19.06.2015 Adrian

Leistungsstark und flexibel: Diese Solarmodule können schwimmen

Die schwimmenden Solarmodule nutzen zusätzlich die reflektierenden Sonnenstrahlen aus (Bild: Sunfloat).

Photovoltaik-Anlagen auf dem Fühlinger See oder der Kiesgrube um die Ecke? Zukunftsmusik. Noch. Denn in Japan sind schwimmende Solarpanels schon Realität. Jetzt sollen sie auch den europäischen Markt erobern. Die Vorteile der Technik klingen überzeugend. 

Solarmodule auf Hausdächern kennen wir aus unserer Nachbarschaft. Standard. Auch größere Solarparks mit mehreren hundert Panels bekommen wir häufig zu Gesicht. Meist im Vorbeifahren neben der Autobahn. Jetzt haben die sonnenhungrigen Zellen schwimmen gelernt und finden sich auch auf Wasserflächen. 

Schwimmende Photovoltaikanlage mit 1,7 MW Leistung auf dem Nishihira-See in Japan (Bild: KYOCERA).

Diese Lösung scheint besonders für dicht besiedelte Regionen optimal, in denen nur wenig Bauland zur Verfügung steht. Kein Wunder, dass die Technik bisher vor allem in Japan Anklang findet. Das Land ist dicht besiedelt, hügelig und nach der Fukushima-Katastrophe offen für risikoarme Wege der Energiegewinnung. Dort entstand bereits Ende 2013 vor der Küste von Kagoshima City eine riesige Anlage mit 290.000 Panels und stolzen 70 Megawatt Leistung – allerdings noch als Nichtschwimmer – auf einer aufgeschütteten Insel. Errichtet hat den Megapark der japanische Technologie-Konzern Kycocera. Im Mai 2015 hat er auf dem Nishihira-See und dem Higashihira-See zwei weitere – dieses Mal schwimmende Anlagen – folgen lassen. Die beiden Solarparks kommen zusammen auf 2,9 Megawatt Leistung und produzieren Strom für rund 920 Haushalte.

Module richten sich nach Stand der Sonne aus

Jetzt könnte die Technik auch Europa erobern. Und die will das dänische niederländische Startup Sunfloat mit seinen Panels nochmals deutlich verbessert haben. Denn abgesehen von der Platzersparnis haben schwimmende Photovoltaik-Anlagen noch einen weiteren Vorteil: Sie können auch von der Wasseroberfläche reflektierende Sonnenstrahlen ausnutzen. Dadurch würden die Anlagen 25 bis 30 Prozent mehr Energie liefern als vergleichbare Objekte an Land. Die Module von Sunfloat machen sich neben diesen noch einen weiteren Vorteil zu eigen: Die mobilen Module richten sich automatisch nach dem Stand der Sonne aus. So ist der Einstrahlwinkel des Sonnenlichts stets optimal. Eine kürzlich im niederländischen Groningen eröffnete Anlage soll die Stromproduktion von herkömmlichen Anlagen an Land so um bis zu 60 Prozent überbieten können. Die höheren Installationskosten seien so schnell amortisiert.

So sehen die schwimmenden Anlagen aus:

Kritiker bemängeln allerdings, dass die Panels Wasserpflanzen das benötigte Tageslicht abspenstig machen und zudem Angler, Boote und Schwimmer behindern könnten. Laut Sunfloat sollten die Anlagen daher bevorzugt auf weder ökologisch noch wirtschaftlich wertvollen Flächen zum Einsatz kommen.  

Wer weiß, vielleicht schwimmen die Energielieferanten ja schon bald auf Kölner Gewässern? 

Panels statt paddeln?

Was haltet ihr von der Technik? Würdet ihr die schwimmenden Zellen auf eurem Lieblingssee dulden?

Tjeerd

Sunfloat ist ein Niederländische Startup, keine Dänische;-)

Adrian

Absolut richtig. Ist korrigiert. Danke für den Hinweis!

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