15.04.2015 Adrian

Gemeinsam sind wir stark: Clever wirtschaften dank virtuellem Kraftwerk

Blick in unsere Leitstelle. Von dort aus könnte auch das virtuelle Kraftwerk gesteuert werden.

Im Zuge der Energiewende wird Strom immer häufiger dezentral erzeugt. Um die Energie aus den Anlagen zu bündeln und bestmöglich zu vermarkten, baut unser Unternehmen derzeit ein virtuelles Kraftwerk auf. Projektleiter Stefan Lank hat uns die Hintergründe erläutert.

RheinEnergieBlog: Sie organisieren als Teilprojektleiter derzeit den Bau eines virtuellen Kraftwerks. Im Gegensatz zum Gas- und-Dampfturbinenkraftwerk Niehl 3, das wir aktuell im Kölner Norden bauen, kann ich mir unter einem virtuellen Kraftwerk nicht viel vorstellen. Wie kann ein Kraftwerk virtuell sein?

 

Stefan Lank: Der Begriff virtuell ist in diesem Zusammenhang irreführend. Auch diese Form von Kraftwerk ist real und erzeugt Strom. Allerdings nicht an einem Standort, wie etwa in Niehl, sondern dezentral in kleinen Anlagen überall in der Region und der Republik verteilt. Der Zusammenschluss aller beteiligten Anlagen bildet das virtuelle Kraftwerk.

RheinEnergieBlog: Welche Arten von Anlagen lassen sich in das Netzwerk integrieren?

Stefan Lank: Der Fokus liegt vor allem auf kleinen Stromerzeugern. Im Bereich der Erneuerbaren Energie sind das Solar-, Windkraft-, Biogas- und Wasserkraftanlagen. Aber auch konventionelle Anlagen, beispielsweise kleinere Blockheizkraftwerke, werden in das virtuelle Kraftwerk eingebunden.

RheinEnergieBlog: Welche Vorteile ergeben sich für die Betreiber kleiner Anlagen durch einen Zusammenschluss?

Teilprojektleiter Stefan Lank.

Stefan Lank: Wer verhältnismäßig kleine Mengen Strom erzeugt, kann diese an der Strombörse über ein virtuelles Kraftwerk besser vermarkten. Schon weil sich im Verbund ganz andere Größenordnungen anbieten lassen. Davon abgesehen kann ein virtuelles Kraftwerk besser auf Angebot und Nachfrage reagieren. Durch den Sturm vergangene Woche waren etwa große Mengen Strom aus Windkraftanlagen im Netz. In so einem Fall können wir im Netzwerk Kapazitäten aus konventionellen Anlagen herunterregeln und damit maximal flexibel reagieren. Bei einer Flaute produzieren dann eben die konventionellen Anlagen Strom. Damit können wir immer verlässlich Strom anbieten und beispielsweise als Regelenergie vermarkten.

RheinEnergieBlog: Wie muss ich mir die Steuerung und Kontrolle eines virtuellen Kraftwerks vorstellen?

Stefan Lank: Die erfolgt zentral über die RheinEnergie Trading. Eine tragende Rolle wird dabei eine Software spielen, die momentan zusammen mit den Kollegen aus der IT-Abteilung und dem Vertrieb implementiert wird. 

RheinEnergieBlog: Welches Ziel verfolgen wir als Unternehmen mit dem Projekt?

Stefan Lank: Energieerzeugung und Strommarkt sind im Wandel begriffen und erfordern durch die Erneuerbare Energie, die vornehmlich dezentral erzeugt wird, immer mehr Flexibilität. Als Unternehmen müssen auch wir flexibel reagieren, uns anpassen und neue Geschäftsfelder ergründen. Davon abgesehen verfügen auch wir schon heute über viele kleine Anlagen, die wir hervorragend ins Netzwerk einbinden können.

RheinEnergieBlog: Wird unser Kraftwerk auch Kleinsterzeugern offenstehen, die nur wenige Solarmodule auf dem Hausdach haben?

Stefan Lank: Vorerst nicht. Die Investitionskosten für die nötige Steuerungshardware, die vor Ort installiert werden muss, sind momentan noch zu hoch. In Zukunft wäre das aber denkbar.

Noch wird gebaut: Unser GuD-Kraftwerk Niehl 3 soll ab Frühjahr 2016 Strom produzieren.

RheinEnergieBlog: Niehl 3 soll im Frühjahr 2016 ans Netz gehen. Wird unser virtuelles Kraftwerk früher fertiggestellt sein?

Stefan Lank: Aller Voraussicht nach ja. Wenn alles nach Plan läuft, wird ab Anfang Juli 2015 das Virtuelle Kraftwerk für die RheinEnergie real. 

RheinEnergieBlog: Ich danke Ihnen für das Gespräch.

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