06.03.2018 Adrian

Aus dem Takt geraten: Darum gehen derzeit so viele Uhren falsch

Zahlreiche Uhren zeigen derzeit die falsche Zeit an. Grund dafür sind Schwankungen der Frequenz im Stromnetz. Diese dient den Uhren als Taktgeber. Der eigentliche Auslöser liegt aber woanders: auf dem Südbalkan.

Wer hat an der Uhr gedreht? Das fragen sich zurzeit viele Menschen beim Blick auf die Uhren an Haushaltsgeräten wie Mikrowellen und Backöfen. Zahlreiche Zeitmesser gehen momentan um mehr als fünf Minuten nach. Betroffen von der wunderlichen Zeitverschiebung sind sogenannte Synchronuhren. Diese richten sich nach dem Takt des Stromnetzes.

Netzfrequenz dient Uhren als Richtwert

In einem Stromnetz müssen sich die Stromerzeugung auf der einen und der Stromverbrauch auf der anderen Seite stets die Waage halten. Ein optimal austariertes Netz hat dabei eine Frequenz von 50 Hertz. 50 Hertz, das sind 50 Schwingungen pro Sekunde. Die Anzahl der Schwingungen dient den Synchronuhren dabei als Richtwert für die Dauer einer Sekunde. Schwingt das Netz also mit einer anderen Frequenz, wird die Sekunde für eine Synchronuhr entsprechend länger – oder kürzer.

Das Gleichgewicht in den Netzen zu gewährleisten ist Aufgabe der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber. Sie verantworten den Betrieb der überregionalen Stromnetze. Sinkt die Frequenz im Netz unter 49,8 Hertz (Frequenzen zwischen 49,99 und 50,01 Hertz sind nicht ungewöhnlich) fordern die Übertragungsnetzbetreiber Stromproduzenten dazu auf, zusätzlichen Strom ins Netz einzuspeisen.

Ist zu viel Strom (Last) im Netz, aktivieren die Übertragungsnetzbetreiber sogenannte Lastabwurfkunden. Das sind Großverbraucher wie Zementmühlen oder Kühlhäuser, die ihren Energieverbrauch innerhalb weniger Sekunden hochfahren und große Mengen Strom verbrauchen können.

Bildergalerie: Diese Strommasten sind echte Hingucker

  • "Helix" ist vor allem bei Nacht ein echter Hingucker. Entwickelt haben das Modell die schwedischen Designer von ANBArch. Helix fügt sich gut in die Landschaft ein und dürfte auch im urbanen Umfeld punkten (© GRID EXPO).

  • Fügt sich perfekt in die Landschaft ein: die "Mirrow Wall" von Erik Bystrup. Die Oberfläche besteht aus poliertem Edelstahl und bildet ähnlich wie ein Spiegel die umliegende Landschaft ab (© GRID EXPO).

  • Wirkt animalisch: das Modell "Arphenotype" von Dietmar Köring GRID EXPO).

  • Der Südkoreaner Yong-Ho Shin konnte mit dem Modell "Superstring" 2008 bei einem isländischen Wettbewerb den zweiten Preis einheimsen. Die Form des 27 Meter hohen Masts ist nicht nur ansehnlich, sondern auch praktisch. Denn die Form ist besonders windschnittig und kann so auch extremen Wetterlagen trotzen (© GRID EXPO).

  • Auf das Wesentliche reduziert: der Strommast "Germogli" (© GRID EXPO).

  • Der "Stealt Pylon" verschmilzt nahezu mit der ihn umgebenden Landschaft. Auch hier sorgt polierter Stahl mittels Spiegelungen für den Effekt. Ein weiterer Entwurf aus dem Hause Bystrup (© GRID EXPO).

  • "Flower Tower" heißt dieser Entwurf von Gustafson Porter (© GRID EXPO).

  • Gleicher Name, anderes Konzept: Der "FLOWERtower" von W+M Architectes erinnert an eine Schlingpflanze. Durch seine Form wirkt er futuristisch und natürlich zugleich (© GRID EXPO).

  • 2in1: Das Modell "Iceland Pylon" taugt nicht nur als Strommast. Integriert ist auch eine 380.000 kWh Windturbine. Entworfen hat das Modell der Chinese Tony Leung (© GRID EXPO).

  • Dieses Modell trägt den Namen "Icelandic Curve". Das Design stammt aus der Feder der Berliner Architekten von magma architecture (© GRID EXPO).

  • Die "Migrant Masts" von Rever & Drage Architects muten düster und fragil an. Die grazilen Beine bestehen aus Holz. Die mit LEDs beleuchteten Kuben auf der Spitze sind echte Hingucke (© GRID EXPO).

  • Ein weiterer Entwurf von Erik Bystrup: das Modell "T-Pylon". Mit einer Höhe von 32 Metern und einem Gewicht von 20 Tonnen fällt es im Vergleich zu den üblichen Hochspannungsmasten bescheiden aus (© GRID EXPO).

  • Gitter einmal anders: Das Model "Twist" der dänischen Architekten Andersen & Sigurdsson ist eine Hommage an die umliegende Landschaft. Der Mast soll einer Figur in Bewegung gleichen und so der sich ebenfalls ständig verändernden Landschaft Respekt zollen  (© GRID EXPO).

Lastabwurfkunden sind aber nicht Ursache der Frequenzabweichungen, die die Uhren nachgehen lassen. Gegenüber dem Branchendienst energate messenger nannte der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E Versorgungsengpässe in der Region Serbien, Montenegro und Mazedonien als Grund für die Schwankungen. Die Kopplung mit dem dortigen Netz bewirke die Abweichung von den üblichen 50 Hertz im europäischen Netz. Das Problem bestehe bereits seit Mitte Januar. Dadurch haben sich die sekündlichen Abweichungen summiert. Sobald das Problem auf dem Südbalkan behoben sei, werden die kontinentaleuropäischen Übertragungsnetzbetreiber ein Programm starten, um die übliche Frequenz wieder herzustellen. Auf den sicheren Betrieb des deutschen Netzes habe die Frequenzänderung keine Auswirkungen, so energate messenger unter Berufung auf Informationen aus den Reihen der Übertragungsnetzbetreiber.

Auf den Internetseiten des schweizer Netzbetreibers Swissgrid lässt sich die aktuelle Netzfrequenz und Zeitabweichung in Echtzeit nachverfolgen.

Wer seine Uhr jetzt stellt, muss übrigens damit rechnen, dass sie wieder aus dem Takt gerät. Dann nämlich, wenn sich die Frequenz langsam wieder den 50 Hertz annähert. Wen die Abweichung nicht stört, kann also einfach warten, bis sich das Netz und damit seine Uhr wieder im Einklang befinden.





RobertLP

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