14.05.2018 Adrian

„Trinkwasserpreise stark gestiegen" – die Geschichte einer Falschmeldung

Sind die Wasserpreise zwischen 2005 und 2016 überproportional gestiegen?

Eine Mitteilung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat sich am Freitag wie ein Lauffeuer verbreitet. Um 25 Prozent seien die Trinkwasserpreise zwischen 2005 und 2016 gestiegen. Das Problem: die Aussage ist falsch.

Trinkwasser wird immer teurer (tagesschau.de), Trinkwasser kostet immer mehr (n-tv.de), „Trinkwasserpreise stark gestiegen“ (dpa) – an dieser Botschaft führte am vergangenen Freitag kaum ein Weg vorbei. Ausgangspunkt der Meldungen war ein Beitrag der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Die Preise für Trinkwasser seien zwischen 2005 und 2016 deutschlandweit im Schnitt um mehr als 25 Prozent gestiegen. Klingt plausibel. Benzin, Lebensmittel, Zugtickets – in nahezu allen Lebensbereichen sind wir steigende Preise gewohnt. Inflation halt.

Meldung ungeprüft übernommen

25 Prozent erscheinen aber selbst inflationsbereinigt überzogen. Als Gründe für den Preissprung nennen die Grünen unter Berufung auf den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) und das Umweltbundesamt den zunehmenden Aufwand der Wasserversorger, um das Nahrungsmittel Nummer eins von Rückständen wie Pestiziden, Dünger und Medikamenten zu befreien. Klingt immer noch plausibel? Ja. Dieser Ansicht waren auch zahlreiche Journalistinnen und Journalisten sowie Mitarbeiter diverser Nachrichtenagenturen. Diese übernahmen die Meldung ungeprüft und platzierten sie in ihren Medien. Ärgerlich. Denn die Nachricht war eine Ente, eine Falschmeldung. 

Wie Stefan Niggemeier in Übermedien anschaulich nachzeichnet, hatten die Grünen zwei Tabellen des Statistischen Bundesamtes fehlerhaft ausgewertet. Die eine bildet die Trinkwasserkosten der Jahre 2005 bis 2013 ab, die andere die Werte von 2014 bis 2016. Am Ende der zweiten Tabelle steht der Hinweis, dass die Angaben „aufgrund geänderter Auswertungskonzeption mit Vorjahreswerten nicht vergleichbar“ sind. Diesen Vermerk hat man offensichtlich übersehen. Das Ergebnis: ein vermeintlicher Anstieg der Trinkwasserkosten in Höhe von 25 Prozent.

Das Statistische Bundesamt veröffentlichte am Freitag eigens eine Pressemitteilung, um den Sachverhalt klarzustellen. Demzufolge seien die Preise für Trinkwasser zwischen 2005 und 2016 um 17,6 Prozent gestiegen. Das liegt nur knapp über den im selben Zeitraum um 16,1 Prozent gestiegenen Verbraucherpreisen. 

Hochwertig und günstig: unser Trinkwasser (Grafik: VKU).

Enten passen gut zum Thema und lieben, ganz so wie Menschen, sauberes (Trink-) Wasser. Einmal in der Welt halten sie sich leider hartnäckig. Auch am Montag flatterte die Ente noch munter durch die Nachrichtenspalten. Zahlreiche Beiträge haben die Redaktionen mittlerweile korrigiert. Fairerweise sei erwähnt, dass die Meldung, abgesehen von der fehlerhaften Kernbotschaft, durchaus auch Richtiges enthält. So sind Verunreinigungen im Trinkwasser für viele Versorger tatsächlich ein Problem. 

Trinkwasserpreise in Köln seit 2005 moderat gestiegen

Für das Kölner Trinkwasser können wir diesbezüglich Entwarnung geben. In Köln arbeiten wir seit mehr als 30 Jahren eng mit der Landwirtschaft zusammen. Die Nitratwerte liegen sowohl links- wie rechtsrheinisch bei ~22 mg/l – und damit weit unterhalb des zulässigen Grenzwerts. Von einem Preissprung kann in Köln ebenfalls keine Rede sein: „Die Wasserpreise in Köln sind seit 2005 um nur 5,9 Prozent gestiegen“, sagt Dr. Matthias Schmitt, Hauptabteilungsleiter Wasserproduktion. Den moderaten Anstieg erklärt Schmitt durch Effizienzsteigerungen: „Wir optimieren permanent unsere Wasserproduktion und sind so in der Lage, die steigenden Kosten zumindest zum Teil abzufedern.“ 

Beim Verband Kommunaler Unternehmen findet sich zum Thema Trinkwasserpreise übrigens ein exzellenter Faktencheck.

Darauf trinken wir, nach all der Aufregung, einen Schluck Wasser. Prost!





Wir sind kontaktfreudig. Schreibt uns!