Was gibt einem Spitzensportler Energie? Wie bleibt man nach 23 Jahren bei einem Verein noch hungrig? Und wie tankt man Kraft für die größten Herausforderungen der Karriere? Haie-Kapitän Moritz Müller (39) spricht im RheinEnergieBlog über seine dritten Olympischen Winterspiele, die kommenden Playoffs in der DEL, die Bedeutung seiner Familie und die Leidenschaft, die ihn seit über zwei Jahrzehnten antreibt.
Mo, herzlichen Glückwunsch zur starken Saison! Die Haie stehen weit oben in der Tabelle der Deutschen Eishockey Liga (DEL), gleichzeitig bestreitest du in Mailand deine dritten Olympischen Spiele. Wo und wie tankst du gerade die meiste Energie?
„Am meisten Energie tanke ich an freien Tagen, die ich mit meiner Familie verbringen kann. So ein bisschen Leerlauf, Ruhe und Zeit mit den Liebsten geben Kraft. Es gibt aber auch viele schöne Erlebnisse als Profi, die mir Energie geben – das sind Dinge, die ich gerne mache, zum Beispiel Eishockeyspielen mit den Haien oder in der Nationalmannschaft. Da gebe ich viel Energie hinein, bekomme aber auch viel zurück.“
Der Traum von Olympia
Du bist bereits zum dritten Mal bei Olympia – 2018 gab es Silber. Was bedeutet dir die Teilnahme 2026?
„Olympia hat etwas magisches für mich. Schon als kleines Kind waren die Spiele für mich das Größte, woran man als Sportler teilnehmen kann – das ist nach wie vor so. Bei Olympia herrscht ein besonderes Gefühl. Man weiß, man steht vor etwas Großem, da knistert es in der Luft. Ich freue mich zuallererst auf die Jungs, dann auf das Set-up in Mailand: die ganze Atmosphäre und die Energie. Nach zwei Olympischen Spielen in Asien findet das Turnier nah an der Heimat statt, sodass meine Familie vor Ort dabei sein und mich spielen sehen kann. Und durch die Teilnahme der NHL-Spieler bekommt das Turnier den besonderen Glanz, sich mit den Besten der Besten messen zu können. Da mit 39 Jahren noch einmal dabei sein zu dürfen, freut und ehrt mich sehr.“
Mit seiner guten Laune hebt Moritz Müller auch im Nationalteam die Stimmung.
Olympia liegt mitten in der heißen Phase der DEL-Saison. Wie gehst du mental und körperlich mit dieser Doppelbelastung um?
„Darüber denke ich gar nicht viel nach. Klar wäre es schön gewesen, ein paar freie Tage zu haben, aber Olympia als ‚Alternative‘ ist so ziemlich das Beste, was es gibt – das nimmt man gerne in Kauf. Es geht darum, professionell zu leben und sich nicht zu viel zu erlauben. Ich verzichte gerne auf gewisse Dinge, um Energie für meinen Alltag als Profi zu haben.“
Was tust du konkret, um deine Energie hochzuhalten? Welche Routinen helfen dir bei Regeneration und Fokus?
„Guter Schlaf und gutes Essen fallen mir da direkt ein – darauf habe ich schon immer viel Wert gelegt. Ansonsten würde ich es unter dem Begriff ‚Quality Time‘ zusammenfassen: viel lachen, auch mal ein Buch lesen und einfach abschalten. So komme ich gut zur Ruhe.“
Die Rolle als Leader
Als Leader und Kapitän der Haie musst du deine Energie genau dosieren. Wie erkennst du, wann du pushen und wann du bremsen musst?
„Das ist eine gute Frage. Man kennt sich persönlich sehr gut und merkt meist selbst, wo das Energielevel gerade steht und was es eventuell an Input braucht. Bei der Mannschaft entwickelt man mit der Zeit ein Gefühl dafür, wie sie gerade tickt. Bei den 16 Siegen am Stück habe ich zum Beispiel gemerkt – und das ist ganz normal –, dass wir immer mehr Selbstvertrauen getankt haben und etwas ‚leichter‘ durch die Spiele gegangen sind. Da gilt es, ein gesundes Mittelmaß zu finden und die Arbeit nicht zu vergessen. Bescheidenheit und Demut sind Attribute, die auch in erfolgreichen Momenten wichtig sind. Das beeinflusst meine Herangehensweise in der Kommunikation mit dem Team.“
Eishockey ganz vorne: Hinter Fahnenträger und NHL-Star Leon Draisaitl schritt Moritz Müller (r.) in erster Reihe ins Mailänder San Siro Stadion.
