch, entscheidende Auswahlkriterien. Vielen Verbrauchern ist zudem nicht bewusst, dass die Geräte auch im Standby-Modus Strom verbrauchen und so die Stromrechnung steigen lassen.

Energieeffizienz im Haushalt ist also nicht gleichzusetzen mit Sparsamkeit. Kosten und Stromverbrauch lassen sich nur senken, wenn wir vernünftige Kaufentscheidungen treffen und Strom bewusst verbrauchen.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr bereits Erfahrungen mit dem Rebound-Effekt gemacht? 

Gewusst wie:

Bei Fragen rund ums Energiesparen in Haus und Wohnung helfen euch unsere Energieberater gerne weiter. Ihr erreicht sie montags bis freitags von 7:00 Uhr bis 20:00 Uhr und samstags von 9:00 Uhr bis 20.00 Uhr unter Telefon 0221 178-3311. Wir freuen uns auf euren Anruf!





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