Reingeblickt
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Deep Dive hinter die Kulissen der RheinEnergie.

Rheinisches Energieforum: „Energiewende ist Multi-Projektmanagement“

Anna
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Das Rheinische Energieforum war zu Gast in der Kölner Flora. (Bild: RheinEnergie)

Die Energiewende ist unumkehrbar, der Klimawandel ist in aller Munde, die jungen Generationen fordern Klimagerechtigkeit. Nun ist Tempo gefragt, wenn wir es schaffen wollen, auf allen Ebenen der regionalen und überregionalen Versorgung CO2-neutral zu werden. Beim Rheinischen Energieforum hat unser Unternehmen am 30. August 2023 Expertinnen und Experten eine Plattform zum Meinungs-, Ideen- und Erfahrungsaustausch geboten.

Zukunft der Energiebranche

„Das Thema Energie bewegt und die Zukunft der Energiebranche treibt alle in Politik und Wirtschaft um“, sagte unser Vorstandsvorsitzende Andreas Feicht zur Eröffnung des Rheinischen Energieforums in der Flora. Und das machte auch die Liste der Teilnehmenden deutlich: Rund 250 Gäste aus Köln, der Region und ganz Deutschland – Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Politik und Forschung – waren angereist, um Erfahrungen auszutauschen und die Entwicklungen aktueller Themen wie die kommunale Wärmeplanung und den Wasserstoffeinsatz in der Energieerzeugung zu diskutieren.

„Energiewende ist Multi-Projektmanagement“, so Andreas Feicht weiter. „Viele Dinge müssen parallel entwickelt werden: eine Infrastruktur für die Wasserstoffwirtschaft muss entstehen, die Erneuerbaren Energien sollen ausgebaut werden, das große Thema Wärmewende vorangetrieben werden. All das erfordert viel Diskussion und Kooperation.“

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker auf dem Rheinischen Energieforum. (Bild: RheinEnergie)

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker zeigte sich erfreut, dass sich die Expertinnen und Experten für den Austausch untereinander am Standort Köln zusammengefunden hatten. Sie blickte zurück auf das vergangene Jahr und die Energiekrise und zog eine überwiegend positive Bilanz: „Viele haben in der Krise einen richtig guten Job gemacht.“ Die Klimaneutralität der Stadt Köln bis 2035 sei ein ambitioniertes Ziel, das nicht unmöglich zu erreichen sei. Allein die Wärmeplanung zeige aber, dass es sich bei Klima- und Energiepolitik um eine hochkomplexe Aufgabe handle. „Aber: Sie ist alternativlos“, so Reker.

Wege aus der Energiekrise

Mit Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des BDEW, Michael Gessner, Abteilungsleiter Energie im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie NRW, und Barbie Haller, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, diskutierte Andreas Feicht über die Wege aus der Energiekrise und die Versorgungssicherheit. Die Expertinnen und Experten bescheinigten der Politik ein gutes Krisenmanagement während der vergangenen zwölf Monate.

Andreas Feicht hob die Preisbremsen als wichtiges Instrument und gutes Signal der Politik hervor, auch wenn es prozessual für uns schwierig gewesen sei, diese umzusetzen. „Das war für uns alle eine angespannte Zeit und ist es immer noch“, so Feicht. „Das Narrativ ‚Wir sind durch‘ ist eins, das mir nicht gefällt.“

Diskussionsrunde u.a. mit Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des BDEW (Mitte), und unserem Vorstandsvorsitzenden Andreas Feicht (2.v.r.). (Bild: RheinEnergie) 

Für den nächsten Winter, für die Zukunft, sei die Branche vorbereitet, Prozesse seien eingespielt und Krisenfälle in Übungen durchgespielt worden. Dennoch machte Feicht deutlich klar: „Die Versorgungssicherheit ist in Deutschland ein Gebilde, in dem vieles ineinandergreift. Kein Versorgungswerk kann die Versorgungssicherheit aufrechterhalten, wenn es drumherum einen Blackout gibt. Ich teile die Ansicht der Fachleute, dass wir besser vorbereitet sind als vor einem Jahr. Aber wir sind nicht sicher.“

„Ich glaube, die nächsten 24 bis 36 Monate sind entscheidend: Ob die sehr anspruchsvollen Ziele der Energiewende und der Kohleausstieg in NRW 2030 gelingen können – da werden wir 2025 Bilanz ziehen, zur Bundestagswahl. Es wird viel funktionieren und wir werden in NRW und in ganz Deutschland auch mehr schaffen, als wir uns das in der Vergangenheit vorstellen konnten.“

Andreas Feicht

Finanzierung und Bezahlbarkeit der Energietransformation

Unsere Kaufmännische Vorständin Birgit Lichtenstein sprach im Plenum zum Thema „Finanzierung und Bezahlbarkeit der Energietransformation“. Mit ihr auf der Bühne saßen Tilo Hacke, Mitglied des Vorstands Deutsche Kreditbank, Gerd Inden, Direktor bei Ford Land, und Martin Murrack, Stadtdirektor und Kämmerer der Stadt Duisburg.

