10.03.2015 Adrian

Pipi-Power – Diese Toilette macht aus Urin Strom

Die „Pee-Power“-Toilette steht strategisch günstig in der Nähe einer Studentenbar. (Foto: UWE)

Für gewöhnlich landen menschliche Ausscheidungen in der nächstgelegenen Kläranlage. Viel zu schade, fanden englische Forscher und haben eine Toilette entwickelt, die Urin in Strom verwandelt. Dafür nutzt das High-Tech-Klo fleißige Helfer. 

Der Standort des blauen Toilettenhäuschens auf dem Gelände der University of the West of England (UWE) ist gut gewählt. Denn die unmittelbare Nähe zu einer kleinen Studentenbar verspricht reichlich Nachschub an dem für die High-Tech-Toilette so wichtigen Treibstoff: Urin. Der wird von Bakterien in einer mikrobiellen Brennstoffzelle im Innern der mobilen Toiletteneinheit in Strom umgewandelt. Genug, um das Häuschen und die Umgebung damit nachts zu beleuchten. 

Professor Ioannis Ieropoulos: „Die Technik ist so grün wie nur möglich.“ (Foto: UWE)

Vorgestellt haben das energiegeladene Urinal Wissenschaftler der UWE und die Hilfsorganisation Oxfam. „Die Technik ist so grün wie nur möglich und völlig unabhängig von fossilen Brennstoffen“, beschreibt Mitentwickler Ioannis Ieropoulos das Energiekonzept seines Power-Klos. „Zudem nutzen wir ein Abfallprodukt, das massenhaft vorhanden ist.“ Für Aufsehen hatten die Forscher bereits 2013 gesorgt, als sie erstmals ein Smartphone mit dem von Bakterien aus Urin erzeugten Strom aufgeladen hatten. 

Andy Bastable von Oxfam hofft durch die zusätzliche Beleuchtung auf mehr Sicherheit in Flüchtlingslagern. (Foto: UWE)

Um den Test auf dem Universitäts-gelände so anschaulich wie möglich zu machen, ähnelt die aufgebaute Toilette denen in Flüchtlingscamps. Dort soll die Technik in Zukunft eingesetzt werden. Einziger Unterschied: Besucher können ihr Wirken in Bristol, bzw. das der Technik, durch eine Glasscheibe im Boden betrachten. Als Spezialist beim Bereitstellen sanitärer Anlagen in Flüchtlingslagern ist Oxfam als Projektpartner mit im Boot. „Es ist immer wieder ein Problem unsere Anlagen in Krisengebieten fernab von Stromquellen zu beleuchten“, sagt Andy Bastable, bei Oxfam zuständig für die Bereiche Wasser und sanitäre Anlagen. Vor allem Frauen würden in den Camps häufig Opfer von Gewalt, so Bastable weiter. „Die Technik ist ein großer Schritt vorwärts.“ Sie sorge in einer Umgebung, in der das Leben schon schwer genug ist, für zusätzliche Sicherheit. Mit rund 600 Britischen Pfund, umgerechnet 840 Euro, sind die Kosten für eine WC-Einheit überschaubar.  

In Deutschland arbeiten derzeit Forscher der RWTH Aachen und der Ruhr-Universität Bochum an mikrobiellen Brennstoffzellen. Auch sie wollen Abwasser zur Energiegewinnung nutzen. In einer Kläranlage der Emschergenossenschaft soll die Technik demnächst im großen Umfang getestet werden.

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