Platz schaffen für Neues – Rückbau der Dampfturbine am Zugweg

Eugen
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Abbau der Dampfturbine am Standort Zugweg (Bild: RheinEnergie).

47 Jahre lang versorgte eine Dampfturbine von unserem Standort in der Südstadt aus die Kölnerinnen und Kölner zuverlässig mit Strom und Wärme. Im Jahr 2017 wurde sie außer Betrieb genommen. Jetzt wird sie von einem Spezialteam demontiert, um am Standort Zugweg Platz für Neues zu schaffen.

Mit 47 Jahren steht man als Mensch noch mitten im Leben. Ein Dampfturbinenleben geht nach 47 Jahren dagegen zu Ende. Bessere und leistungsfähigere Anlagen sind inzwischen auf den Markt gekommen, Ersatzteile für eine Reparatur sind nicht mehr zu kriegen. Ein Weiterbetrieb lohnt sich irgendwann nicht mehr. So erging es auch unserer Dampfturbine 3 an unserem Standort am Zugweg. Seit einem halben Jahr wird sie dort demontiert, um den Weg für moderne Technologien zu schaffen und damit den Anteil erneuerbarer Energieträger in der Wärmeversorgung zu erhöhen.

Grundlast für die Strom- und Wärmeversorgung in Köln

Die im Jahr 1970 erbaute Turbine mit einer elektrischen Leistung von 27 Megawatt hat bis 2017 ihren Dienst getan. In dieser Zeit ist sie insgesamt 253.964 Stunden gelaufen, was rund 5.400 Stunden pro Jahr entspricht. In ihrer Anfangszeit diente die Turbine, ausgestattet mit einem Dampfkessel (Kessel 3), als Grundlastmaschine, mit der also ein konstanter Bedarf für die Strom- und Wärmeversorgung in Köln gewährleistet wurde. In den 90er Jahren kam eine Gasturbine mit Abhitze-Dampferzeuger (Kessel 4) hinzu, womit die Effizienz der Anlage deutlich gesteigert wurde. „Auch wenn die Turbine für uns in den vergangenen Jahrzehnten große Dienste geleistet hat, wurde sie irgendwann vom Stand der Technik überholt. Um am heutigen Energiemarkt wirtschaftlich agieren zu können, müssen die Anlagen deutlich flexibler sein. Dazu war die Anlage aber viel zu träge und damit für uns nicht mehr wirtschaftlich“, erläutert Marcus Piller, Referent EMSR-Technik im Bereich Kraftwerke Süd.

Rückbau Schritt für Schritt

So entschieden wir uns, die Turbine zu demontieren. Dies erwies sich jedoch als ein schwieriges Unterfangen, denn nicht nur das Gewicht der Einzelteile machte eine Demontage herausfordernd, auch musste sie von der sonstigen Technik „befreit“ werden. „Die Anlagentechnik samt den dazugehörigen Leitungen für Dampf, Kondensat, Schmieröl oder die Kühlung ist in den vergangenen 60 Jahren sukzessive gewachsen. Wir mussten uns da Stück für Stück vorarbeiten, und aufpassen, dass wir nicht versehentlich eine Leitung abtrennen, die wir noch brauchen“, sagt Roman Pötschke, Gruppenleiter Instandhaltung Kraftwerke Süd.

Zunächst wurde die Schallhaube der Turbine entfernt. Im nächsten Schritt erfolgte die Demontage der Turbinenisolierung. Im Anschluss haben sich die Kollegen bis zum Inneren vorgearbeitet. Insgesamt sind bis zu 20 Personen inklusive Fremdfirmen mit der Demontage beschäftigt. „Die Demontage erfordert eine ausgeklügelte Logistik. Alle Schritte müssen ineinandergreifen, damit es nicht zu Engpässen kommt. So haben wir beispielsweise nur einen Kran, mit dem wir schwere Lasten abtransportieren können. Die Arbeiten muss man gut einplanen“, sagt Marcus Piller.

Der Kran kam auch bei einem wichtigen Meilenstein zum Einsatz. Das Generator-Gehäuse – das 50 Tonnen schwere Herzstück der Turbine – wurde mit dem Kran angehoben und von einer Spezialfirma auf einen Tieflader verladen. Die Hochdruck- und Niederdruck-Turbinenteile wurden zuvor bereits abtransportiert. In den nächsten Monaten werden die Arbeiten unterhalb der Turbine fortgesetzt. Dort muss zum Beispiel ein Heizkondensator durch eine schmale Öffnung heraustransportiert werden. Geplant ist, dass die Demontage im Frühjahr 2024 abgeschlossen ist.

Bildergalerie: Demontage der Dampfturbine

Großwärmepumpe statt Dampfturbine

„Als Ersatz für die alte Dampfturbine wird am Standort Zugweg in den kommenden Jahren eine Großwärmepumpe mit einer thermischen Leistung von etwa 10 Megawatt entstehen. Sie wird als Wärmequelle Grundwasser nutzen, um damit den Anteil erneuerbarer Energieträger in der Wärmeversorgung zu erhöhen“, sagt Roman Pötschke. Für eine solche Technik eignet sich der Standort ideal. „Da der Standort früher auch als Wasserwerk genutzt wurde, haben wir mehrere Grundwasserbrunnen, aus denen wir das Wasser fördern können. Dieses Wasser diente später dem Kraftwerk als Kühlwasser und soll nun als Wärmequelle für die Wärmepumpe verwendet werden. Auch die erforderlichen Leitungen für das Abwasser sind bereits vorhanden. Und über einen Anschluss an das Fernwärmenetz verfügt der Standort ohnehin.“

In den nächsten Monaten werden die Ausschreibungen für den Generalplaner vorbereitet. Die Inbetriebnahme der Großwärmepumpe ist frühestens für das Jahr 2026 geplant. „Die Geschichte der Energie- und Wasserversorgung in Köln nahm am Standort Zugweg ihren Anfang. Mit der neuen Großwärmepumpe werden wir den Standort auch für die Zukunft erhalten können“, sagt Ingo Schönfuß, Leiter Kraftwerke Süd.

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