01.04.2016 Adrian

Ausbildung als Ziel – Flüchtlinge absolvieren ein Praktikum bei der RheinEnergie

Schon bald ein neuer Kollege? Seydia C. macht in den Osterferien ein Praktikum bei uns und hofft auf einen Ausbildungsplatz (Foto: RheinEnergie).

Vier Flüchtlinge haben in den Osterferien ein Praktikum bei uns absolviert. Wenn alles gut läuft, könnten sie bereits im August eine Ausbildung in unserem Unternehmen beginnen. Die Resonanz auf die vier war durchweg positiv – einzig die deutsche Sprache bereitete noch kleinere Probleme.

Seydia C. blickt konzentriert auf den Monitor. Seine Finger huschen über die Tastatur. Die Computermaus klickt. Im Hintergrund telefoniert eine Kollegin. Auf den ersten Blick eine ganz normale Alltagszene im Büro unseres Ausbildungszentrums. Doch das Gegenteil ist der Fall. Denn Seydia, Schüler einer Integrationsklasse am Berufskolleg Deutzer Freiheit, absolviert als einer von vier Flüchtlingen ein zweiwöchiges Praktikum bei uns. Für ihn geht es um viel. Denn wenn alles glatt läuft, könnte der 21-Jährige im August eine Ausbildung als Kaufmann für Büromanagement beginnen. Darauf setzt er seine ganze Hoffnung und hat dafür sogar auf seine Osterferien verzichtet. Stattdessen pflegt er nun Bewerbungen ein, bucht Räume oder bearbeitet Power-Point-Präsentationen. 

Flüchtlingsheime in Köln und Umgebung besucht

RheinEnergie-Personalvorstand Norbert Graefrath: „Wir wollen echte und langfristige Perspektiven schaffen.“ (Foto: RheinEnergie)

„Als kommunales Unternehmen ist es für uns nur selbstverständlich, einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen zu leisten“, beschreibt Norbert Graefrath, Personalvorstand der RheinEnergie, das Programm. „Eine Ausbildung schafft echte und langfristige Perspektiven. Wir würden uns sehr freuen, wenn unser Test erfolgreich ist und auch außerhalb unseres Unternehmens Schule macht.“ Das hofft auch Gabi Münch. Sie betreut das Programm als Ausbilderin. Anfangs hatte sie große Schwierigkeiten, Kandidaten zu finden. „Ich habe etliche Flüchtlingsheime in Köln und der Umgebung abgeklappert. Es hat sich aber schnell gezeigt, dass viele Bewohner keine ausreichenden Deutschkenntnisse hatten“, so Münch. Erfolg hatte sie schließlich in der Integrationsklasse des Berufskollegs Deutzer Freiheit. Dort bereiten sich unsere vier Praktikanten auf ihren Hauptschulabschluss vor. Sie alle sind schon seit einigen Jahren in Deutschland und mit der Sprache gut vertraut. Verständnisschwierigkeiten seien aber nach wie vor eines der Hauptprobleme, sagt Münch. „Die Kollegen in den Fachbereichen sind allesamt sehr zufrieden. Allein die deutsche Sprache bereitet noch Probleme. Das bekämen wir aber sicher schnell in den Griff.“ 

„Ich hatte einfach nur Glück“

An seinen Sprachfähigkeiten arbeitet auch Seydia unentwegt. „Ich treffe mich oft mit deutschen Freunden. So lerne ich die Sprache besser. Filme, Dokumentationen. Das gucke ich alles auf Deutsch.“ Momentan lebt Seydia in einem Flüchtlingswohnheim in Kerpen. Er stammt aus Guinea und hat auf seinem Weg nach Deutschland eine Odyssee durchlitten. Seine Flucht führte ihn quer durch Afrika. Von Tunesien aus setzte er in einem Schlauchboot nach Lampedusa über. Von Italien aus ging es mit dem Auto weiter nach Deutschland. Vor Kerpen folgten kurze Stationen in Hamburg und Dortmund. Seydia fällt es sichtlich schwer, über seine Erlebnisse auf der Flucht zu reden. „Ich will nicht daran erinnert werden. Wenn ich die Bilder von Ertrunkenen im Fernsehen sehe, ist alles wieder da. Ich hatte einfach nur Glück.“ 

Glücklich wären auch wir, ihn im August als neuen Kollegen begrüßen zu dürfen. 





Wir sind kontaktfreudig. Schreibt uns!