Jobprofil Kraftwerker: Wenn nichts passiert, läuft alles richtig
Manche Berufe erklären sich von selbst. Andere lösen erst mal Stirnrunzeln aus, gefolgt von Fragen. Bei Uli Tesch, Kraftwerksmeister und stellvertretender Schichtführer in unserem Heizkraftwerk Niehl, taucht eine dieser Fragen immer wieder auf: Ist das nicht gefährlich?
Vielleicht denken viele bei der Frage an Springfields berühmtesten Kraftwerker, dessen Job aus Nichtstun und gelegentlicher Panik besteht – gemeint ist Homer Simpson aus der Zeichentrickserie "Die Simpsons".
Uli Tesch kennt den Vergleich und lacht darüber, weil er weiß, wie wenig das zutrifft. Köln hat erstens kein Kernkraftwerk. Und zweitens beginnt bei Uli die eigentliche Arbeit genau dort, wo bei Homer Simpson das Chaos anfängt: lange bevor etwas passiert. Die Hauptaufgabe im Leitstand unseres Heizkraftwerks Niehl ist die Überwachung der Anlage. Wer Störungen früh genug erkennt und richtig reagiert, verhindert, dass aus einer Kleinigkeit ein Ausfall wird.
Heizkraftwerk Niehl: Wärme für die Kölner Innenstadt
Wenn das passiert, merken es die Kölner direkt: Niehl ist der Haupteinspeiser für das Fernwärmenetz der Kölner Innenstadt. Ein Stromausfall ist vor allem ein finanzielles Problem, weil bereits verkaufte Mengen zurückgekauft werden müssen. Bei der Fernwärme sieht das anders aus: Hier bleiben die Heizungen im Kölner Stadtgebiet kalt, wenn nichts mehr fließt.
Damit das nicht passiert, gibt es ein Sicherheitskonzept: Im Winter steht in der Regel immer eines der beiden Kraftwerke in Niehl als Rückfallebene bereit, selbst wenn die andere Anlage die Versorgung allein stemmen könnte. Zusätzlich kann auch das frühere Heizkraftwerk in der Kölner Südstadt unterstützen, auch wenn dort heute kein Leitstand mehr besetzt ist. Wie wichtig diese Sicherung ist, zeigte sich 2009 beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs: Ein Druckstoß durch den beschädigten Leitungsabschnitt war noch bis zum Kraftwerksgelände zu spüren und führte dort kurzzeitig zu einem Fernwärmeproblem.
Uli Tesch im Leitstand des Heizkraftwerks in Niehl. Bildquelle: RheinEnergie AG.
Was macht ein Kraftwerker im Heizkraftwerk?
Die Hauptaufgabe der Schicht ist die Überwachung der Anlage. Über zahlreiche Monitore im Leitstand laufen Daten aus allen Anlagenteilen zusammen. Tritt eine Störung auf, schlägt ein akustisches Signal Alarm, ergänzt durch eine Meldefolgeanzeige mit Textmeldungen und optische Warnsignale an den betroffenen Anlagenteilen.
"Die Hauptverantwortung liegt darin, Störungen frühzeitig wahrzunehmen, zu erkennen und entsprechend zu reagieren".
Uli Tesch, Kraftwerksmeister und stellvertretender Schichtführer im Heizkraftwerk Niehl
Manche Probleme lassen sich direkt vom Leitstand aus beheben. Andere erfordern, dass jemand vor Ort nachsieht, woran es liegt.
Eine zweite zentrale Aufgabe betrifft das Freischalt- und Arbeitsfreigabeverfahren. Bevor an der Anlage gearbeitet werden darf – etwa weil eine Pumpe gewartet werden muss – braucht es eine Arbeitserlaubnis. Uli und sein Team schalten die betroffenen Leitungen elektrisch frei, nehmen Druck und Temperatur heraus und geben erst dann die Freigabe für die Arbeit. Anders als an anderen Standorten übernehmen die Schichtmitarbeitenden in Niehl diese Freischaltungen selbst, statt sie an die Werkstätten abzugeben. Historisch gewachsen, sagt Uli, aber bewährt: Deshalb ist auf jeder Schicht immer auch ein Elektriker dabei.
