04.08.2015 Adrian

Elektromobilität: Steht die Akku-Revolution kurz bevor?

Der neue Nissan Leaf soll es einem Produktvideo zufolge auf eine Reichweite von knapp 544 Kilometer bringen (Foto: YouTube/Nissan).

Noch führen Elektroautos ein Nischendasein. Grund dafür ist neben den hohen Anschaffungskosten die geringe Reichweite. Doch in Sachen Akku-Technologie ist derzeit einiges in Bewegung. Schon ab 2018 sollen es die E-Autos mit den kraftstrotzenden Speichern locker auf 500 Kilometer bringen – und das ist erst der Anfang.

Lautloses Dahingleiten, rasantes Beschleunigen und ein fast lupenreines Gewissen: Wer bereits in den Genuss gekommen ist, ein Elektroauto zu fahren, wird zwangsläufig mit dem Gedanken gespielt haben, seinen Benziner zu verkaufen und umzusatteln. Allein die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten und die geringe Reichweite der Stromer (rund 150 Kilometer) holen die Träumer mit Blick auf die nächste Geschäftsreise, die Fahrt in den Urlaub oder den Wochenendtrip schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Aber, und das ist die gute Botschaft für die Zweifler: In Sachen Reichweite (und Anschaffungskosten) ist bei E-Autos einiges in Bewegung. Der Tag, an dem ein Elektroauto einem Benziner in diesen Bereichen das Wasser reichen kann, wird kommen. Nicht morgen, nicht in fünf Jahren und vermutlich auch nicht in zehn Jahren. Doch wenn es soweit ist, wenn wir in einem Stromer mit einer Akkuladung 700, 800 oder sogar 1.000 Kilometer weit kommen, wird alles anders. 

Wenn das E-Auto 1.000 Kilometer weit fährt, ...

  • ... wird es auf den Straßen ziemlich voll. Denn wer sein Elektroauto preiswert, womöglich über die eigenen Solarzellen aufladen kann, ist unschlagbar günstig unterwegs und würde sein Auto entsprechend häufig nutzen (alle Fotos: Fotolia). 

  • An den Tankstellen würde es in diesem Fall wohl ziemlich leer. Es sei denn, die Betreiber passen sich dem Trend an und bieten etwa Elektro-Speed-Betankung oder konzentrieren sich verstärkt um das leibliche Wohl der Autofahrer.

  • Gesetzt den Fall, die E-Autos würden die Benziner sogar von den Straßen verdrängen, wäre das für die Ölindustrie existenzbedrohend.  

  • Noch Zukunftsmusik: die E-Auto-Flotte als Speicher für überschüssige (erneuerbare) Energie zu nutzen. 

  • Die leistungsfähigen Power-Akkus in den Autos könnten, clever vernetzt, sogar als Energiespeicher herhalten und so Schwankungen im Stromnetz ausgleichen.

Das haben auch die Finanzinstitute und –analysten erkannt. Sie verfolgen die Entwicklungen am Batteriemarkt aufmerksam und wittern ihre Chance auf ein gutes Geschäft – völlig zu Recht. Denn wer heute in die Firmen investiert, die den Automobilherstellern morgen die passende Akkulösung präsentieren, kann traumhafte Renditen erwirtschaften. Traumhaft entwickeln sich derzeit auch die Produktionskosten für Batteriepacks. Die machen häufig knapp die Hälfte des Kaufpreises eines E-Autos aus. Eine jüngst im Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlichten Studie hat ergeben, dass die Kosten für die Stromspeicher jährlich um neun Prozent fallen. Die Entwicklung erinnert dabei stark an den Preisverfall vergangener Jahre bei Festplattenspeicher. Ein Preis von 230 US-Dollar pro Kilowattstunde sei, so die Autoren der Studie, schon jetzt in Sicht. Damit wäre Elektromobilität für jedermann bezahlbar. Die Berechnungen beruhen übrigens noch auf konventionellen Lithium-Nickel-Akkus, die lange Ladezyklen und begrenzte Reichweiten mit sich bringen. Der Akku der Zukunft könnte somit auch nicht mehr auf Lithium, sondern auf Aluminium basieren. Forscher der amerikanischen  Eliteuniversität Stanford haben kürzlich einen Durchbruch bei äußerst schnell ladenden Aluminium-Ionen-Batterien verkündet. 

