22.02.2019 Ronja

„Die Stimme vergisst man als Erstes“ – Familienstiftung verleiht letzte Worte

Audio-Biografien für die Nachwelt: Schwer erkrankte Mütter und Väter erzählen für ihre Kinder (Bild: Joachim Rieger).

Manche Themen sind so traurig, dass man sich am liebsten die Ohren zuhalten möchte. Die Journalistin Judith Grümmer tut das Gegenteil: Sie sperrt sie auf und lässt schwerstkranke Mütter und Väter ihre Geschichte erzählen. Daraus entstehen Audiobiografien als Erinnerung für die Hinterbliebenen.

Von der großen Bedeutung des Projekts Familienhörbuch war der Stiftungsrat der RheinEnergieStiftung Familie so überzeugt, dass er eine zweite Förderrunde bewilligte. Das Ziel ist es, einen Beitrag zu leisten, damit sich das Familienhörbuch als therapiebegleitendes Angebot im Gesundheitswesen etablieren kann, so dass jede betroffene Familie diese Leistung kostenfrei in Anspruch nehmen kann. 

Das Konzept der individuellen Hörbücher für unheilbar erkrankte Eltern als Vermächtnis an ihre Familie entwickelte Journalistin und Audiobiografin Judith Grümmer. Sie gibt den Betroffenen in ihrer letzten Lebensphase die Zeit, den Raum und die Gelegenheit, das zu erzählen, was sie noch sagen wollen. Mit viel Feingefühl und Herz geht sie dabei „Die Stimme vergisst man als Erstes“ – Familienstiftung verleiht letzte Worte ans Werk, hört zu, nimmt auf, schneidet zusammen, unterlegt die Hörbücher mit Musik, die sich die Erzählenden selbst aussuchen. So entsteht etwas ganz Persönliches, etwas Bleibendes. 

Judith Grümmers (l.) Familienhörbücher spenden Hinterbliebenen Trost (Bild: Joachim Rieger).

Dass ihr Gegenüber sehr offen von sich redet, überrascht Judith Grümmer nicht: „Ich bin ein bisschen wie die Fremde im Zug auf einer Fahrt von München nach Berlin: Man erzählt mir ein paar Stunden was und dann verschwinde ich wieder aus dem Leben des Erzählenden. Und am Ende der Fahrt gibt’s dann ein Hörbuch.“ 

Dieses Hörbuch kann den Angehörigen in den unterschiedlichen Stadien der Trauer Trost spenden. Und nicht nur den Angehörigen. Das Projekt wird von Professor Lukas Radbruch von der Uniklinik Bonn/Malteser Krankenhaus Bonn, dem Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, unterstützt. Sein Team untersucht unter anderem die genaue therapeutische Wirkung dieser Arbeit auf die Patienten und Patientinnen, die sich als ausnahmslos positiv darstellt.

Video: WDR-Beitrag zum Projekt via (Frau TV)

Es entstehen Tondokumente über den Menschen, jenseits von Symptomkontrolle, Blutwerten, Messdaten oder Chemotherapie. Die Mütter oder Väter erzählen ihre Geschichte so, wie sie sie erlebt haben, und schaffen ein Erinnerungsstück, das so gestaltet ist, wie sie selbst in Erinnerung bleiben wollen.

 

Die RheinEnergieStiftung Familie ist derzeit mit einem Stiftungskapital von 15 Millionen Euro ausgestattet. Die Erträge aus dem Kapital werden seit 2006 für Projekte im Versorgungsgebiet der RheinEnergie AG eingesetzt.

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