Mitten in Köln gibt es ein neues Stück Energiewende zum Anfassen: Auf den Tribünendächern Ost, Süd und West des RheinEnergieSTADION verwandeln rund 2.700 Solarmodule eines der bekanntesten Gebäude der Stadt in ein eigenes kleines Kraftwerk. Die Solaranlage der Kölner Sportstätten und der RheinEnergie ist nicht nur ein Bekenntnis zu klimafreundlicher Stromerzeugung für das Zuhause des 1. FC Köln, sondern auch ein Beispiel dafür, wie große Gebäude in Köln und ganz Deutschland zu Stromproduzenten werden können.
Stadionatmosphäre lebt von Energie. Sie entsteht auf den Rängen, in der Gemeinschaft tausender Fans, schwappt über auf die Mannschaft auf dem Platz und bestenfalls von dort wieder zurück. Das kennen alle Menschen, die bei Heimspielen des 1. FC Köln vor Spielbeginn schon einmal die Hymne mitgesungen und mit dem Fanschal gewedelt haben. Und ab kommender Saison steuert nun auch das RheinEnergieSTADION selbst saubere Energie zur Atmosphäre in Müngersdorf bei – dank einer modernen Solaranlage auf dem Stadiondach. Doch erzählen wir von Anfang an ...
Unser Stadion produziert jetzt Strom
Auf dem Dach des RheinEnergieSTADION geht im Sommer 2026 eine der größeren Aufdach-PV-Anlagen Kölns in Betrieb. Auf den Tribünendächern Ost, Süd und West wird Strom mit einer Spitzenleistung von 1.200 Kilowattpeak (kWp) erzeugt. Über das Jahr gerechnet sind das je nach Witterung rund 1,1 Millionen Kilowattstunden Solarstrom, die direkt vor Ort entstehen. Damit könnte ein Elektroauto rund fünf Millionen Kilometer weit fahren – also etwa 125 Mal um die Erde.
Solarstrom direkt im Stadion
Das Besondere an diesem Projekt: Rund 83 Prozent des erzeugten Stroms werden direkt im Stadion verbraucht. Gastronomie, Beleuchtung, Veranstaltungstechnik, Bürobetrieb – vieles davon können die Kölner Sportstätten an sonnenreichen Tagen mit Strom vom eigenen Dach abdecken. Die übrigen 17 Prozent fließen ins Stromnetz und kommen damit auch anderen Verbraucherinnen und Verbrauchern in Köln zugute.
Unterm Strich spart die Anlage so rund 400 Tonnen CO₂ pro Jahr ein. Das ist eine spürbare Entlastung der Klimabilanz des Stadions – und ein sichtbares Zeichen für die Energiewende in Köln.
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„Mit der PV-Anlage auf dem Dach des RheinEnergieSTADION zeigen RheinEnergie und Kölner Sportstätten, dass der Weg hin zur klimafreundlichen Energieversorgung funktioniert, wenn starke Partner gemeinsam anpacken“, erklärt Stephan Segbers, Vertriebsvorstand der RheinEnergie. Auch für die Kölner Sportstätten GmbH, die das Stadion betreibt, sei die Anlage ein wichtiger Schritt, wie Geschäftsführer Lutz Wingerath betont: „Wir entwickeln das RheinEnergieSTADION Schritt für Schritt zu einer immer nachhaltigeren Eventlocation. Nach der LED-Umrüstung der Pylonen 2016 und der Ökostromversorgung seit 2018 ist die Photovoltaik-Anlage der nächste konsequente Schritt.“
Lutz Wingerath (Kölner Sportstätten), Stephan Segbers (RheinEnergie) und Jörn Stobbe (1. FC Köln, v. r. n. l.) stellten gemeinsam die PV-Anlage auf dem Stadiondach vor. (Bild: Martina Goyert)
Umsetzung dank neuer Technik
Schon seit Jahren wurde darüber nachgedacht, das Stadiondach für Photovoltaik zu nutzen. Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: große Flächen, gute Ausrichtung, prominentes Gebäude. Doch ein Stadiondach ist kein gewöhnliches Industriedach. Lange waren die statischen Anforderungen nicht erfüllbar. Erst die jüngste Modulgeneration hat das geändert. Die Paneele sind leichter, haben effizientere Zellen und können kompaktere Wechselrichter nutzen.
Als sich das Fenster für das Projekt öffnete, ging es schnell: Von Anfang März bis Ende Mai 2026 wurden rund 2.700 Module auf den Tribünendächern Ost, Süd und West montiert. Jeweils unter strenger Beachtung des laufenden Spielbetriebs. Wenn der FC zu Hause spielte oder eine Großveranstaltung anstand, ruhten die Arbeiten. An manchen Tagen wurde dafür der Kran abgebaut und am nächsten Morgen wieder aufgebaut.