Die dritte wichtige Aufgabe kommt zum Tragen, wenn eine Anlage tatsächlich ausfällt. Eine Dampfturbine etwa bleibt nach dem Abschalten noch lange heiß. Bleibt die Welle dabei stehen, kann sich der Stahl verziehen. Ein hydraulisches Drehwerk hält sie deshalb in Bewegung, bis sie ausreichend abgekühlt ist. Wird dieser Schritt versäumt, ist die Turbine kaputt, und der Schaden geht schnell in den Millionenbereich. Genau deshalb läuft an der Anlage nichts ohne feste Sicherheitsverfahren, weder für die Technik noch für die Menschen, die daran arbeiten.
Die Schicht im Heizkraftwerk: Drei Kernaufgaben, ein Team
Überwachen
Die Anlage läuft, die Schicht behält sie im Blick und reagiert bei Störungen.
Freigeben
Bevor gewartet wird, schaltet die Schicht Anlagenteile elektrisch frei und gibt die Arbeitserlaubnis.
Eingreifen
Bei Störungen oder Ausfällen sorgt die Schicht dafür, dass die Anlage sicher abgefahren wird.
Sechs Personen pro Schicht, davon mindestens zwei Meister und ein Elektriker, teilen sich diese Aufgaben in einem Fünf-Wochen-Rhythmus: drei Wochen mit festem Plan, zwei Verfügungswochen für Urlaubs- und Krankheitsvertretung.
Strompreis und Standortausbau: Ein Job in Bewegung
Strom ist börsengehandelt. Sinkt der Preis, drosselt der Energiehandel der RheinEnergie die Produktion in Niehl, manchmal minutenscharf. Im besten Fall produziert eine Anlage über 400 Megawatt, im schlechtesten Fall nur 100. Die Schicht setzt diese Vorgaben laufend um, ohne den Blick auf Sicherheit und Anlagenzustand zu verlieren.
Hinzu kommt der stetige Wandel am Standort. Wo früher zwei Gasturbinen standen, laufen heute zwei neue Schnellschaltkessel. Direkt nebenan entsteht gerade Europas größte Flusswärmepumpe mit 150 Megawatt Leistung. Die Inbetriebnahme solcher Anlagen übernimmt die Schicht zusätzlich zum laufenden Betrieb der bestehenden Kraftwerke.
Vielfalt als Beruf: Warum hier niemand auslernt
"Das Spannende an dem Job ist die Vielfalt. Es ist von allem was dabei: Strom, Wasser, Fernwärme", sagt Tesch. Deshalb hört das Lernen nie auf: Mit jeder neuen Anlage am Standort, etwa der Flusswärmepumpe, kommt Wissen dazu, das sich nur im laufenden Betrieb aneignen lässt.
"Ein gutes Team entsteht dadurch, dass jeder weiß, was sein Fachgebiet ist, und sich entsprechend einbringt", so Uli Tesch. Bei Störungen zählt selten Einzelleistung. Stattdessen steckt das Team die Köpfe zusammen und sucht gemeinsam nach der Ursache.
Job-Steckbrief: Kraftwerker (m/w/d) bei der RheinEnergie
Job-Steckbrief |
Kraftwerksmeister (m/w/d) bei der RheinEnergie |
Bereich |
Erzeugung, Heizkraftwerk Niehl (KNP) |
Mögliche Tätigkeiten |
Kraftwerker im Schichtbetrieb, Kraftwerksmeister, stellvertretender Schichtführer.
