11.01.2016 Andreas

Energieeinsparverordnung 2016: Das ändert sich für Häuslebauer

Gebäudetechnik und Wärmedämmung müssen ab 2016 bei Neubauten deutlich effektiver sein.

Ab dem 1. Januar gelten für Neubauten die verschärften Regeln der Energieeinsparverordnung. Bei den technischen Anlagen im Gebäude und der Wärmedämmung muss seitdem einiges beachtet werden. Unser Gastblogger Andreas Kühl hat die wichtigsten Änderungen für euch unter die Lupe genommen. 

Gebäuden fällt eine wichtige Rolle bei der Energiewende und beim Klimaschutz zu. Denn  die Gebäudetechnik trägt zu einem erheblichen Teil des CO2-Ausstoßes bei. Künftig könnte sich das durch effizientere Technik ändern. Doch bis es soweit ist, gilt es den Energieverbrauch zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Gesetzgeber entsprechende Vorgaben in der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgelegt. Für Neubauten sind seit Jahresbeginn 2016 höhere Anforderungen vorgesehen. Was bedeutet das für Bauherren und wie können sie erfüllt werden?

Mit der EnEV 2016 ergeben sich höhere Anforderungen an die Gebäudehülle (Bild: Fotolia).

Die aktuelle Fassung der Energieeinsparverordnung ist seit dem 1. Mai 2014 gültig. Ursprünglich war geplant, die Neuerungen in zwei Abschnitten umzusetzen: 2014 und 2016. Doch dann wurde der Standard vorerst beibehalten und die überarbeitete Fassung trat auf einmal in Kraft: nämlich zum 1. Januar 2016. Seitdem müssen Neubauten einen um 25 Prozent geringeren Jahres-Primärenergiebedarf aufweisen. Zusätzlich muss die Wärmedämmung der Gebäudehülle im Vergleich zu den zuvor geltenden Anforderungen um 20 Prozent effizienter sein.

Hintergrund der Energieeinsparverordnung

Bevor wir ins Detail gehen, werfen wir noch einen Blick auf das rechtliche Umfeld. Die Anforderungen der EnEV ergeben sich aus der deutschen Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinien aus dem Jahre 2010. Diese sieht ab dem Jahr 2021 den Fast-Nullenergiestandard für alle Neubauten vor. Öffentliche Gebäude müssen diesen Standard sogar schon ab 2019 aufweisen. Die Energieeinsparverordnung soll schrittweise den Weg zum flächendeckenden Fast-Nullenergiestandard ebnen.

Wer ist betroffen?

In vielen Neubauten haben die Bauherren schon in den letzten Jahren mit Unterstützung der Förderbank KfW einen höheren Standard angestrebt, als in der EnEV vorgesehen. Wer die neuen Anforderungen der EnEV einhalten muss, ist in der jeweiligen Landesbauordnung klar definiert. Auf die neuen Regeln muss geachtet werden bei:

  • Einreichung des Bauantrags am 1. Januar 2016 oder später,
  • Erstattung der Bauanzeige ab dem 1. Januar 2016 oder später,
  • Beginn des Bauvorhabens bei genehmigungsfreien Bauvorhaben am 1. Januar 2016 oder
    später.

Wie sehen die erhöhten Anforderungen konkret aus?

Die Anforderungen der Energieeinsparverordnung teilen sich auf in den Primärenergiebedarf des Gebäudes und den Wärmeschutz der Gebäudehülle. Der Primärenergiebedarf bezieht den Wärmebedarf und die technischen Anlagen der Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlung mit ein. 

Der zulässige Primärenergiebedarf wird vom Planer auf die gleiche Art ermittelt wie bisher. Anschließend wird der errechnete Wert jedoch mit dem Faktor 0,75 multipliziert, um den neuen Wert zu erhalten. Der maximal zulässige Jahres-Primärenergiebedarf sinkt damit um 25 Prozent. Das Gebäude braucht somit 25 Prozent weniger Energie als noch in der alten Anforderung vorgesehen.

Um zu vermeiden, dass der Wärmeschutz durch eine Heizung mit einem geringen Primärenergiefaktor, beispielsweise mit erneuerbaren Energien, reduziert wird, sind auch höhere Anforderungen an einzelne Außenbauteile festgelegt worden. Dies wurde bisher auch schon im CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KfW so gefordert. Die Werte für den Wärmeschutz der Außenbauteile des Referenzhauses nach EnEV müssen jetzt um durchschnittlich 20 Prozent besser, also niedriger, sein.

Was ändert sich noch?

Da viele der neuen Wohnhäuser bereits in den letzten Jahren als KfW Effizienzhaus 70 oder 55 gebaut wurden, ändert sich nicht viel. Planer und Bauträger müssen sich nicht umstellen. Allerdings fällt zum 1. April 2016 die Förderung für das KfW Effizienzhaus 70 weg, da es mittlerweile zum Standard erhoben wurde.

Mit dem Verbrauch erneuerbarer Energien beim Heizen ist der geringere Primärenergiebedarf in der Regel sicher zu erreichen. Besonders günstig wird es beim Einsatz einer Wärmepumpe. Denn der Primärenergiefaktor für Strom wird um 25 Prozent reduziert, von 2,4 auf 1,8. Damit bleibt bei einem Haus mit Wärmepumpe für die Heizung nur noch die erhöhte Anforderung an die Gebäudehülle zu erfüllen.

Dieser Beitrag stammt von Gastblogger Andreas Kühl. Mit energynet.de betreibt er eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Energie-Blogs. Bei Fragen und Anregungen könnt ihr ihn unter kontakt@energynet.de erreichen oder das Kommentarfeld unter diesem Beitrag nutzen.

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