26.06.2018 Claudia

Abschied vom Ausstieg – Deutschlands WM-Gegner Südkorea im Energiecheck

Atomkraftwerke gehören zu Südkoreas "Exportschlagern" (Bild: AdobeStock).

Mit der südkoreanischen Energie ist es ja leider so eine Sache… Und zwar nicht nur bei der WM, wo das ostasiatische Land in beiden Vorrundenspielen eher vom Pech verfolgt als energiegeladen war. Auch in Sachen Energiewende beweist das Land kein glückliches Händchen.

Der Strom wird in Südkorea zu einem Drittel in Atomkraftwerken produziert. Ein Ende ist nicht in Sicht, obwohl Präsident Moon Jae-in bei seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr versprach, aus der Atomenergie auszusteigen und eine Energiewende anzustreben. Er kündigte an, Südkorea, den weltweit fünftgrößten Produzenten von Atomenergie, nuklearfrei machen zu wollen. "Bislang hat sich unsere Energiepolitik vor allem auf günstige Preise und Effizienz fokussiert, während die öffentliche Sicherheit zweitrangig war", sagte Moon Jae-in. Und versprach: "Dies muss sich nun ändern".

Präsident nimmt Ausstiegsversprechen zurück

Was sich seitdem änderte, war jedoch leider nur die Meinung des Präsidenten. Denn nach Bekanntgabe seiner Pläne übten Lobbygruppen enormen Druck auf ihn aus. Der Grund: Südkoreas Atomkonzerne wollen ihre selbst entwickelten Kraftwerke auch exportieren und bauten zur Zeit Moons Ausstiegsankündigung gerade vier Reaktoren in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Wert von 20 Milliarden Euro. Ein Atomausstieg zu dieser Zeit? Schlecht fürs Geschäft. Denn ohne Referenzprojekte im eigenen Land sei eine Exportindustrie nicht konkurrenzfähig, argumentierten die Lobbyisten. Und auch unter den Akademikern Südkoreas gab es vehemente Proteste gegen Moons Ausstiegspläne. Mehr als 400 Professoren forderten vergangenen Sommer in einem Appell die Rücknahme des Ausstiegsversprechens. Ihrer Ansicht nach brächten die Meiler „preiswerte Energie für das Volk“ und könnten für weltweiten Wachstum und Wohlstand sorgen. Die Folge der Proteste: die Rücknahme der Ausstiegspläne.

Atomausstieg oder nicht? Die Südkoreaner sind sich uneins (Bild: AdobeStock).

Den Atombefürworten gegenüber stehen rund 60 Prozent der koreanischen Bevölkerung, die Moons Ausstiegskurs unterstützen. Eine schwierige Situation für die Regierung eines Landes, in dem eine starke Verflechtung von Wirtschaft und Staat herrscht und in dem letzterer nicht nur Aufseher über die Atomindustrie, sondern auch Wirtschaftsförderer ist.

Regierung findet keinen klaren Kurs

Eine klare Linie gegenüber der Atomindustrie ist in Südkorea derzeit nicht in Sicht, obwohl die Debatte im Frühjahr erneut ausgelöst wurde, als neue, beunruhigende Erkenntnisse zur Erdbebensicherheit des Landes bekannt wurden. Ob und wann die Regierung um Moon einen detaillierten Fahrplan für die angekündigte Energiewende vorlegt, ist ungewiss.

Fest steht, die Grundvoraussetzungen für Erneuerbare Energien sind in Südkorea mehr als gut: An den Küsten der Halbinsel gibt es genug Wind und auch während der Wintermonate scheint dort sehr häufig die Sonne. Auch technisch wäre das Land, das als asiatisches IT-Mekka gilt, in der Lage, effiziente Speichersysteme zu entwickeln. Trotzdem liegt der Anteil alternativer Energien am nationalen Energiemix bei nicht einmal 7 Prozent. Bis 2030 soll er auf immerhin 20 Prozent gesteigert werden – ein kleiner Schritt für Südkorea und ein großes Versprechen des Präsidenten, von dem dieser sich hoffentlich nicht wieder abbringen lässt.

Dieser Beitrag stammt von unserer Gastautorin Claudia Welkisch. Bei Fragen oder Anregungen erreicht ihr sie unter presse@rheinenergie.com. Weitere Texte von Claudia findet ihr in ihrem Reise-Blog Lieblingsplätze.





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