05.09.2016 Lutz-Peter

Niehl 3 aus Unternehmenssicht – drei Fragen an Dr. Dieter Steinkamp

Dr. Dieter Steinkamp, Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie (RheinEnergie).

Der Bau des Heizkraftwerks Niehl 3 ist nicht nur die größte Einzelinvestition in unserer Unternehmensgeschichte. Der Entschluss dazu war auch eine mutige Entscheidung in Zeiten der Veränderung. Unser Vorstandsvorsitzender Dr. Dieter Steinkamp hat mit uns über das Projekt und seine Bedeutung für die RheinEnergie gesprochen.

Herr Dr. Steinkamp, warum hat die RheinEnergie in ein neues Heizkraftwerk investiert?

Niehl 3 ist Teil der Energiewende. Eine solche Anlage wird nicht für alle Ewigkeit, sondern für 30 bis 40 Jahre gebaut. Das ist genau der Zeitraum – vermutlich reicht er auch noch darüber hinaus –, in dem wir dezentrale Hightech-Kraftwerke auf der Basis von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) benötigen. Sie sichern die Erneuerbaren Energien ab und garantieren jederzeit eine sichere Stromversorgung – wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht. Das Entscheidende ist, dass Niehl 3 Strom und Wärme zugleich produziert. Wir versorgen damit Köln klimaschonend mit Energie und setzen dabei den kohlenstoffarmen Brennstoff Erdgas ein. Und das aufgrund des extrem hohen Wirkungsgrades mit höchster Effizienz: Gegenüber den modernsten Kohlekraftwerken liegt die freigesetzte CO2-Menge um mehr als die Hälfte niedriger. Mit Niehl 2 und 3, unseren beiden Gas-und-Dampfturbinen-Anlagen im Niehler Hafen, verfügen wir über den modernsten und leistungsfähigsten KWK-Standort in Deutschland. 

Niehl 3 war mit 350 Millionen Euro die größte Einzelinvestition der RheinEnergie (Bild: RheinEnergie).

Mit dem Bau einer neuen Fernwärmetransportleitung erschließen wir gleichzeitig die andere Rheinseite, die in den nächsten 10 bis 20 Jahren ein neues Gesicht erhalten wird. Damit werden wir erstmals seit Jahrzehnten die Fernwärme nennenswert ausbauen. Das ist das große Plus für Köln als wachsende Metropole. Ohne die Fernwärme ergäbe das Kraftwerk keinen Sinn. Deshalb sind wir der Landesregierung sehr dankbar, dass sie uns dabei unterstützt hat. Stromseitig kann die Anlage sowohl ins Kölner Netz wie in das deutsche Übertragungsnetz einspeisen. Zudem gibt es in Deutschland kein zweites Kraftwerk dieser Klasse, das so flexibel gefahren werden kann – extrem schnell regelbar in niedrigen wie in hohen Leistungsbereichen. Damit passt Niehl 3 ideal zu den Erneuerbaren.

Welche Bedeutung hat Niehl 3 für unser Unternehmen?

Mit Niehl 3 bauen wir die Leistungsfähigkeit unserer Strom- und Wärmeversorgung aus. Gleichzeitig gibt uns die Anlage im Verbund mit Niehl 2 die Möglichkeit, unsere Wärmeversorgung an einem Standort besser abzusichern und weitgehend in Niehl zu konzentrieren. Damit erhalten wir langfristig zukunftssichere Arbeitsplätze. Mit diesem modernen, hocheffizienten KWK-Kraftwerkspark machen wir es möglich, dass die großen, neu zu bebauenden Flächen in Mülheim und Deutz klimaschonend mit Wärme versorgt werden können. Die Fernwärme erfolgreich zu vermarkten und die neuen Ausbaugebiete zu verdichten, darin liegt nun auch eine wichtige Aufgabe für unseren Vertrieb. Dort, wo die Fernwärme nicht wirtschaftlich hinkommt, werden wir darüber hinaus weitere Stadtquartiere mit lokalen KWK-Lösungen, etwa mit Biomethan-Blockheizkraftwerken, entwickeln. Mit diesem dezentralen KWK-Konzept sind wir auch bundesweit unterwegs. Wir schaffen so eine moderne, klimaschonende Energieinfrastruktur an unserem großstädtischen Heimatstandort Köln und sind zugleich Teil des nationalen Umbaus unseres Energieversorgungssystems.

Was verbinden Sie persönlich mit dem Projekt?

Am Anfang war der Vorstand bei der Planung, Entscheidungsfindung und Finanzierung gefordert. Dabei war unser Zusammenspiel mit dem Aufsichtsrat sehr wichtig, dem wir für seine Unterstützung sehr dankbar sind. Dann verlagerte sich der Fokus allmählich auf die Projektmannschaft und die einbezogenen Firmen, allen voran unseren Generalunternehmer Alstom, der mitten in der heißen Phase durch Fusion Teil von General Electric (GE) geworden ist. Die Alstom-Mitarbeiter bei uns vor Ort haben sich dadurch nicht beirren lassen und weiter hochprofessionell gearbeitet. Bei der Realisierung von Niehl 3 haben wir wieder unheimlich viel gelernt: die technische und energiewirtschaftliche Planung, das Vergabemanagement, die Projektsteuerung, die modernste Hightech-Kraftwerkstechnik, den 360- und den 110-Kilovolt-Anschluss, das Höchstspannungserdkabel, ja auch die Auseinandersetzung um eine akzeptanzfähige Trasse und die anschließende Bürgerbeteiligung, den parallel realisierten Fernwärmedüker, den Ringschluss der rechts- und linksrheinischen Wärmeversorgung, die Neuformierung unserer eigenen Kraftwerksmannschaft und, und, und. 

Video: Niehl 3 – Energie für die Zukunft der Region

Niehl 3 ist die größte Einzelinvestition in unserer Unternehmensgeschichte. Und es ist eines unserer größten Projekte, die wir je gestemmt haben. Für mich persönlich ist es eines der komplexesten und zugleich faszinierendsten Projekte meiner bisherigen beruflichen Laufbahn. Es macht mich stolz, dass wir alle zusammen mit unserem Generalunternehmer, den anderen Unternehmen und vor allem den hochkompetenten und engagierten Kolleginnen und Kollegen aus unserem Haus dieses Großprojekt im Zeit- und im Budgetrahmen umgesetzt haben. 





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