Jobporträt Energiehändler: Strom hat keinen Feierabend

Annette
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Was macht den Job als Energiehändler so spannend? Hier erfahrt ihr mehr (Bild: AdobeStock).

Die meisten denken bei „Trading“ an Aktien. Doch bei der RheinEnergie Trading geht es um eine andere Art von Handel: Hier werden Strom und Gas an der Börse gehandelt. Wir haben zwei Energiehändler besucht. Anna Tücking und Markus Wischnitzki berichten, was ihren Job besonders spannend macht.

Egal ob Tag oder Nacht, Sommer oder Winter: Strom und Gas werden rund um die Uhr gebraucht – und deshalb auch rund um die Uhr gehandelt. Vor allem beim Strom, der sich kaum speichern lässt, muss in jedem Moment genau so viel im Netz sein, wie gerade verbraucht wird. Das macht den Handel zu einem ständigen Wettlauf mit dem Markt: Wetter, Nachfrage und Preise ändern sich von Minute zu Minute.

Mittendrin: Anna Tücking und Markus Wischnitzki, die beide seit 2018 als Energiehändler bei der RheinEnergie Trading in Köln dabei sind. Wenn sich die Lage am Markt ändert, sind sie es, die beobachten, reagieren und entscheiden.

Anna Tücking und Markus Wischnitzki an ihrem Arbeitsplatz
Anna Tücking und Markus Wischnitzki kümmern sich seit 2018 um den Energiehandel bei der RheinEnergie Trading (Bild: RheinEnergie)

Was macht ein Energiehändler im Kurzfristhandel?

„Wir kümmern uns um den untertägigen Handel, den sogenannten Intraday, mit Strom und Gas“, erklärt Markus Wischnitzki. Dabei geht es um den kontinuierlichen Kauf und Verkauf von Strom und Gas, der noch am gleichen Tag geliefert wird.

Ziel ist die Kraftwerksoptimierung und die Optimierung des Gesamtportfolios: Kraftwerke werden zunächst einen Tag im Voraus vermarktet, danach laufend nachgesteuert. Weil sich Strom fast bis zur letzten Minute handeln lässt, ist rund um die Uhr jemand entweder vor Ort oder in Rufbereitschaft.

Nachts greift das Team nur noch bei technischen Problemen ein, im Schnitt zwei- bis dreimal im Monat, wenn beispielsweise ein Kraftwerk ausfällt oder ein nächtliches Update eine Firewall blockiert. Möglich ist das erst, seit der Handel vor einigen Jahren automatisiert wurde.

Der Strom- und Gasmarkt schläft nie

„Die vielen erneuerbaren Energien sorgen für extreme Schwankungen im Netz, daher werden auch die Preise im Intradayhandel immer volatiler“, erklärt Anna Tücking. Früher wusste man ungefähr, wie viel Strom gebraucht wird, und ein Kraftwerk fuhr entsprechend. Heute entscheidet oft das Wetter: Zieht eine Wolkenfront auf, fällt die Photovoltaik-Einspeisung geringer aus. Das müssen andere Erzeugungsanlagen auffangen, die flexibel genug sind, um in kurzen Zeitfenstern hoch- und runterzufahren.

Wie eine Position im Kurzfristhandel entsteht und wieder geschlossen wird

  • Vermarkten: Aufbauend auf der langfristigen Vermarktung werden unsere Kraftwerke in der Day-Ahead-Auktion einen Tag im Voraus für den nächsten Liefertag vermarktet.
  • Beobachten: Der Markt wird laufend verfolgt: Steigt oder fällt der Preis, und warum?
  • Reagieren: Fällt der Preis unter die Grenzkosten, wird zurückgekauft. Steigt er, wird nachverkauft.
  • Schließen: Spätestens fünf Minuten vor Lieferung muss die Stromposition ausgeglichen sein.

Vom Excel-Tool zum eigenen Algorithmus

Als Anna Tücking 2018 anfing, wurden die Positionen noch alle Viertelstunde manuell eingestellt. „Unser Job von vor acht Jahren existiert in dieser Form eigentlich gar nicht mehr“, sagt sie. Durch die Automatisierung verschafft sich das Team bei der RheinEnergie Raum für neue Aufgaben: Viele Tools werden bis heute selbst programmiert und gepflegt, dazu kommen eigene Strategien im automatisierten Handelssystem.

