Negative Strompreise: Warum Laden manchmal fast geschenkt ist

Oliver
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Ist viel erneuerbare Energie im Stromnetz, kann sich Laden richtig lohnen. (Bild: AdobeStock)

Pfingstsonntag, strahlend blauer Himmel, die Straßen wie leergefegt. Halb Deutschland liegt im Garten oder ist mit der Familie unterwegs, kaum jemand arbeitet. Währenddessen laufen die Solaranlagen auf Millionen Dächern auf Hochtouren. Viel Sonnenstrom, wenig Verbrauch: eine Konstellation, die an sonnigen Wochenenden und Feiertagen inzwischen regelmäßig auftritt.

Tom steht an diesem Vormittag in Köln vor seinem Elektroauto. Vor ihm liegen rund 200 Kilometer Fahrt zur Schwiegermutter. Bevor es losgeht, hängt er den Wagen noch schnell an die Wallbox und wirft einen Blick in sein Home Energy Management Systems (HEMS). Der Preis ist an diesem Tag nicht nur niedrig – er ist negativ. Als Tom später losfährt, hat er die Ladung für sein Auto nahezu geschenkt bekommen. Klingt verrückt, doch zeitweise negative Strompreise sind ein direktes Ergebnis der Energiewende.

Was sind negative Strompreise?

An der Strombörse entscheidet das Verhältnis von Angebot und Nachfrage über den Preis: Ist die Nachfrage hoch, steigt der Preis; ist sie niedrig, sinkt er. Negative Strompreise bedeuten, dass dieser Preis zeitweise unter null fällt. Stromerzeuger zahlen in solchen Momenten also dafür, dass ihr Strom abgenommen wird.

Das wirkt im ersten Moment paradox, ist technisch aber gut erklärbar. Wenn sehr viel Strom im System ist und gleichzeitig wenig verbraucht wird, gerät das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch ins Wanken. Da das Netz jederzeit in Balance bleiben muss, drückt der Überschuss den Preis – manchmal eben bis unter die Nulllinie. Für euren Haushalt heißt das übrigens nicht automatisch, dass Strom „gratis“ wird: Ob ihr etwas davon habt, hängt von eurem Tarif ab. Dazu später mehr.

Vater, Mutter und Baby interagieren vor einem blauen Elektroauto.
Ein smartes Energiemanagement kann einem Haushalt einiges an Stromkosten sparen. (Bild: AdobeStock)

Wie entstehen negative Strompreise?

Der Pfingsttag, an dem Tom sein Auto geladen hat, war kein Zufall. Solche Situationen entstehen meist dann, wenn mehrere Dinge zusammenkommen: ein sonniger oder windreicher Tag mit voller Einspeisung aus Photovoltaik- und Windanlagen, dazu wenig Industrieproduktion und kaum Bürobetrieb an Wochenenden oder Feiertagen.

Während Solar- und Windkraft bei guten Bedingungen meist einfach weiter Strom liefern, lassen sich konventionelle Kraftwerke nicht jederzeit kurzfristig herunterfahren – teils aus technischen, teils aus wirtschaftlichen Gründen. Das Resultat ist ein Überangebot, das die Preise nach unten zieht. Genau diese Konstellation kommt an sonnigen Frühjahrs- und Sommertagen vor.

Wie oft und wann treten negative Strompreise auf?

Falls ihr euch fragt, ob Toms Erlebnis die große Ausnahme war: längst nicht mehr. Negative Strompreise sind kein Einzelfall, sondern treten immer regelmäßiger auf. Sie sind ein direktes Ergebnis des wachsenden Anteils erneuerbarer Energien.

Zeitlich lassen sie sich gut einordnen: häufig an Wochenenden und Feiertagen, besonders in den Mittagsstunden mit viel Solarstrom und verstärkt im Frühjahr und Sommer. Die Zahlen zeigen den Trend deutlich: Gab es 2013 erst 64 Stunden mit negativen Börsenpreisen, waren es 2024 schon 457. 2025 gab es mit rund 573 Stunden mit negativen Großhandelspreisen gar einen neuen Rekordwert. Für euch ist das ein gutes Signal: Günstige Zeitfenster werden planbarer – wenn ihr wisst, worauf ihr achten müsst.

Wer profitiert von negativen Strompreisen – und warum Tom dazugehört

Direkt profitieren bislang vor allem große Verbraucher, die ihren Strom unmittelbar an der Börse einkaufen. Für viele Privathaushalte bleibt der Effekt dagegen unsichtbar: Klassische Stromtarife arbeiten mit festen Preisen, die solche Schwankungen ausgleichen. Was an der Börse passiert, kommt bei euch dann gar nicht erst an. Das betrifft natürlich auch Phasen mit hohen Börsenpreisen. Denn im Fall einer sogenannten Dunkelflaute – wenn weder Wind weht noch die Sonne scheint – ist Strom knapp und die Börsenpreise steigen an.

