04.12.2015 Adrian

Was bringt die Novelle des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes?

Unser neues Gas-und-Dampfturbinenkraftwerk Niehl 3 zählt weltweit zu den modernsten Anlagen seiner Art und ist eine wichtige Säule der Energiewende (Foto:RheinEnergie).

Der Bundestag hat am Donnerstag das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz 2016 beschlossen. Was bedeutet das Gesetz für Unternehmen wie die RheinEnergie und wie wirkt es sich auf die Verbraucher aus? Antworten liefert unser Experte Dr. Matthias Dienhart. 

RheinEnergieBlog: Was ist das KWK-Gesetz?

Dr. Matthias Dienhart: Das KWK-Gesetz unterstützt finanziell besonders effiziente klimaschonende Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK), die sonst wirtschaftlich nicht betrieben werden könnten. Kraft-Wärme-Kopplung ist die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Fernwärme aus demselben Brennstoff. Ohne KWK-Anlagen wäre die CO2-Emission in Deutschland rund 56 Millionen Tonnen pro Jahr (t/a) höher.

RheinEnergieBlog: Warum sind KWK-Anlagen sinnvoll?

Dr. Matthias Dienhart: KWK-Anlagen nutzen den eingesetzten Brennstoff zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme mit einer Effizienz von bis zu 90 Prozent. Klassische Kraftwerke bringen es bei der reinen Stromerzeugung gerade einmal auf eine Effizienz zwischen 30 und 60 Prozent. Den Rest der Energie geben diese Anlagen ungenutzt als Abwärme in die Umwelt ab.

RheinEnergieBlog: Warum wird das KWK-Gesetz novelliert?

Dr. Matthias Dienhart: Die Kraft-Wärme-Kopplung, insbesondere dann, wenn sie in modernen Gas- und-Dampfturbinenkraftwerken mit hohen Wirkungsgraden stattfindet, ist eine der Säulen der Energiewende. Einerseits für eine ressourcen- und umweltschonende Wärmeversorgung. Andererseits gleichen die flexiblen Heizkraftwerke die schwankende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen aus und sichern somit jederzeit die Energieversorgung – auch dann wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht. Leider hat sich die Wirtschaftlichkeit der KWK-Anlagen aufgrund verschiedener Effekte (Kohle-Preisverfall, Preisverfall beim CO2-Emmissionshandel, Erneuerbaren-Ausbau, …) in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Um die durch die KWK-Anlagen erreichten CO2-Einsparungen zu sichern und weitere zu erschließen, werden mit der Gesetzesnovelle einzelne Förderungen erhöht.

RheinEnergieBlog: Was kostet mich das als Stromkunde?

Dr. Matthias Dienhart: Aktuell beträgt die Förderung rund 600 Millionen Euro (Mio. Euro) pro Jahr, was den Endkundenstrompreis um rund 0,22 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) verteuert. Zum Vergleich: Bei der RheinEnergie kostet die Kilowattstunde Strom im Tarif FairRegio plus derzeit 26,72 Cent. Zukünftig können über das Gesetz bis zu 1.500 Mio. Euro pro Jahr ausgeschüttet werden, was sich im Strompreis mit max. 0,53 ct/kWh bemerkbar machen würde. Über das Erneuerbaren-Energien-Gesetz werden rund 22.000 Mio. Euro pro Jahr gefördert, was sich im Strompreis mit rund 6,3 ct/kWh bemerkbar macht.

RheinEnergieBlog: Wie findet die RheinEnergie die Gesetzesveränderung?

Dr. Matthias Dienhart: Eigentlich gut, seit 2012 errichten wir in Niehl eine der effizienten „Energiewende“-Erdgas-GuD-KWK-Anlagen. Dieses Heizkraftwerk kann im Vergleich zum Bundesmix zusätzlich rund 400.000 Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden. Leider ist mit der Gesetznovellierung noch nicht die letzte Hürde für die klimaschonende KWK-Förderung genommen: In einem aufwendigen Verfahren müssen wir die Förderung unserer neuen Anlage noch zur Prüfung bei der EU-Kommission vorlegen.

Zur Person

Dr. Matthias Dienhart leitet bei uns die Abteilung Energiewirtschaftliche Grundsatzfragen. Aktuelle Entwicklungen in Köln, Düsseldorf, Berlin und Brüssel sowie deren Auswirkungen auf den Energiemarkt und unser Unternehmen hat er immer fest im Blick und entwickelt davon ausgehend mit seinem Team Strategien und Konzepte.  

Wir sind kontaktfreudig. Schreibt uns!