Der jüngste Schritt ist Künstliche Intelligenz: Wo früher eine Anpassung einen Monat dauerte, geht das heute deutlich schneller. Die RheinEnergie Trading nutzt dafür ein eigenes, unternehmensinternes KI-Tool, auch aus Datenschutzgründen. „Wichtig ist uns dabei, KI gezielt dort einzusetzen, wo sie einen echten Mehrwert schafft“, sagt Markus Wischnitzki. Kann ein Problem selbst schnell und mit gutem Ergebnis gelöst werden, muss dafür keine KI bemüht werden.

Energiehändler Markus Wischnitzki an seinem Arbeitsplatz
Markus Wischnitzki ist einer von sieben Kolleginnen und Kollegen im Kurzfristhandel (Bild: RheinEnergie).

Wenn Minuten über sechsstellige Beträge entscheiden

Fällt ein Kraftwerk unerwartet aus, muss der bereits verkaufte Strom kurzfristig am Markt ersetzt werden. Gerade in volatilen Marktphasen kann das erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Produziert ein Gaskraftwerk beispielsweise mit rund 400 Megawatt Leistung eine Stunde lang Strom, macht es einen großen Unterschied, ob die Energie zu 100 oder zu 1.000 Euro pro Megawattstunde zurückgekauft wird.

Für die Kurzfristhändler bedeutet das ein hohes Maß an Verantwortung und Entscheidungsspielraum. Sie beobachten die Märkte kontinuierlich, bewerten neue Informationen und treffen eigenständig wichtige Handelsentscheidungen. Insbesondere bei starken Preisschwankungen können schon wenige Minuten über deutliche Ergebnisunterschiede entscheiden. Genau diese Kombination aus Marktverständnis, Entscheidungsfreiheit und direktem Einfluss auf das Handelsergebnis macht den Reiz des Kurzfristhandels aus.

Ernstfall an Karneval

„Man muss nervenstark und entscheidungsfreudig sein, im Zweifelsfall darf man nicht lange überlegen“, sagt Anna Tücking. Wie wichtig ein kühler Kopf für diesen Job ist, zeigte sich einmal an einem Karnevalstag: Ein Teil des Nominierungssystems für den niederländischen Gasmarkt fiel aus, während rund 60 Handelspartner gleichzeitig anriefen, weil ihnen Mengen fehlten. Und das mitten im Karneval, als viele Ansprechpersonen in Köln kaum erreichbar waren. Aus solchen Vorfällen zieht das Team Konsequenzen: durch weitere Automatisierung, damit ein Vorgang künftig nur noch wenige Klicks braucht.

Teamplay statt Hierarchien

Im Kurzfristhandel arbeiten sieben Kolleginnen und Kollegen, ebenso viele im Langfristhandel, dazu drei in der Marktanalyse. Eine formale Unterscheidung zwischen Junior und Senior gibt es nicht: Auch der Teamleiter übernimmt dieselbe operative Arbeit, zusätzlich zu organisatorischen Aufgaben. Weil sich das Team durch die Schichten nicht ständig sieht, arbeitet jede und jeder eigenständig an Projekten – man hilft sich aber gegenseitig, etwa über eine gemeinsame Teams-Gruppe, auch außerhalb der eigenen Schicht und von zu Hause aus.

Schichten und Abläufe: Arbeitsalltag als Energiehändler

Die Frühschicht beginnt um 7:30 Uhr und endet um 16:00 Uhr, dazu kommt eine Tagschicht mit Gleitzeit von etwa 6:30 bis 19:00 Uhr. Die Spätschicht startet unter der Woche um 17:30 Uhr, am Wochenende um 16:45 Uhr, und endet um 2:00 Uhr. An Wochenenden oder bei reduzierter Personalbesetzung greift ein Zweischicht-Modell: Danach folgt automatisch Rufbereitschaft, bis um 7:30 Uhr die Frühschicht wieder beginnt.