Du bist ein enorm wichtiger Teil der Haie und der Nationalmannschaft. Was bedeutet diese Doppelrolle für dich – und wie hältst du die Energie im Team konstant hoch?
„Die Energie im Team halte ich persönlich hoch, indem ich die zwischenmenschlichen Beziehungen pflege – das geht häufig über eine gesunde Portion Humor und Lockerheit. So versuche ich, die Strömungen innerhalb der Mannschaft zu erkennen und sie dementsprechend in gute Bahnen zu lenken.“
Die RheinEnergie arbeitet mit Leitgedanken wie ‚Leistung mit Leidenschaft‘, ‚Zusammen wirken wir‘ und ‚Morgen wird heute gemacht‘. Welcher dieser Werte macht die Haie stark?
„Mit dem Leitgedanken ‚Leistung mit Leidenschaft‘ kann ich mich sehr gut identifizieren – ich finde das Wort Leidenschaft sehr schön. Es beinhaltet ‚schaffen‘, also kreieren, und ‚leiden‘. Um etwas zu erreichen, braucht es einen Invest. Das kann ich aus eigener Erfahrung als Sportler sehr gut nachvollziehen. Man muss bereit sein, viel zu geben, um viel zu bekommen. ‚Zusammen wirken wir‘ ist ebenfalls sehr treffend, denn nur als Team kannst du in einem Teamsport etwas erreichen. Es geht um das Kollektiv – denn als Einzelner, der ein super Spiel macht, hast du nichts, wenn das Team verliert.“
Seit vielen Jahren sorgt die RheinEnergie für Energie im Breiten- und Leistungssport: Von den Kölner Haien über den 1. FC Köln bis zum Köln Marathon oder der Nachwuchsförderung engagieren wir uns für den Sport in der Region. Erfahrt hier mehr über unser Sportsponsoring.
Gab es in dieser DEL-Saison einen Moment, in dem du die Haie wieder ‚aufladen‘ musstest?
„Da fällt mir die Zeit zu Beginn der Saison ein, als wir die beiden Spiele zu Hause verloren hatten. Wir waren mit großen Hoffnungen in die Spielzeit gestartet, waren als Vizemeister selbstbewusst und mussten dann gegen zwei starke Teams in einer vollen Arena den Kürzeren ziehen. Das war schon ein Moment, in dem ich als Kapitän gefragt war.“
Die Treue zu Köln
Du spielst seit 23 Jahren für die Kölner Haie. Was gibt dir die Stadt und der Verein, was andere Standorte nicht könnten?
„Ich bin als Kind viel herumgekommen, und als ich damals in Köln angekommen bin, habe ich wahrscheinlich gefunden, was ich lange gesucht hatte – eine Art Hafen. Ich fühle mich in Köln sehr wohl und kann mir nicht vorstellen, hier wieder wegzugehen.“
Bei den Fans der Kölner Haie gilt Veteran "Mo" als Publikumsliebling.
Wenn du an die kommenden Wochen denkst – erst Olympia und dann die Playoffs: Was wünschst du dir?
„Wenn man träumen darf, würde ich eine Olympische Medaille und natürlich die deutsche Meisterschaft mit den Haien nennen. Ich weiß, wie schwer das wird, aber das sind die Träume, die mich Tag für Tag antreiben.“
Die Motivation zur Leistung
Woher nimmst du nach so vielen Jahren als Profi noch diese innere Energie?
„Es gab mal einen Spruch bei uns in der Kabine, den ich sehr gut fand und nach wie vor finde. Es gibt drei Arten zu motivieren: durch Angst, durch Belohnung oder durch den Ansporn, der aus einem selbst herauskommt – also die intrinsische Motivation. Davon hatte ich immer genug. Woher sie kommt? Da müsste man wahrscheinlich sehr tief hineingehen und fragen: Wie bin ich so geworden, wie ich bin? Aber ich hatte zum Glück nie Probleme, mich zu motivieren.“
Was möchtest du am Ende deiner Karriere hinterlassen – bei den Haien und im deutschen Eishockey?
„Bei den Haien bin ich aktuell sehr froh, wie es läuft. Ich glaube, dass der Klub aktuell so gut dasteht wie selten zuvor – zumindest so, wie ich ihn wahrnehme. Das freut mich sehr. Genauso würde ich die Entwicklung im deutschen Eishockey beschreiben. Wir haben es geschafft, Eishockey in den vergangenen Jahren noch größer und populärer zu machen. Davon Teil gewesen zu sein, erfüllt mich mit Freude.“
Danke Mo – und viel Energie für die kommenden Herausforderungen!