06.12.2019 Claudia

Nachhaltiger Wintersport: Diese Skigebiete setzen auf Grün

Längst setzten auch immer mehr Skigebiete auf Nachhaltigkeit. Kitzbühel geht mit gutem Beispiel voran (Bild: Kitzbühel Tourismus; Michael Werlberger).

Ob hoher Energieeinsatz bei der Kunstschneeproduktion oder die zumeist umweltschädliche Anreise per Auto – der Wintertourismus steht nicht im Ruf, besonders nachhaltig zu sein. Mittlerweile setzen immer mehr Skigebiete in den Alpen auf nachhaltige Konzepte. Wir stellen euch einige der "grünen" Ansätze vor.

Ein Winter ohne Ski- oder Snowboardfahren? Für viele undenkbar, denn was gibt es Schöneres als unberührte Pisten, die vor schneebedeckten Gipfeln in der Sonne glitzern? Dass dieser Glitzer-Schnee dank des fortschreitenden Klimawandels oft nicht aus den Wolken, sondern aus Schneekanonen kommt, darüber denkt kaum jemand von uns nach. Sollten wir aber, denn pro Hektar Kunstschnee wird jährlich etwa eine Million Liter Wasser verbraucht, was ungefähr dem Bedarf einer Großstadt wie Hamburg entspricht. Ein weiteres Problem sind die Massen an Skitouristen. Jedes Jahr reisen etwa 45 bis 50 Millionen Wintersportler in die Alpen – meistens mit dem Auto. Experten schätzen, dass circa 85 Prozent des CO2-Ausstoßes im Wintertourismus allein auf die Anreise im Auto zurückzuführen sind.

 

Bevor ihr jetzt aber völlig den Spaß am Skifahren und Boarden verliert, stellen wir euch ein paar der nachhaltigsten österreichische Skiorte vor, in denen ihr Pistenspaß ohne schlechtes Gewissen erleben könnt. Und das Beste: Dank ihrer Nähe zu Deutschland könnt ihr alle Orte ganz entspannt mit der Bahn erreichen und so bereits bei der Anreise etwas fürs Klima tun. 

Kitzbühel und Ramsau am Dachstein: Schnee von gestern

Bis zu 80 Prozent des Schnees in einem Depot können in der nächsten Saison wieder ausgebracht werden (Bild: Adobe Stock).

Kaum zu glauben, aber die Kitzbüheler haben tatsächlich eine Methode gefunden, Altschnee bis in den nächsten Winter zu konservieren. Nach Ende der letzten Skisaison haben Pistenraupen in einem Pilotprojekt 25.000 Kubikmeter der weißen Pracht auf einem Berg zusammengeschoben. Um den Schnee zu schützen wurde er mit Isolierplatten, Silofolie und uv-abweisendem Flies luft- und wasserdicht abgedeckt. Mit überraschendem Erfolg: Nur 20 Prozent des riesigen Schneehaufens waren bis zum nächsten Skistart geschmolzen. Mit dem Rest wurden die Pisten für die neue Saison präpariert.

 

Ähnlich macht dies auch die Skiregion Ramsau am Dachstein. Um zu Beginn der Saison möglichst wenig künstlich beschneien zu müssen, wird hier bereits seit einigen Jahren Schnee unter einer Schicht Hackschnitzel und einer Spezialplane bis zum nächsten Winter gelagert – und zwar mit gleichem Erfolg wie in Kitzbühel. 

Skiwelt „Wilder Kaiser“: Erster Solarlift der Welt

Sauber Sache: Der „Brixner Sonnenlift“ versorgt sich selbst mit Sonnenenergie (Bild: SkiWelt Wilder Kaiser - Brixental).

Das Tiroler Skigebiet „Wilder Kaiser“ ist ein Zusammenschluss aus neun Orten, die Spaß auf 280 Pistenkilometern versprechen. Damit ist die Skiwelt nicht nur eines der größten Wintersportgebiete Österreichs, sondern auch eines der klimafreundlichsten. Seit 2008 ist hier mit dem „Brixner Sonnenlift“ der erste Solarlift der Welt im Einsatz, viele andere Bergbahnen nutzen die Abwärme fürs Beheizen der Station oder angeschlossener Restaurants. Und auch die Anreise-Problematik wurde hier erkannt. Daher wird belohnt, wer mit dem Elektroauto ins Skigebiet kommt: Der Kauf einer Liftkarte erlaubt zugleich das kostenlose Strom tanken. 

Werfenweng im Salzburger Land: Mini-Skiort mit Mega-Ideen

Die 1.000-Seelen-Gemeinde Werfenweng, die immerhin über neun Liftanlagen und knapp 30 Pistenkilometer verfügt, geht in Sachen Anreise und Autoverkehr sogar noch ein wenig weiter. Denn hier lautet das Motto „Alle Zeit der Welt“ und die Werfenwenger setzen auf sanfte Mobilität, sprich Autofreiheit. Wer das Familienskigebiet besuchen will, kann problemlos mit der Bahn anreisen und auch der Transport im Ort und der näheren Umgebung ist gesichert – autofrei und kostenlos. Wer trotzdem mit dem eigenen Auto anreist, lässt es außerhalb des Ortes stehen und kann gratis das Elektro-Ortstaxi und das Nachtmobil nutzen. Urlaubern, die sich lieber etwas unabhängiger fortbewegen möchten, steht eine große Auswahl an umweltfreundlichen, zum Teil biogasbetriebenen Fahrzeugen zur Verfügung: von Elektroautos über E-Scooter bis hin zu Pedelecs und Segways.

Zell am See und St. Anton: Nah ans Wasser gebaut

In Zell am See stammt die Energie für die Bergbahnen zu 100 Prozent aus Wasserkraft (Bild: Zell am See, Faistauer Photography).

Auch die beiden großen Skiorte Zell am See und St. Anton tun etwas fürs Klima: Während ersterer den Strom für seine Bergbahnen zu 100 Prozent aus Wasserkraftwerken in unmittelbarer Nähe bezieht, garantiert St. Anton chemiefreien Kunstschnee. Dieser besteht nämlich nur aus Trinkwasser und Luft und es werden ihm keine Proteine zugesetzt, wie in den meisten anderen Skigebieten. Ein weiterer Pluspunkt: Das Schmelzwasser des natürlichen Kunstschnees fließt im Frühjahr in Bäche und Flüsse, die die Energiegewinnung im Tal unterstützen. 

 

Wohin auch immer es euch und eure Bretter zieht: Wir wünschen euch viel Spaß, super Schnee und passt gut auf euch – und eure Umwelt – auf!





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