22.12.2014 Adrian

Taten statt Türchen – Schöne Erlebnisse wiegen die schlimmen zehnfach auf

24 Stunden, sieben Tage die Woche – Feuerwehrleute stehen im Notfall immer auf Abruf bereit. Die RheinEnergie-Mitarbeiter Rüdiger Heimbüchel und Christian Kiefer erzählen im Interview von ihren Erlebnissen als Helfer bei der Freiwilligen Feuerwehr.

 

RheinEnergieBlog: Viele Mitarbeiter der RheinEnergie engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich. Ihr seid beide bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Wie ist es dazu gekommen?

Rüdiger Heimbüchel: Mein Vater hat mich als Kind in ein Jugendfeuerwehrlager mitgenommen. Das hat mir sehr gut gefallen. Mit zehn Jahren bin ich dann offiziell beigetreten und mit 18 in die aktive Wehr gewechselt. Seitdem fahre ich regelmäßig bei Einsätzen mit.

 

Christian Kiefer: Bei mir waren es auch die Eltern. Mein Vater war Sanitätssoldat bei der Bundeswehr, meine Mutter ist Krankenschwester. Helfen liegt mir quasi im Blut. Mit 16 habe ich beim Deutschen Roten Kreuz als Sanitäter angefangen. Mit 18 bin ich dann zur Feuerwehr gewechselt.   

100 Einsätze pro Jahr

RheinEnergieBlog: Wie viele Einsätze gibt es in eurem Löschzug pro Jahr?

 

Rüdiger Heimbüchel: Wir fahren zwischen 70 und 100 Einsätze. Was eine ganze Menge ist, wenn man bedenkt, dass wir alle ehrenamtlich arbeiten.

 

Christian Kiefer: Ja, bei uns ist das ganz ähnlich. Wir kommen auch auf rund 100 Einsätze pro Jahr.


Rüdiger Heimbüchel (30) 
ist Hauptbrandmeister bei der Freiwilligen Feuerwehr Langerwehe (im Kreis Düren) im Alter von zehn Jahren trat er in die Jugenfeuerwehr ein, um dann mit 18 in die aktive Wehr zu wechseln. Seitdem ist er regelmäßig als Helfer bei Einsätzen dabei. Bei der RheinEnergie schreibt der Chemiker derzeit seine Dissertation.

RheinEnergieBlog: Gibt es ein bestimmtes Muster bei den Einsätzen? Überwiegen etwa Verkehrsunfälle oder Brände?

 

Christian Kiefer: In unserem Bereich liegen die Autobahnen 1 und die 4. Da  sind Einsätze bei Verkehrsunfällen besonders häufig. Vor allem auf dem „Raserstück“ der A4 zwischen Kerpen und Düren.  

 

Rüdiger Heimbüchel: Wenn wir gerufen werden, leisten wir in zwei Dritteln der Fälle technische Hilfe. Dazu zählen der vollgelaufene Keller genauso wie die Katze auf dem Dach oder der Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person. Der Rest sind Brandeinsätze. Deutlich seltener sind Unfälle mit Gefahrgut wie Chemikalien. Bei denen fahre ich als Chemiker in einem größeren Umkreis, bis an die holländische Grenze, in beratender Funktion mit. 

„Ich hatte mit dem Erlebten schwer zu kämpfen“

RheinEnergieBlog: Wenn ihr als Helfer an einem Unfallort seid, erlebt ihr zum Teil extreme Situationen. Wie geht ihr mit der Belastung um?

 

Christian Kiefer: Meine schlimmste Erfahrung war im Jahr 2000 der Einsatz beim Zugunglück in Brühl. Damals sind neun Menschen ums Leben gekommen. Vor Ort konzentriert man sich ganz auf das Helfen. Probleme ergeben sich erst nach dem Einsatz. Ich hatte damals mit dem Erlebten schwer zu kämpfen. Wir wurden anschließend psychologisch betreut. Das hat sehr geholfen. Ich fahre nebenbei auch noch als Rettungssanitäter im Rettungswagen mit und bin diese Situationen daher gewohnt. Gott sei Dank kann ich damit meistens gut umgehen. 