Ein typischer Frühschicht-Tag: Übergabe von der Nachtschicht, Prüfung der Fahrpläne und Handelsstrategien, ab 11:00 Uhr die Gebote für die Day-Ahead-Auktion einstellen, die um 12:00 Uhr stattfindet, ab 14:00 Uhr die nächste Intraday-Auktion. Bis 14:30 Uhr werden die ersten Fahrpläne für den Folgetag verschickt. Eine elektronische Check-Liste hilft dabei, in der Routine nichts zu vergessen.

Sicher, fair, familienfreundlich

„Ich fühle mich hier sehr wertgeschätzt. Der Job ist sicher, wir bekommen gute Benefits, und das Arbeitsklima ist sehr, sehr gut“, sagt Anna Tücking, die zuvor bei einer Bank gearbeitet hat. Markus Wischnitzki ergänzt: „Selbst bei einem theoretischen Jobangebot mit zehn bis zwanzig Prozent mehr Gehalt würde ich das nicht einfach annehmen, so ein gutes Teamklima ist schwer zu ersetzen.“ Auffällig sei auch der geringe Krankenstand im Team.

Energiehändlerin Anna Tücking an ihrem Arbeitsplatz
Anna Tücking beobachtet den Energiemarkt ganz genau, um schnell reagieren zu können (Bild: RheinEnergie).

Job-Steckbrief in Kürze

Job-Steckbrief

Energiehändler (m/w/d) bei der RheinEnergie

Bereich

RheinEnergie Trading (100-prozentige Tochter der RheinEnergie, seit 2008 zentraler Marktzugang für Energie) – Kurzfristhandel (Intraday-Handel Strom und Gas).

Kernaufgaben

Kauf und Verkauf von Strom und Gas auf Großhandelsmärkten, Optimierung von Handelsportfolios. Entwicklung, Einsatz und Überwachung von Handelsstrategien, insbesondere mithilfe algorithmischer Handelssysteme. Logistische Abwicklung der Energielieferungen.

Arbeitsweise

24/7-Schichtdienst (Früh-, Tag- und Spätschicht) mit Rufbereitschaft; Mischung aus zeitkritischem Tagesgeschäft und eigenen Projekten. Teilzeit möglich.

Teamgröße

Sieben Kolleginnen und Kollegen im Kurzfristhandel, ebenso viele im Langfristhandel, dazu drei in der Marktanalyse.

Einstieg

Abgeschlossenes Hochschulstudium der Wirtschafts-, Informations- oder Ingenieurwissenschaften.

Warum der Job bei der RheinEnergie besonders ist

Die Arbeit als Energiehändler ist abwechslungsreich und dynamisch: Der Job entwickelt sich kontinuierlich weiter und verändert sich – insbesondere durch Automatisierung und KI. Somit ist der Kurzfristhandel nicht nur eine klassische Einstiegsposition für Absolventinnen und Absolventen oder ein Sprungbrett in andere Bereiche wie Portfoliomanagement oder Langfristhandel. Es ist ein vielseitiger Job mit Zukunft und Sinn. Denn gleichzeitig trägt er direkt zur Energiewende bei: Erst der kurzfristige Handel macht es möglich, die Schwankungen von Wind- und Solarstrom wirtschaftlich effizient auszugleichen und die Netze stabil zu halten.

Energiehändler (m/w/d): Das musst du für diesen Job mitbringen

  • Nervenstärke & Entscheidungsfreude: Du bleibst ruhig, wenn der Preis plötzlich springt, und triffst schnelle, klare Entscheidungen, auch ohne feste Obergrenze.
  • Technisches Verständnis: Fortgeschrittene Kenntnisse von Programmiersprachen wie Python sind von Vorteil.
  • Analytisches Denken: Du verstehst Marktmechanismen und die Zusammenhänge zwischen Angebot, Nachfrage und Preis.
  • Belastbarkeit im Schichtdienst: Du arbeitest auch nachts, am Wochenende und in Rufbereitschaft, strukturiert und ruhig, wenn parallel viel passiert.
  • Teamgeist: Du tauschst dich mit Kolleginnen und Kollegen aus, auch über Schichtgrenzen hinweg.
  • Studium mit Energiebezug: Im Team vertreten sind unter anderem Wirtschaftsingenieurwesen sowie BWL/VWL mit Schwerpunkt Energiewirtschaft.

