06.03.2015 Gast

Partielle Sonnenfinsternis am 20. März: Ein Stresstest für die Stromnetze

Am 3. März verdunkelt der Mond rund 82 Prozent der Sonne.

Am 20. März verdunkelt eine partielle Sonnenfinsternis in Deutschland den Himmel. Netzbetreiber sehen wegen des ausbleibenden Solarstroms die Netzstabilität in Gefahr. Wie sieht es denn tatsächlich aus mit der Versorgungssicherheit? 

Am 20. März wird der Himmel über Deutschland nicht erst am Abend dunkel. Zwischen 9:30 Uhr und 12:00 Uhr schiebt sich der Mond zwischen Sonne und Erde. Bis zu 82 Prozent der Sonne sind dann verdeckt. Viele Menschen in Europa sehen dem Naturschauspiel mit Freude entgegen. Ganz anders die vier großen deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW. Diese sind für die übergeordneten Strom-Transportsysteme in Deutschland verantwortlich. Sie warnen in einer gemeinsamen Presseerklärung vor ernsthaften Auswirkungen auf das elektrische System in Europa. Denn wenn der Mond den Himmel verdunkelt, geht die Erzeugerleistung durch das Ausbleiben von Solarstrom innerhalb kurzer Zeit um bis zu 12.000 Megawatt zurück. Tritt die Sonne schließlich wieder hinter dem Mond hervor, fluten hingegen bis zu 19.000 Megawatt Solarstrom in die Leitungen, weil die Solarzellen wegen der hoch stehenden Sonne dann besonders viel Strom produzieren. Zum Vergleich: Die Menge entspricht in etwa der Leistung von zehn großen Kraftwerken. 

Kein Wunder, dass die Netzbetreiber von einem Stresstest für das Stromnetz sprechen. Die Herausforderung: Für ein stabiles Netz und Versorgungssicherheit müssen sich Erzeugung und Verbrauch von Strom in jeder Sekunde die Waage halten. Diese Balance zu halten ist aber besonders während der Anfangs- und Schlussphase der Sonnenfinsternis problematisch. Denn der genaue Bedarf lässt sich nur schwer ermitteln. 

Hoher Anteil an Solarstrom im Netz

Eine Sonnenfinsternis dieser Dimension hat es zwar schon öfters gegeben, zuletzt 2003, der Unterschied zu vergangenen Ereignissen ist aber die zunehmende Bedeutung von Solarenergie. Photovoltaik-Anlagen machen mit einer installierten Netto-Nenn-Leistung von 38.000 Megawatt (Ende 2014) mittlerweile einen hohen Anteil an der Stromproduktion in Deutschland aus. 

Der ausbleibende Strom aus Solaranlagen könnte am 20. März das elektrische System ins Wanken bringen.

Wie gut sind die Übertragungs-Netzbetreiber vor diesem Hintergrund also auf den 20. März vorbereitet? 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW sehen sich nach eigenen Angaben gut gerüstet. Über mehrere Monate hinweg haben sie in Arbeitsgruppen in enger Absprache mit der Bundesnetzagentur einen Handlungskatalog erarbeitet. Mitarbeiter in den Netzleitstellen sind daraufhin speziell für das Ereignis geschult worden. Auch soll in der kritischen Phase mehr Personal als üblich in den Warten sitzen. Die Spezialisten wollen für die kritische Phase außerdem zusätzliche Regelenergie am Strommarkt beschaffen. So bezeichnet man die Menge an Strom, mit der sich Schwankungen im Netz ausgleichen lassen. Rund 4.000 Megawatt Regelenergie müssen die Netzbetreiber erfahrungsgemäß immer vorhalten. Die stammen zumeist aus flexiblen Erzeugungsanlagen, wie auch die RheinEnergie sie unter anderem mit dem Gas-und-Dampfturbinenkraftwerk Niehl 2 (und künftig auch Niehl 3) betreibt. 

Konventionelle Anlagen als Garant für Versorgungssicherheit

Zugegeben, eine Sonnenfinsternis ist ein eher seltenes Ereignis. Es zeigt aber einmal mehr, wie wichtig flexibel abrufbare (Regel-)Energie für die Versorgungssicherheit in Deutschland vor dem Hintergrund der Energiewende ist. Denn Erneuerbare Energie ist und bleibt Schwankungen unterworfen: Windkraft- und Solaranlagen erzeugen nicht auf Knopfdruck Strom, sondern in unmittelbarer Abhängigkeit vom Wetter. Mit unserem modernen und hocheffizienten Gas-und-Dampfturbinenkraftwerk Niehl 2 tragen wir schon jetzt – und natürlich am Tag der Sonnenfinsternis – zur Versorgungsicherheit in Köln, der Region und darüber hinaus bei –  auf Knopfdruck. (Text: mit bol)

Dieser Beitrag stammt von unserer Praktikantin Virginia Singer. Bei Fragen oder Anregungen könnt ihr sie unter presse@rheinenergie.com erreichen.

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