20.02.2015 Adrian

Dieses Flugzeug soll die Welt umrunden – ohne einen Tropfen Treibstoff

(Foto: Solar Impulse/Anna Pizzolante/REZO.ch)

Die Abenteurer Bertrand Piccard und André Borschberg wollen mit dem Solarflugzeug Solar Impulse 2 die Welt umrunden. Gelingt ihr Vorhaben, würden sie Luftfahrtgeschichte schreiben. Doch ihr eigentliches Anliegen ist ein anderes. 

Das Vorhaben von Bertrand Piccard und André Borschberg klingt auf den ersten Blick so fantastisch wie abwegig. Ohne einen Tropfen Treibstoff wollen die Abenteurer in ihrem Solarflugzeug Solar Impulse 2 (SI2) ab Anfang März 2015 in mehreren Etappen die Welt umrunden. 

Wirkungsgrad des Systems: rekordverdächtige 94 Prozent

Ein Schnellschuss ist das Vorhaben aber nicht, im Gegenteil: Von der ersten Machbarkeitsstudie über den Bau eines Prototypen bis hin zum Endprodukt inklusive mehrerer Testflüge sind zwölf Jahre vergangen. Dabei ist das Team um die beiden Visionäre auf zuletzt 50 Ingenieure und Techniker angewachsen. Zahlreiche namhafte Partner aus Industrie und Wissenschaft stellten ihr Know-how zur Verfügung. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist einmalig in der Luftfahrtgeschichte: Bei einer Flügelspannweite von 72 Metern kommt die SI2 auf ein Gewicht von nur 2,3 Tonnen. So viel wiegt in etwa ein kleinerer Lieferwagen. 

Rund 17.000 Solarzellen haben die Ingenieure in dem Hightech-Flieger verbaut (Foto: Solar Impulse).

In der Luft gehalten wird das Flugzeug von vier 13,5-kW-starken Elektromotoren, die ihre Leistung aus 17.000 auf den Flügeln, dem Rumpf und dem Höhenleitwerk verbauten Solar-zellen beziehen. Hochoptimierte Lithium-Polymer-Akkus (Energie-dichte: 260 Wh/kg) speichern überschüssige Energie und geben sie vor allem in der Nacht wieder an die Motoren ab. Wirkungsgrad des Systems: rekordverdächtige 94 Prozent. „Die Kraftstoffreserven nehmen beim Flug zu“, beschreibt André Borschberg, Mitinitiator und CEO der Firma Solar Impulse, das Energiekonzept hinter der SI2. „Wir haben jede Quelle für Energieeffizienz untersucht. Heute ist die Solar Impulse das erste Solarflugzeug, das Tag und Nacht in der Luft bleiben kann und dem immerwährenden Flug sehr nahe kommt." 

Einem immerwährenden Flug steht allerdings der Faktor Mensch entgegen. Im Gegensatz zur IS2 können Piccard und Borschberg den Strapazen in der Luft als Piloten nicht allzu lange standhalten. Die Temperaturen schwanken im Cockpit – je nach Flughöhe – zwischen minus 20 und plus 40 Grad. Bei Flughöhen um die 8.500 Meter sind die beiden außerdem auf Sauerstoffmasken angewiesen. Auf eine Druckkabine und Heizung wurde ganz bewusst verzichtet, um kostbares Gewicht einzusparen. 

Die Visionäre hinter dem Projekt Solar Impulse: Bertrand Piccard (l.) und André Borschberg (Foto: Solar Impulse/Ackermann/Rezo).

Die insgesamt 500 Flugstunden wollen die beiden Visionäre daher abwechselnd in der winzigen Kabine verbringen. Die zwölf geplanten Zwischenstopps (siehe Karte unten) dienen dem Pilotenwechsel und als Plattform, um das eigentliche Anliegen hinter dem Vorhaben zu verkünden: Neben einem Beitrag zur Forschung und Innovation im Dienste der Erneuerbaren Energie sollen Menschen nämlich dazu ermutigt werden, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Pionierarbeit zu leisten. 

Mit zwei Tagen Verspätung ist die SI2 am Montag, 9. März, in Abu Dhabi mit Kurs auf die Stadt Maskat in Oman abgehoben. Von dort aus führt die Route über Asien und den Pazifik mit einem Zwischenstopp auf Hawaii in die USA. Vor der Atlantiküberquerung steht ein letzter Stopp in New York an, bevor eine weitere Landung in Südeuropa oder Nordafrika erfolgt. Planmäßig erreichen Piccard und Borschberg ihren Ausgangspunkt Abu Dhabi Ende Juli. Wer ein Stück mitfliegen möchte, hat auf der eigens zu diesem Zweck eingerichteten Internetseite Gelegenheit dazu.

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