Tom gehört allerdings zu einer Gruppe, die sich die Schwankungen dank entsprechender Flexibilität zu Nutze macht. Er hat einen dynamischen Stromtarif und ein intelligentes Messsystem, das sogenannte Smart Meter. Dadurch orientiert sich sein variabler Strompreis direkt an den Börsenpreisen. Als das Überangebot an jenem Pfingstsonntag die Preise ins Negative drückte, wurde genau dieser Vorteil an ihn weitergegeben.

Wie könnt ihr als Haushalt von negativen Strompreisen profitieren?

Um von negativen Strompreisen wirklich profitieren zu können, braucht ihr wie Tom zwei Voraussetzungen: einen dynamischen Stromtarif und ein intelligentes Messsystem (Smart Meter). Beides gibt es bei der RheinEnergie bzw. der RheinNetz. Entscheidend ist dann, wie flexibel ihr euren Verbrauch steuern könnt. Toms Beispiel zeigt, wie das im Alltag aussieht: Das Elektroauto lädt dank eines HEMS wie RheinSmart automatisch genau dann, wenn der Strom besonders günstig ist. Ähnlich funktioniert es mit anderen Anwendungen im Haushalt. Die Wärmepumpe läuft verstärkt, wenn viel Strom verfügbar ist, auch andere stromintensive Geräte starten in den günstigen Zeitfenstern. In Stunden mit negativen Börsenpreisen kann der Strom dann nahezu kostenlos werden. Wichtig zu wissen: Steuern, Abgaben und Netzentgelte sorgen dafür, dass eure Rechnung in aller Regel trotzdem nicht ins Minus rutscht. Günstig wird es aber allemal.

Vater, Mutter und Baby schauen in die Kamera, neben ihnen steht ein blaues Elektroauto.
Das Solarspitzengesetz soll dazu motivieren, selbst erzeugten Solarstrom möglichst auch selbst zu nutzen. (Bild: AdobeStock)

Was bedeuten negative Strompreise für PV-Anlagen?

Auch für Betreiberinnen und Betreiber einer Photovoltaikanlage haben sich die Spielregeln verändert. Seit dem Solarspitzengesetz, das am 25. Februar 2025 in Kraft getreten ist, entfällt die Einspeisevergütung für neue Anlagen bereits ab der ersten Viertelstunde mit negativem Börsenpreis – nicht erst nach mehreren Stunden, wie es die frühere Regelung vorsah.

Ziel dieser Anpassung ist es, das Stromsystem effizienter zu machen und Anreize für eine flexible Nutzung zu setzen. Für euch heißt das vor allem eines: Eigenverbrauch und intelligente Steuerung gewinnen an Bedeutung. Wer den selbst erzeugten Strom direkt nutzt oder im Speicher – oder im E-Auto – zwischenparkt, ist klar im Vorteil.

Dynamische Tarife sind euch zu kompliziert, aber ihr möchtet trotzdem flexibel laden und damit sparen? ChargeFlex, unser smarter Autostromtarif, bietet euch genau das. Informiert euch und spart 250 Euro und mehr im Jahr!

Prognose: Werden negative Strompreise zunehmen?

Die kurze Antwort: ja, immer häufiger. Mit jedem zusätzlichen Solarmodul auf dem Dach und jeder neuen Windanlage wächst das Angebot an erneuerbarem Strom. Gleichzeitig lernt das Stromsystem, flexibler mit Angebot und Nachfrage umzugehen.

Für euch bedeutet das eine grundsätzliche Veränderung: Strom hat nicht mehr nur einen festen Preis, sondern viele – je nach Tageszeit. Wer diese Entwicklung versteht und seinen Verbrauch anpasst, kann gezielt sparen. Und in besonderen Momenten, wie an einem sonnigen Pfingsttag, ist Strom dann nicht nur günstig, sondern manchmal fast geschenkt.

Fazit: Eine gute Geschichte – und eine echte Chance

Toms Fahrt zur Schwiegermutter klingt wie eine nette Anekdote. In Wirklichkeit ist sie ein Vorgeschmack auf die Zukunft unseres Energiesystems. Negative Strompreise zeigen, wie viel erneuerbarer Strom bereits im Netz ist. Und sie eröffnen euch neue Möglichkeiten, aktiv davon zu profitieren, sowohl beim Stromeinkauf als auch beim -verkauf, zum Beispiel durch das sogenannte bidirektionale Laden eines Elektroautos. 

Ihr seht, mit dem richtigen Tarif und etwas Flexibilität verschieben sich eure Stromkosten in die günstigen Zeitfenster. Und in manchen Stunden ist Strom dann sogar fast geschenkt. 

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