In nur drei Monaten wurden die 2.700 Module bei laufendem Spielbetrieb auf dem Dach montiert. (Bild: Jens Pussel)
Was ist eine Aufdach-PV-Anlage?
Eine Aufdach-PV-Anlage ist eine Photovoltaik-Anlage, die auf einem bestehenden Gebäudedach montiert wird. Sie wandelt Sonnenlicht direkt in Strom um und nutzt dabei die Dachflächen, die ohnehin vorhanden sind. Bei großen Gebäuden wie Gewerbehallen, Verwaltungsgebäuden oder eben Stadien kommen leicht mehrere Tausend Module zusammen.
Der große Vorteil: Der erzeugte Strom kann direkt am Standort verbraucht werden. Das macht den Strom besonders wertvoll, weil er die Stromrechnung des Gebäudebetreibers senkt und nicht erst durch das öffentliche Netz transportiert werden muss. Nur was übrig bleibt, wird ins Stromnetz eingespeist.
Aufdach-PV-Anlagen lohnen sich besonders dann, wenn ein Gebäude tagsüber viel Strom verbraucht – also genau dann, wenn die Sonne scheint. Verwaltungsgebäude, Kühlhäuser, Sporteinrichtungen oder Industriebetriebe sind klassische Beispiele.
So funktioniert Solar Contracting
Eine Anlage dieser Größenordnung selbst zu finanzieren, ist für viele Gebäudebetreiber eine Herausforderung. Hier kommt das Modell des Contractings ins Spiel. „Beim Contracting übernehmen wir die komplette Verantwortung für eine Anlage – Planung, Bau, Finanzierung, Betrieb und Wartung. Unsere Kundinnen und Kunden müssen selbst nichts investieren und tragen kein wirtschaftliches Risiko. Sie zahlen nur einen Abschlag, wie beim Leasing eines Autos“, erklärt Emil Issagholian, Bereichsleiter für Energiedienstleistungen und Fernwärme bei der RheinEnergie.
Warum war das die richtige Lösung fürs Stadion?
Die Kölner Sportstätten ist eine 100-prozentige Tochter der Stadt Köln. Eine große Investition in eine PV-Anlage hätte den städtischen Haushalt belastet. Mit dem Contracting-Modell konnte die Modernisierung umgesetzt werden, ohne dass dafür Mittel der Stadt eingesetzt werden mussten. Die RheinEnergie trägt die Investition – die Kölner Sportstätten GmbH bekommt sauberen Strom.
Dieses Modell ist nicht auf Stadien beschränkt. Auch Schulen, Verwaltungsgebäude, Industriebetriebe und Sportstätten anderer Art können davon profitieren. Über den Bereich next energy solutions bietet die RheinEnergie Solar Contracting bundesweit an.
Das Ost-, Süd- und Westdach des Stadions produziert nun Solarstrom mit etwa 1.200 kWp. (Bild: RheinEnergie)
Was bedeutet das für die Energiewende in Köln?
Photovoltaik in Köln wird seit Jahren ausgebaut. Auf vielen Wohnhäusern, Gewerbegebäuden und öffentlichen Einrichtungen liegen mittlerweile Solarmodule. Das Stadionprojekt ist ein besonders sichtbares Beispiel – und genau das ist sein Mehrwert. Wenn ein so prominentes Gebäude Strom selbst erzeugt, verändert sich die Wahrnehmung: PV-Anlagen gehören ins normale Kölner Stadtbild. Und sie gehören auf Dächer, die sonst leer bleiben.
Welche Förderung gibt es für PV in Köln?
Wer selbst über eine Solaranlage nachdenkt, sollte sich die Förderlandschaft anschauen. Die Stadt Köln hat eigene Förderprogramme aufgelegt, mit denen sich Photovoltaik-Projekte zusätzlich finanzieren lassen. Und mittlerweile kann man Solarstrom über Energy Sharing sogar mit der Nachbarschaft teilen.
Fazit: Was Unternehmen daraus lernen können
Das Stadionprojekt zeigt drei Dinge: Photovoltaik funktioniert auch auf anspruchsvollen Dächern, wenn die Technik es zulässt. Das richtige Finanzierungsmodell entscheidet darüber, ob Projekte aus Schubladen herauskommen. Und Sichtbarkeit motiviert andere, eigene Wege zu gehen.
- Große Dachflächen sind eine Ressource. Viele Unternehmen und Einrichtungen haben sie – und nutzen sie noch nicht. Eine ehrliche Statik-Prüfung ist häufig der erste Schritt.
- Neue Modulgenerationen öffnen Türen. Was vor fünf Jahren technisch nicht ging, ist heute machbar. Es lohnt sich, alte Prüfungen neu aufzulegen.
- Solar Contracting nimmt das Risiko. Wer nicht selbst investieren möchte oder kann, bekommt mit dem Modell eine schlüsselfertige Lösung. Auch für gemeinnützige und öffentliche Träger.