06.05.2020 Claudia

Corona: So verändert das Virus unser Stromnutzungsverhalten

Das Corona-Virus hat unser Leben und unsere Gewohnheiten komplett auf den Kopf gestellt. Und es macht auch vor unserer Stromnutzung nicht halt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Pilotprojekt des baden-württembergischen Verteilnetzbetreibers „Netze BW“.

Dessen wichtigstes Ergebnis: Privathaushalte verbrauchen derzeit nicht nur mehr Strom, sondern diesen auch zu anderen Zeiten. Grund dafür ist zum einen, dass wir gerade sehr viel mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen als normalerweise und zum anderen die vermehrte Tätigkeit im Homeoffice.

Die Arbeit Zuhause sorgt nicht nur dafür, dass wir natürlich mehr Strom für den heimischen Computer, Drucker und andere elektrische Geräte benötigen, sondern auch, dass die Mittagsspitze erheblich höher ausfällt als noch vor ein paar Monaten. Dies liegt daran, dass derzeit Zuhause mehr gekocht, gebacken und gespült wird. Denn rund 30 Prozent unseres Stromverbrauchs entfallen auf solche und andere alltägliche Tätigkeiten im Haushalt.

Der erhöhte Verbrauch und die deutlichere Mittagsspitze haben Projektleiterin Linda Sprengholz wenig überrascht, anders als folgendes Ergebnis: Der sonst übliche Stromverbrauchsanstieg gegen 18.00 Uhr bleibt in Zeiten von Corona zwar nicht ganz aus, ist aber deutlich weniger prägnant. Sprengholz erklärt sich dies damit, dass „offenbar viele den frühen Feierabend nutzen, um sich nach Stunden im Homeoffice oder bei der Kinderbetreuung an der frischen Luft zu betätigen“, wie Sprengholz dem Magazin „energate“ sagte. Zudem habe sich bei einer Reihe von Verbrauchern der Tagesablauf scheinbar so nach hinten verschoben, dass die Kurve auch nach Mitternacht noch für mehrere Stunden deutlich über dem üblichen Niveau bleibt, so die Projektleiterin weiter.

Vor allem in der Mittagszeit zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr eine deutlich erhöhte Netzlast (Bild: Netze BW). Auf Bild klicken für Großansicht.

Stromverbrauch in Deutschland erstmals wieder angestiegen

Zu diesen Ergebnissen kam „Netze BW“ durch die minutengenaue Erhebung von Verbrauchsdaten einer Ortsnetzstation, an der fast ausschließlich Privathaushalte angeschlossen sind.  Die Erhebung zeigt außerdem, dass laut Stromverbrauch im Schnitt momentan 1,5 Laptops pro Haushalt mehr betrieben werden. Dies hat eine Erhöhung des werktäglichen Verbrauchs um fast ein Drittel zur Folge. 

Und auch der Stromverbrauch in gesamt Deutschland ist in der letzten Aprilwoche erstmalig seit Beginn der Corona-Krise wieder angestiegen – um 6,4% im Vergleich zur Vorwoche. Dennoch liegt der bundesweite Verbrauch immer noch um 6,2% unter den Vergleichswerten der Vorjahre – eine Folge der stark eingeschränkten Industrieproduktion. Ähnlich sieht die Verbrauchsentwicklung auch in Italien und Spanien aus. Diese Länder verzeichnen aktuell im Vorwochenvergleich ebenfalls wieder Zuwächse, wohingegen sich in Großbritannien und unserem Nachbarland den Niederlanden wieder starke Rückgänge zeigen. 

Immer unter Spannung: das modernisierte Umspannwerk der RheinEnergie in Westhoven (Bild: RheinEnergie).





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