29.04.2015 Adrian

Streit um hässliche Stromtrassen? Nicht mit diesem Designermast

Fügt sich gut in die Landschaft ein: der T-Pylon von Bystrup (Foto: National Grid).

Neue Masten braucht das Land. Die Energiewende macht den Ausbau der Netzinfrastruktur erforderlich. Gegen den Bau neuer Stromtrassen laufen Bürgerinitiativen Sturm. Zu hässlich, lautet ein Vorwurf. Diesen Punkt hat der britische Netzbetreiber National Grid nun erfolgreich mit einem Designer-Mast entkräftet.

Die Energiewende ist in vollem Gange und trifft bei Bürgern, Industrie und Politik weitestgehend auf Zustimmung. Erneuerbare Energie wird meist dezentral und im Fall der Windenergie vornehmlich im windreichen Norden produziert. Seinen Weg muss der so gewonnene Strom aber in die bevölkerungs- und industriereichen Ballungszentren im Westen und Süden der Republik finden. Die Gesamtlänge der dafür zusätzlich erforderlichen Leitungen beträgt nach Berechnungen der Bundesnetzagentur knapp 1.900 Kilometer

Sorge vor Wertverlust der Immobilien

Die Folge: Quer durch die Republik müssen neue Überlandleitungen verlegt werden. Die sind im Vergleich zu Erdkabeln günstig und daher das Mittel der Wahl. An diesem Punkt schwindet zusehends die Zustimmung der Bürger, die entlang einer geplanten Trasse wohnen. Die sorgen sich angesichts der Masten vor einem Wertverlust ihrer Immobilien, Elektrosmog oder einer verschandelten Landschaft, organisieren sich in Bürgerinitiativen und üben so erfolgreich Druck auf Politik und die Übertragungsnetzbetreiber TenneT, TransnetBW, 50Hertz und Amprion aus. Letztere planen den Bau der neuen Stromtrassen gemeinsam mit der Bundesnetzagentur und sind letztlich für die Durchführung des Projekts verantwortlich. 

Der Sorge vor einer durch Stahlungetüme verschandelten Landschaft entgegnet der britische Netzbetreiber National Grid in seinem Zuständigkeitsbereich mit einem Designer-Mast des dänischen Architekturbüros Bystrup. Mit Erfolg, wie wir finden. Denn der T-Pylon getaufte Mast fügt sich mit seinem vergleichsweise dezenten Design weitaus besser in seine Umgebung ein, als ein herkömmlicher Strommast. Der Entwurf war 2011 als Sieger aus einem von National Grid initiierten Designwettbewerb hervorgegangen. In Nottinghamshire, England, hat der Netzbetreiber nun sechs der formschönen Masten zu Testzwecken aufgestellt. 

Der T-Pylon ist schnell errichtet. Sechs der Masten stehen nun in Nottinghamshire, England. (Foto: National Grid)

„Unser Ziel war es, ein Design zu entwickeln, dass gut zur britischen Landschaft passt und weniger auffällt“, sagte Brian Endahl, Projektmanager bei Bystrup, der Zeitung The Guardian. Der T-Pylon ist im Vergleich zu seinen stählernen Vorgängern um ein Drittel kleiner, benötigt eine geringere Standfläche und lässt sich wesentlich schneller errichten. „Die meisten Menschen assoziieren Strommasten mit dem Zeitalter der fossilen Brennstoffe und Umweltverschmutzung. Unser Design soll hingegen die neue Ära sauberer Energiegewinnung widerspiegeln“, so Endahl. Dass das schlanke Design und das nüchterne Weiß an Windräder erinnert,  ist wohl kein Zufall. Uns gefällt der T-Pylon ausgesprochen gut. Und wer weiß, vielleicht schmücken die futuristischen Masten ja auch schon bald unsere Landschaft?

An spannenden Entwürfen für Strommasten mangelt es übrigens nicht, wie unsere Bildergalerie zeigt:

  • "Helix" ist vor allem bei Nacht ein echter Hingucker. Entwickelt haben das Modell die schwedischen Designer von ANBArch. Helix fügt sich gut in die Landschaft ein und dürfte auch im urbanen Umfeld punkten (© GRID EXPO).

  • Fügt sich perfekt in die Landschaft ein: die "Mirrow Wall" von Erik Bystrup. Die Oberfläche besteht aus poliertem Edelstahl und bildet ähnlich wie ein Spiegel die umliegende Landschaft ab (© GRID EXPO).

  • Wirkt animalisch: das Modell "Arphenotype" von Dietmar Köring GRID EXPO).

  • Der Südkoreaner Yong-Ho Shin konnte mit dem Modell "Superstring" 2008 bei einem isländischen Wettbewerb den zweiten Preis einheimsen. Die Form des 27 Meter hohen Masts ist nicht nur ansehnlich, sondern auch praktisch. Denn die Form ist besonders windschnittig und kann so auch extremen Wetterlagen trotzen (© GRID EXPO).

  • Auf das Wesentliche reduziert: der Strommast "Germogli" (© GRID EXPO).

  • Der "Stealt Pylon" verschmilzt nahezu mit der ihn umgebenden Landschaft. Auch hier sorgt polierter Stahl mittels Spiegelungen für den Effekt. Ein weiterer Entwurf aus dem Hause Bystrup (© GRID EXPO).

  • "Flower Tower" heißt dieser Entwurf von Gustafson Porter (© GRID EXPO).

  • Gleicher Name, anderes Konzept: Der "FLOWERtower" von W+M Architectes erinnert an eine Schlingpflanze. Durch seine Form wirkt er futuristisch und natürlich zugleich (© GRID EXPO).

  • 2in1: Das Modell "Iceland Pylon" taugt nicht nur als Strommast. Integriert ist auch eine 380.000 kWh Windturbine. Entworfen hat das Modell der Chinese Tony Leung (© GRID EXPO).

  • Dieses Modell trägt den Namen "Icelandic Curve". Das Design stammt aus der Feder der Berliner Architekten von magma architecture (© GRID EXPO).

  • Die "Migrant Masts" von Rever & Drage Architects muten düster und fragil an. Die grazilen Beine bestehen aus Holz. Die mit LEDs beleuchteten Kuben auf der Spitze sind echte Hingucke (© GRID EXPO).

  • Ein weiterer Entwurf von Erik Bystrup: das Modell "T-Pylon". Mit einer Höhe von 32 Metern und einem Gewicht von 20 Tonnen fällt es im Vergleich zu den üblichen Hochspannungsmasten bescheiden aus (© GRID EXPO).

  • Gitter einmal anders: Das Model "Twist" der dänischen Architekten Andersen & Sigurdsson ist eine Hommage an die umliegende Landschaft. Der Mast soll einer Figur in Bewegung gleichen und so der sich ebenfalls ständig verändernden Landschaft Respekt zollen  (© GRID EXPO).

Wie gefallen euch die Designer-Masten?

Habt ihr einen Favoriten? Würdet ihr einer Stromtrasse in eurer Nachbarschaft positiv gegenüberstehen, wenn Designer-Masten verbaut würden? 

Friedrich Wegener

Freileitungen sind NICHT das Mittel der Wahl und Freileitungsmaste können die Landschaft auch NICHT "schmücken", übrigens genauso wenig wie Windräder. Falls Sie daran zweifeln sind Sie herzlich eingeladen sich hier bei uns im Weserbergland persönlich zu überzeugen.
www.biweserbergland.wordpress.com

Wir sind kontaktfreudig. Schreibt uns!