22.11.2019 Claudia

Klein, aber oho – schottische Orkney-Inseln sind Vorreiter der Energiewende

Trägt Strom im Namen: Stromness ist mit rund 1.800 Einwohnern die zweitgrößte Siedlung auf den Orkneys (alle Bild: Adobe Stock).

Rund 1.700 Kilometer von Köln entfernt liegt eine Gruppe von kleinen Inseln, die in Sachen „Grüne Energie“ ganz groß ist – die Orkney-Inseln. Auf den 70 Inseln vor der Küste Nordschottlands leben rund 22.000 Menschen. Statistisch gesehen, teilen sich 31 von ihnen ein Windrad. Denn davon gibt es ganze 700 Stück auf den Inseln – und damit Strom im Überfluss.

Wie Weltkonzerne auf den Mini-Inseln forschen

Die Bewohner der Orkney-Inseln leben völlig energieautark und wissen häufig nicht, wohin mit all der schönen grünen Energie. Mit dieser Frage beschäftigen sich auch innovative Forscherteams vor Ort, deren Projekte weltweit von Experten mit großem Interesse verfolgt werden. So befindet sich beispielsweise in einer kleinen Bucht ein Testareal für verschiedene Technologien zur Ausnutzung von Wellen- und Gezeitenenergie. Unweit der zweitgrößten Stadt des Inselarchipels, in der nicht einmal 1.800 Menschen, leben forscht der Weltkonzern Microsoft an der energieintensiven Kühlung von Großcomputern mit Meerwasser. Dazu hat der Software-Riese ein Rechenzentrum mit einer Speicherkapazität von 27,6 Petabyte im Meer versenkt.

Auch Energieexperte Paul Dodds von der Universität zu London ist begeistert davon, was die kleinen Inseln im Bereich „Erneuerbare Energie“ alles leisten: „Orkney nutzt eine Reihe von modernsten Technologien, darunter Stromerzeugung mit Wind und Wellen sowie Elektrolyse, um überschüssige Energie als Wasserstoff zu speichern“, so Dodds.

Große Pläne für die kleinen Inseln

Und die Insulaner haben noch viele andere Ideen und Pläne, wie sie ihre Vorreiterrolle weiter ausbauen können. So sollen nach Informationen des „Handelsblatt“ in den nächsten Jahren bis zu 500 Energiespeicher in privaten Wohnhäusern, sowie 100 größere Speichern in Unternehmen und öffentlichen Gebäuden installiert werden. Geplant sind außerdem 200 Ladestationen für 600 zusätzliche Elektroautos – denn die sind natürlich das Fortbewegungsmittel Nummer eins auf den Inseln. Und die Bewohner ziehen an einem Strang, denn die meisten haben sich dazu bereit erklärt, mitzuhelfen, Stromschwankungen auszugleichen und ihr E-Auto hauptsächlich bei kräftigem Wind aufzuladen.

Eines von rund 700 Windkrafträdern auf den Orkney-Inseln.

Auch über den regen Schiffsverkehr haben sich die Menschen auf Orkney Gedanken gemacht: So wurden auf zwei der Inseln Elektrolyse-Stationen errichtet. Diese verwandeln Wind- und Wasserkraft in Wasserstoff. Dieser wird in Metallbehältern gespeichert. Legt im Hafen ein Schiff an, wird der Wasserstoff mit dem Lastwagen zu den Schiffen gebracht und an Bord wieder in Strom verwandelt. Der fließt als Zusatzstrom in die Batterien der Schiffe. In naher Zukunft sollen auch die Fähren, die zwischen den Orkney-Inseln und dem Festland pendeln, auf Wasserstoffantrieb umgestellt werden.

Dann können auch die zahlreichen Touristen, die die Inseln in den letzten Jahren für sich entdeckt haben, klimaneutral anreisen. Denn Orkney ist nicht nur Vorreiter und Vorbild, wenn es um grüne Energie geht, sondern auch ansonsten ziemlich grün. Und ziemlich schön – der perfekte Urlaubsort für alle, die es idyllisch und nachhaltig mögen. Und der nächste Sommerurlaub kommt bestimmt.





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