Dazu kommt: RheinEnergie Trading handelt nicht nur für die RheinEnergie selbst, sondern als 100-prozentige Tochter seit 2008 auch für externe Kunden in der gesamten Region und bundesweit. Das bringt zusätzliche Perspektiven in den Job, weil ein komplexes Portfolio im Blick behalten werden muss.

Klingt nach einem Job für dich? Wenn du dich für Energiemärkte interessierst und auch unter Zeitdruck ruhig bleibst:

→ Schaut euch unsere offenen Stellen an.

→ Oder informiert euch über die RheinEnergie als Arbeitgeber und eure Einstiegsmöglichkeiten.

FAQ: Energiehändler bei der RheinEnergie Trading – häufige Fragen einfach erklärt

Was macht ein Energiehändler im Kurzfristhandel?

Sie oder er handelt Strom und Gas untertägig, also in Stunden, Viertelstunden und bis fünf Minuten vor Lieferung, um Kraftwerke und das Gesamtportfolio zu optimieren. Dazu gehört, offene Positionen fristgerecht zu schließen und die eigenen Handelssysteme laufend weiterzuentwickeln.

Warum wird Strom rund um die Uhr gehandelt?

Unter anderem weil erneuerbare Energien wetterabhängig sind: Fällt zum Beispiel die Solareinspeisung durch unvorhergesehene Bewölkung niedriger als geplant aus, muss das kurzfristig ausgeglichen werden. Nur so bleiben Angebot und Nachfrage im Netz jederzeit im Gleichgewicht.

Wie sieht der Schichtdienst im Energiehandel aus?

Es gibt eine Früh-, eine Tag- und eine Spätschicht, ergänzt durch Rufbereitschaft in der Nacht. Weil der Handel bis kurz vor Lieferung läuft, ist rund um die Uhr jemand erreichbar.

Welche Qualifikation braucht man als Energiehändler?

Ein Studium mit Energiebezug, wie beispielsweise Wirtschaftsingenieurwesen oder BWL/VWL mit Schwerpunkt Energiewirtschaft, ist eine gute Grundlage. Dazu kommen technisches Verständnis, analytisches Denken und Nervenstärke.

Welche Rolle spielen Automatisierung und KI im Energiehandel?

Handel, der früher manuell abgewickelt wurde, läuft heute über automatisierte Systeme. Das umfasst den ganzen Lebenszyklus eines Geschäfts vom Abschluss bis zur Abrechnung. Ein unternehmensinternes KI-Tool unterstützt zusätzlich bei Programmierung und Fehlersuche.

Ist Teilzeit im Energiehandel möglich?

Ja, wenn auch mit Grenzen: Weil am Wochenende und in der Spätschicht die volle Stundenzahl nötig ist, ist etwa eine Teilzeit von 85 Prozent gut umsetzbar, eine 50-Prozent-Stelle im Schichtdienst dagegen schwieriger.

Was unterscheidet Kurzfrist- und Langfristhandel?

Der Kurzfristhandel umfasst den Kauf und Verkauf von Strom oder Gas mit Lieferzeiträumen von wenigen Minuten bis zu wenigen Tagen und dient vor allem der kurzfristigen Optimierung von Erzeugung/Verbrauch sowie der logistischen Abwicklung von Energielieferungen. Der Langfristhandel hingegen sichert Preise und Mengen über Monate oder Jahre im Voraus ab und wird hauptsächlich zur Risikominimierung sowie zur strategischen Beschaffung und Vermarktung genutzt.

Was macht RheinEnergie Trading besonders?

Die RheinEnergie Trading GmbH st eine 100-prozentige Tochter der RheinEnergie und seit 2008 deren zentraler Marktzugang für Energie. Gehandelt wird nicht nur für die RheinEnergie selbst, sondern auch für externe Kunden in der Region und bundesweit.

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