Erste Modelle mit rund 500 Kilometern Reichweite ab 2018

Doch wann kommen die ersten Modelle mit (deutlich) verbesserter Reichweite auf den Markt? Bald! Volkswagen will laut ecomento.tv bereits ab 2018 ein reines Elektroauto mit Platz für fünf Personen in Serie herstellen, das dank optimierter Batterietechnik rund 500 Kilometer weit kommen soll. Das teilte Audi-Chefentwickler Ulrich Hackenberg bei der Präsentation des neuen Audi Q7 mit. Auch die neue Generation des Nissan Leaf, dem meistverkauften Elektroauto der Welt,  soll es ab 2018 (evtl. schon 2017) auf über 500 Kilometer Reichweite bringen. Das bestätigte Renault-Niassan-Chef Carlos Ghosn im Juni 2015 auf einer Investoren-Konferenz in Yokohama. 

Video: Nissan Leaf mit 544 Kilometern Reichweite

Wirklich spannend und damit auch revolutionär wird es laut Dr. Karsten Kieckhäfer vom Institut für Automobilwirtschaft und Industrielle Produktion (AIP) der Technischen Universität Braunschweig (gegenüber streitfragen.de) aber erst, wenn die Elektroautos es mit einer Akkuladung 800 Kilometer weit bringen. Dann nämlich sind sie unbedingt alltagstauglich. Ab einer Reichweite von 1.000 Kilometer dürften die E-Autos dann, u.a. aufgrund der Preisvorteile, sogar auf der Überholspur an den Benzinern vorbeiziehen – mit weitreichenden Folgen. 

Bundesregierung: eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020

Die Abhängigkeit von Erdöl würde weltweit deutlich sinken und die Erdöl produzierenden Staaten und die Ölindustrie vor große Probleme stellen. Die dezentrale Produktion von Strom dürfte weiter zunehmen, da sich die Verbraucher dann passend zu ihrem Elektroauto vermutlich auch eine „Tankstelle“ in Form von Solarmodulen aufs Dach stellen wollen. Das wiederrum hätte weitreichende Folgen für die Energieerzeuger, die sich auf die steigende Zahl der Selbstversorger einstellen müssten. Gleichwohl ergäben sich für sie neue Absatzmöglichkeiten für Strom. Denkbar wäre darüber hinaus auch, dass die über eine intelligente Lade-/und Entladestruktur verbundenen Akkus der E-Autos zur Absicherung der Versorgungssicherheit und damit zur Netzstabilität der Stromnetze beitragen könnten. 

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass im Jahr 2020 eine Million E-Autos  auf deutschen Straßen stromern. Davon sind wir mit aktuell knapp 20.000 zugelassenen Fahrzeugen zwar noch denkbar weit entfernt, doch die Bedingungen für die Elektromobilität waren noch nie so gut. Fest steht: Es bleibt spannend.  

By the way...

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Steven

Hoffentlich werden wir einen echten Fortschritt bei der Leistung von E-Autos
sehen. Wenn sie für Konsumenten keinen Mehrwert haben, werden sie sich
weiterhin für Autos mit klassischem Treibstoff entscheiden. Vielleicht müssen
wir uns doch auf Autos mit Wasserstoffantrieb fokussieren.
-
Steven

Adrian

Hallo Steven,

ja, der Mehrwert würde sich vor allem aus Preisvorteilen ergeben. Zum Wasserstoffantrieb: Leider ist es noch nicht rentabel, Wasserstoff herzustellen. Obwohl es in diesem Bereich ja auch schon spannende Verfahren gibt, mit denen etwa Überschüsse durch Strom aus Erneuerbarer Energie zur Herstellung genutzt werden können. Siehe dazu auch >> http://blog.rheinenergie.com/index.php/detailseite-themaaktuell/wohin-mit-ueberschuessigem-strom-gaskraftwerke-koennten-als-speicher-dienen.html.

Lg

Adrian 

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