30.01.2018 Adrian

Brühler Integrationsprojekt – wo aus Geflüchteten Helden werden

Fatih Türk (mitte) mit Manuela Schwesig und Wolfgang Tiefensee (beide SPD) im Willy-Brandt-Haus (Bild: Kerstin Fourate).

Sport, Bildung und Kultur – mit diesen drei Bausteinen hilft unser Kollege Fatih Türk Kindern und Jugendlichen erfolgreich dabei, in ihrer neuen Heimat zurechtzukommen. Für sein Engagement hat der von Türk gegründete Verein „Kahramanlar - Die Brühler Helden e.V.“ nun den Regine-Hildebrandt-Preis erhalten.

Wie gelingt Integration? Nachdem Deutschland in den vergangenen zwei Jahren Hunderttausende Geflüchtete aufgenommen hat, ist diese Frage aktueller denn je. Mit seinem Verein „Kahramanlar - Die Brühler Helden e.V.“ liefert Fatih Türk Antworten: Sport, Bildung und Kultur. Mit diesen drei Bausteinen hilft der von Türk 2006 gegründete Verein Kindern und Jugendlichen erfolgreich dabei, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden. Bei Kahramanlar (türkisch: Helden) setzen sich rund 20 ehrenamtliche Helfer für Toleranz und Verständigung zwischen Deutschen und Migranten ein. Die Freiwilligen unterrichten in zehn Abteilungen Musik und Tanz, geben Nachhilfe oder unterrichten Kickboxen. Für sein Engagement hat der Verein nun den mit 20.000 Euro dotierten Regine-Hildebrandt-Preis der SPD erhalten.

Sprache durch Sport fördern

Türk hat Kahramanlar im Alter von 19 Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Murat gegründet. Beide lebten damals unweit der Brühler Jordanstraße, einem sozialen Brennpunkt im Osten der Stadt. Dort hatte Türk ein Muster erkannt: „Viele Jugendliche hatten ein Migrationshintergrund, blieben unter sich und unterhielten sich in ihrer Muttersprache. So lernten sie weder Deutsch noch tauschten sie sich mit den anderen Gruppen aus. Streit war vorprogrammiert.“ 

Abgehoben: Im Willy-Brandt-Haus zeigt Türk sein Können (Bild: Kerstin Fourate).

Die Brüder stellten sich die Frage, wie sie den Jugendlichen helfen könnten. Ein Blick auf die eigene Biografie half. Türks Eltern waren in den 1970er Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Sein Vater, ein Deutschlehrer, hat großen Wert darauf gelegt, dass seine Söhne schnell Deutsch lernen und sich integrieren, etwa im Schwimm- oder Taekwondo-Verein. Auch hatte Bildung in der Familie einen hohen Stellenwert. Fatih Türk etwa hat nach seiner Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker das Fachabitur nachgeholt, seinen Meister gemacht und schließlich Ingenieurswissenschaften an einer Fachhochschule studiert. All das neben der Arbeit, wohlgemerkt.

Helden-Konzept vielfach ausgezeichnet

Über Sport zu Sprache und Bildung. Nach dem gleichen Prinzip sind die Brüder dann auch bei Kahramanlar vorgegangen. Fatih und Mutat Türk boten den Kindern und Jugendlichen in einem Garten Taekwondo-Unterricht an. So konnten sie die Gruppendynamiken durchbrechen. Die Jugendlichen waren nicht mehr ausschließlich mit Landsleuten zusammen, tauschten sich aus. Beim Training wurde zudem immer Deutsch gesprochen. Das Angebot kam gut an. So gut, dass der Garten schnell zu klein wurde und die Türks einen Verein gründeten. Fortan trainierten sie ihre Schützlinge in Turnhallen. Die Erfolge stellten sich schnell ein. Sowohl in der Schule als auch bei sportlichen Wettkämpfen, wo die „Brühler Helden“ regelmäßig erste Plätze belegen.

Der Garten wurde schnell zu klein: Türks Sportkurse erfreuen sich großer Nachfrage (Bild: RheinEnergie).

Mittlerweile ist das Helden-Konzept vielfach ausgezeichnet. Neben dem Regine-Hildebrandt-Preis, den Türk im Beisein der stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Manuela Schwesig im Willy-Brandt-Haus in Berlin entgegengenommen hat, hat die Stadt Brühl dem Verein zuletzt den Integrationspreis des Integrationsrates verliehen. Es werden sicherlich nicht die letzten Preise gewesen sein.





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