15.06.2018 Claudia

Wasserkrise und absackende Städte: Deutschlands WM-Gegner Mexiko im Energiecheck

Dass wir unseren Vorrundengegnern Mexiko, Schweden, und Südkorea auf dem Spielfeld in Sachen Energie und Power haushoch überlegen sein sollten, steht wohl außer Frage. Wie aber steht es um die Versorgung mit Strom und Trinkwasser bei unseren ersten WM-Gegnern? Wir haben für euch den Energiecheck gemacht – los geht’s mit Mexiko, das seit vielen Jahren mit einer schweren Wasserkrise zu kämpfen hat.

 

Wasserknappheit in der zweitgrößten Stadt der Welt

Der Zugang zu sauberem Trinkwasser und ein verantwortungsvoller Umgang damit, sind für uns in Deutschland selbstverständlich. In Mexiko stellt beides jedoch ein großes Problem dar – vor allem in Mexico City, der zweitgrößten Stadt der Welt. Dort ist die Versorgung mit Wasser eine Frage von „arm“ und „reich“. Experten der „Autonomen Universität“ in Mexico City gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte der 22 Millionen Einwohner völlig ohne Zugang zu fließendem Wasser leben. Für alle anderen ist es ein Glücksspiel, denn man weiß nie, ob es am nächsten Tag Wasser gibt – und wenn ja, wie lange. Aus diesem Grund steht auf fast jedem Hausdach in der Millionenmetropole ein riesiger Tank, in dem das ankommende Wasser erst einmal gesammelt wird um Vorräte zu haben, wenn es wieder einmal für Stunden oder sogar Tage ausbleibt.

Pro-Kopf-Verbrauch in Mexico City zehnmal so hoch wie in Berlin

In den riesigen Armenvierteln der Stadt stellt sich die Frage, wie lange das Wasser wegbleibt, erst gar nicht. Denn von einem Zugang zu fließendem Wasser können die Menschen dort nur träumen. Sie zapfen mit Gummischläuchen über Erdlöcher das unterirdische Wassersystem an, was mal mehr, mal weniger gut gelingt. Während der Sommermonate werden sie über Tankwagen mit bis zu 3,5 Millionen Liter Wasser täglich versorgt. Eine enorme Menge, erst recht, wenn man bedenkt, dass sich das mexikanische Leitungswasser nicht zum Trinken eignet und auch zum Duschen, Zähneputzen und Geschirr spülen bedingt empfohlen wird.

 

Trotzdem ist der Wasserverbrauch in Mexikos Hauptstadt unvorstellbar hoch: Rund 62.000 Liter werden pro Sekunde benötigt, das ist mehr als zehn Mal so viel wie in Berlin. Im Schnitt verbraucht jeder Einwohner der Millionenmetropole 300 Liter pro Tag und damit gut doppelt so viel wie wir in Deutschland. Der einfache, aber traurige Grund: Ein Bewusstsein für knappe Ressourcen ist bei den ärmsten der Armen, die kaum etwas haben, völlig unbekannt. Aufklärung oder eine Sensibilisierung für dieses Thema gibt es in Mexico City trotzdem nicht. Ebenso wenig wie ein funktionierendes Transport- und Leitungssystem – das zweite große Problem der Stadt.

Infografik: Rund ein Fünftel des Wassers in Städten geht verloren | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Grundwasserförderung: Stadt sackt immer weiter ab

Ein Großteil der 24.000 Kilometer Wasserleitungen, die sich durch das Hochtal von Mexikos Hauptstadt und ihrer Vororte ziehen, müsste dringend saniert werden: Pro Sekunde versickern etwa 12.000 Liter des kostbaren Guts über Rohrrisse in der Erde.

Rund drei Viertel des täglichen Bedarfs wird aus dem Grundwasser gepumpt. Über 2.000 Pumpen saugen das Wasser immer tiefer unter der Betonwüste hervor, mit der Folge, dass Teile der Stadt absacken. Schon heute sieht man im Zentrum Gebäude, die bis zu 8,50 Meter tief im Boden versunken sind. Experten gehen davon aus, dass Mexico City in den kommenden 40 Jahren um weitere 6 Meter absacken wird – was wiederum verheerende Folgen für die ohnehin schon schlechte Trinkwasserversorgung hat: Durch die Senkung kommt es zu weiteren Brüchen an den Leitungen. Dadurch wird das Wasser verunreinigt und es kommt zu kleineren Überschwemmungen.

Initiativen wollen Wasserkrise entgegenwirken

Ein Ende der Wasserkrise in Mexikos Hauptstadt ist nicht in Sicht, denn der Berg an Problemen, die dafür gelöst werden müssten, ist riesig. Zu riesig für ein Land wie Mexiko. Seit einigen Jahren kümmern sich daher lokale Initiativen und gemeinnützige Organisationen wie „Isla Urbana“ zum Beispiel darum, dass in den Armenvierteln Regenauffangsysteme installiert werden und es endlich Aufklärung über den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser gibt.

 

Wir wünschen den Initiativen viel Erfolg bei ihrer wichtigen Arbeit und unserem ersten Vorrundengegner, dass der Zugang zu sauberem Wasser dort bald genau so selbstverständlich ist wie bei uns.

 

Wenn ihr euch über die Arbeit von „Isla Urbana“ informieren oder diese unterstützen wollt, findet ihr hier alle wichtigen Infos: http://islaurbana.org/english/

Dieser Beitrag stammt von unserer Gastautorin Claudia Welkisch. Bei Fragen oder Anregungen erreicht ihr sie unter presse@rheinenergie.com. Weitere Texte von Claudia findet ihr in ihrem Reise-Blog Lieblingsplätze.





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