 

Rüdiger Heimbüchel: Der Trick ist, gut mit dem Erlebten umzugehen. Man muss sich immer klar machen, sein Möglichstes getan zu haben. Auch wenn es dann mal nicht gereicht hat. Und so banal es klingt: Ein schönes Erlebnis, wenn man etwa einem Mädchen die gerettete Katze zurückgegeben hat, wiegt die schlimmen zehnmal wieder auf. 


Christian Kiefer (34)
ist Oberbrandmeister bei der Freiwilligen Feuerwehr der Kolpingstadt Kerpen. Sein Löschzug ist 30 Personen stark. Vor seiner Zeit bei der Feuerwehr war der Familienvater bereits als Rettungssanitäter unterwegs. Bei der RheinEnergie arbeitet Christian Kiefer im Technischen Außendienst.

RheinEnergieBlog: Ihr begebt euch mitunter in Lebensgefahr. Wie geht eure Familie, wie geht der Partner damit um?   

 

Christian Kiefer: Sobald der Meldeempfänger geht, ist die Sorge da. Meine Frau kann nachts dann gar nicht mehr einschlafen, ehe ich nicht zurück bin.

 

Rüdiger Heimbüchel: Das ist bei mir ganz ähnlich. Meine Freundin kommt dann auch nicht mehr zur Ruhe. Man muss aber auch erwähnen, dass der Arbeitsschutz über die Jahre besser geworden ist. Gefährlich ist es dennoch: Wenn wir bei Temperaturen um die 400 Grad in eine brennende Wohnung gehen, hängt das Leben im wahrsten Sinne des Wortes an der Atemluftflasche, die wir auf dem Rücken tragen. 

 

Christian Kiefer: Ich habe seit zwei Jahren einen kleinen Sohn. Ich bin dadurch deutlich vorsichtiger geworden. Ich trage nicht mehr nur Verantwortung für mich.

Volle Unterstützung vom Arbeitgeber

RheinEnergieBlog: Bekommt ihr von Seiten der RheinEnergie Unterstützung?

 

Christian Kiefer: Nach einem langen Einsatz müssen wir Ruhezeiten einhalten. Wenn wir auf der Arbeitnach einem Einsatz ausfallen, zahlt das Unternehmen den Lohn weiter und bekommt ihn anschließend von der Feuerwehr erstattet. Da gab es noch nie Probleme. Im Gegenteil, das läuft immer alles reibungslos.

 

Rüdiger Heimbüchel: Einige Unternehmen tun sich schwer damit ihre Arbeitgeber im Ernstfall freizustellen. Bei der RheinEnergie hatte ich da noch nie Probleme. Als ich mit meiner Einheit letztes Jahr eine Woche in Magdeburg beim Hochwassereinsatz war, bekam ich von meinem Chef sofort das Ok, mitzufahren. 

Ruhige Weihnacht? Eher nicht!

RheinEnergieBlog: Werdet ihr ruhige Weihnachtstage verbringen oder herrscht eher Hochbetrieb auf der Wache?


Christian Kiefer:
Wenn wir an Weihnachten gerufen werden, sind es oft Brände. Meistens verursacht durch eine Kerze auf dem Adventskranz oder dem Weihnachtsbaum. Da können wir eigentlich die Uhr nach stellen.


Rüdiger Heimbüchel:
Wir rücken über Weihnachten oft zu ungewöhnlichen Einsätzen aus. Wir mussten etwa ein Pferd befreien, das im Matsch feststeckte. An Silvester werden die Einsätze dann wieder deutlich ernster. Dann müssen wir durch Böller und Raketen verursachte Brände löschen. 

Taten statt Türchen

Viele Mitarbeiter der RheinEnergie engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich in Köln und der Region. Passend zur (Vor-) Weihnachtszeit haben wir ausgewählte Aktionen vorgestellt.

Wir sind kontaktfreudig. Schreibt uns!