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Kernaufgaben |
Anlage überwachen, Freischaltungen und Arbeitserlaubnisse erteilen, Anlage bei Störungen sicher abfahren. |
Arbeitsweisen |
Mischung aus Routinebetrieb und schneller Reaktion bei Störungen, eng verzahnt mit Energiehandel, Werkstätten und Leittechnik. |
Teamgröße |
Fünf Schichten mit jeweils sechs Mitarbeitenden, davon mindestens zwei Meister und ein Elektriker pro Schicht. |
Einstieg |
Abgeschlossene technische Ausbildung, etwa als Elektriker, Schlosser oder Mechatroniker, plus zweijährige, viermonatige Kraftwerker-Ausbildung mit IHK-Abschluss bei der RheinEnergie. |
Vergütung |
Nach Tarif (TV-V). Die konkrete Entgeltgruppe und Gehaltsspanne sind in der jeweiligen Stellenausschreibung angegeben. |
Kraftwerker: Das musst du für diesen Job mitbringen
Technische Vorausbildung: Du hast eine abgeschlossene Ausbildung, etwa zur Elektrikerin oder zum Elektriker, zur Schlosserin oder zum Schlosser oder zur Mechatronikerin oder zum Mechatroniker.
Bereitschaft zur Kraftwerker-Ausbildung: Du bist bereit, dich zusätzlich zum Kraftwerker, bzw. zur Kraftwerkerin mit IHK-Abschluss weiterzubilden.
Technisches Verständnis: Im Kraftwerk kommen viele verschiedene Anlagen zusammen. Du interessierst dich für Technik und verstehst, wie unterschiedliche Anlagen funktionieren und zusammenhängen.
Teamfähigkeit: Bei Störungen löst selten eine Person allein das Problem. Gefragt ist, wer sein Fachwissen einbringt und auch auf andere hört.
Offenheit für Veränderung: Am Standort entstehen laufend neue Anlagen, aktuell etwa die Flusswärmepumpe. Du arbeitest dich in neue Technik ein, während der laufende Betrieb weitergeht.
Klingt nach einem Job für dich?
Aktuell sucht die RheinEnergie am Standort Niehl vor allem Elektrikerinnen und Elektriker mit Interesse an der Kraftwerker-Ausbildung. Diese läuft komplett im laufenden Betrieb: Wer sie macht, ist bei der RheinEnergie fest angestellt und wird regulär vergütet.
Wenn du gern Verantwortung übernimmst und technisches Interesse mitbringst:
→ Schau dir die aktuellen Stellenangebote im Bereich Kraftwerke der RheinEnergie an.
→ Oder informiere dich auf unserer Karriereseite über Ausbildung und
Einstiegsmöglichkeiten bei der RheinEnergie.
FAQ: Kraftwerker bei der RheinEnergie einfach erklärt
Er überwacht den Betrieb der Kraftwerksanlagen, gibt Arbeitserlaubnisse für Wartungsarbeiten frei und sorgt dafür, dass die Anlage bei Störungen sicher abgefahren wird.
Die Schicht arbeitet im Früh-Spät-Nacht-Rhythmus mit sechs Personen pro Schicht. Ein Fünf-Wochen-Zyklus kombiniert drei feste Arbeitswochen mit zwei Verfügungswochen für Vertretungen.
Ja. Vorausgesetzt wird eine abgeschlossene technische Ausbildung, zum Beispiel als Elektrikerin oder Elektriker oder Schlosserin oder Schlosser. Zusätzlich folgt die rund zweijährige Ausbildung bei der RheinEnergie zum Kraftwerker mit IHK-Prüfung. Am Gehalt ändert sich währenddessen nichts: Wer die Ausbildung macht, bleibt regulär angestellt und wird nach Tarif bezahlt.
Niehl ist der Haupteinspeiser für das Fernwärmenetz der Kölner Innenstadt. Ein Sicherungskonzept mit mehreren Anlagenteilen sorgt dafür, dass die Versorgung auch bei Störungen bestehen bleibt.
Die Arbeit findet an Anlagen mit hohem Druck, hoher Temperatur und elektrischer Spannung statt. Genau deshalb gelten feste Freischalt- und Sicherheitsverfahren, bevor an einer Anlage gearbeitet wird.
Über die Kraftwerker-Ausbildung hinaus ist eine Weiterentwicklung bis zum Meister möglich. Die RheinEnergie unterstützt diesen Weg aktiv, etwa durch interne Förderung der Meisterausbildung.