Birgit Lichtenstein (re.), kaufmännische Vorständin der RheinEnergie. (Bild: RheinEnergie)

„Geld war früher immer da, um die kleineren Herausforderungen zu bewältigen. Das ist heute anders. Wir müssen sehr viel mehr investieren. Wenn wir in der Vergangenheit ein Investitionsvolumen von 150 Millionen Euro hatten, dann müssen wir zur Erreichung der Ziele der Energiewende heute mindestens das Doppelte einplanen“, sagte Lichtenstein.

Gerd Inden gab Einblick in die Transformation in der Automobilindustrie. Am Ford-Standort in Köln werden künftig nur noch Elektroautos gebaut. Martin Murrack berichtete von der Umstellung des ÖPNV in Duisburg und damit verbundenen Investitionen.

„Die RheinEnergie ist in allen Wertschöpfungsstufen des Energiemarktes aktiv. Dort gibt es überall Geldbedarf in Infrastruktur-Leistungen: Wir müssen neue Erzeugungsanlagen bauen, wir müssen in die Netzinfrastruktur und unsere Energiedienstleistungen investieren. Werden wir damit ganz viel verdienen? Ich weiß es nicht. Vielleicht erst in 20 Jahren. Denn infrastrukturgetriebene Investitionen haben einen sehr langen Investitionsvorlauf. Das heißt, wir investieren heute in Sachverhalte, ohne dass wir ein direktes Umsatzwachstum verzeichnen.“

Birgit Lichtenstein

Fachforen zu aktuellen Themen der Energiewende

In vier Fachforen wurde am Nachmittag über die Themen Kommunale Wärmeplanung, Wasserstoffeinsatz in der Energieerzeugung, die Entwicklung eines klimaneutralen Stromsystems sowie die Transformation und Rolle der Netze gesprochen. Vorstandsmitglieder und Geschäftsführungen namhafter Energieerzeugungs- und Energieversorgungs-Unternehmen, Vertreterinnen und Vertreter aus der Landes- und Kommunalpolitik sowie aus der Forschung und Fachleute gingen gemeinsam in die Bestandsaufnahmen, in den Meinungsaustausch und in einen lebhaften Dialog mit dem Publikum.

Unsere Netzvorständin Susanne Fabry gab im Plenum Transformation (Erzeugungsstrukturen) und Rolle der Netze in der „More-electric-world“ einen Ausblick auf den Netzausbau in Köln in den kommenden Jahren: „Wir planen 80 Kilometer Hochspannungsnetz neu zu verlegen. Das ist nicht gerade wenig. Wir haben ein paar größere Projekte, die anstehen, schließen unter anderem die Uniklinik neu an. Und auch das Fernwärmenetz soll bis 2035 um 50 Kilometer Leitungsnetz wachsen.“ Fabry berichtete auch von unserer internen Umstrukturierung des Marktbereichs Netz (NETFOX), mit der wir uns für die Herausforderungen des Netzausbaus und für die Transformation unserer Infrastruktur neu aufstellen.

Im Fachforum Kommunale Wärmeplanung in der Praxis diskutierte Alice Bauer, Leiterin der Koordinierungsstelle Klimaschutz der Stadt Köln, mit ihren Gästen über die Herausforderungen der Wärmewende in den Kommunen. Das Panel betonte, dass es nur als gemeinsame Anstrengung von Kommunen, Bund, Stadtwerken und Unternehmen gelingen kann, die komplexe Wärmeplanung umzusetzen. Dafür brauche es Vernetzung, gute Beispiele und Pilotprojekte, die ermutigen und auf die man aufbauen kann.

Themenpanel zur Bedeutung von Wasserstoff in der Energie- und Wärmewende. (Bild: RheinEnergie)

Einigkeit herrschte in dem Plenum mit dem Titel Vom Erdgas zum Wasserstoff darüber, dass das kleine Molekül in Zukunft eine große Rolle sowohl in der Energieerzeugung als auch der industriellen Produktion spielen wird. Die Teilnehmer aus Industrie, Verwaltung sowie Logistik diskutieren darüber, wie der Hochlauf des begehrten Stoffs möglichst rasch bewältigt werden und wie die Politik dabei die richtigen Weichen stellen kann. Dabei betonten sie, dass wir bei dem benötigten Hochlauf pragmatisch vorgehen müssen und es tragfähiger Rahmenbedingungen für die Investitionsentscheidungen bedarf. „Wir müssen auf Skalierung setzen“, hob Katherina Reiche, Vorstandsvorsitzende von Westenergie und gleichzeitig Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrates der Bundesregierung, hervor.

Im Panel Entwicklung eines klimaneutralen Stromsystems (PKNS) wurde besonders der enge Zeitplan auf dem Weg zur Klimaneutralität als große Herausforderung beschrieben. Die Zeit werde knapp und es müsse jetzt gehandelt werden.

Aufbruchstimmung und ein wenig Vorsicht

Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie. (Bild: RheinEnergie)

Nach vielen spannenden Diskussionsrunden zog Andreas Feicht am Ende des Tages Bilanz: Das Rheinische Energieforum habe viele Momente der Zuversicht und Aufbruchstimmung geboten, aber es sei auch Vorsicht bei Themen wie dem Ausbau der Stromverteilnetze und der integrierten Infrastrukturplanung angeklungen. „Es wurde sehr intensiv gesprochen und diskutiert. Wir wissen, was getan werden muss und welche Rahmenbedingungen es noch braucht“, so unser Vorstandsvorsitzende.


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