03.08.2017 Adrian

Wider das Insektensterben: 90.000 Bienen in der Südstadt angesiedelt

90.000 Bienen finden in der Hochsaison an unserem Kraftwerk in der Südstadt ein Zuhause (Bild: RheinEnergie).

Insektizide, Monokulturen, Schädlinge –  die Ursachen für das weltweite Bienensterben sind vielfältig. Fest steht: die Biene braucht Hilfe. Ein Grund, warum wir unser Kraftwerksgelände in der Kölner Südstadt für zwei Imkerinnen und deren Bienenstöcke geöffnet haben. Nun wurde der süße Südstadt-Honig zum ersten Mal geerntet. 

Das Ende der Menschheit naht. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man die Berichterstattung über das Bienensterben verfolgt. Ohne Bienen keine Bestäubung, ohne Bestäubung keine Nahrungsmittel, ohne Nahrungsmittel keine Menschen – so die einleuchtende Kausalkette. Aber davon soll an dieser Stelle nur randläufig die Rede sein. Denn wir wollen den Negativschlagzeilen zur Abwechslung eine positive Botschaft entgegensetzen: In der Kölner Südstadt sind die Bienen los! Und zwar an unserem Heizkraftwerk am Zugweg. Dort haben die Hobby-Imkerinnen Lisa Löffler und Birgit Helberg im Laufe des Jahres erfolgreich drei Bienenvölker angesiedelt. 

Lisa Löffler (r.) und Birgit Helberg bereiten ihre Bienenstöcke bereits auf die kalte Jahreszeit vor (Bild: RheinEnergie).

Im Sommer brausen zur Hochsaison bis zu 90.000 Bienen zusätzlich durch den Kölner Süden. „Wir wollten einen Beitrag zum Artenschutz leisten“, sagt Helberg, die das Imkern, genau wie ihre Kollegin, im Kölner Gemeinschaftsgarten Neuland kennengelernt hat. „Auf der Suche nach einem geeigneten Standort sind wir auf das Gelände der RheinEnergie gestoßen. Der Kraftwerksleiter, Herr Schönfuß, war sofort von unserer Idee begeistert und hat uns Tür und Tor geöffnet. Das lief ganz unbürokratisch.“

Zehn Liter Honig geerntet

Seither haben die Bienen fleißig Nektar gesammelt. In der Südstadt und über deren Grenzen hinaus. Bis zu drei Kilometer beträgt der Flugradius der Insekten. In der vergangenen Woche haben Löffler und Helberg zum ersten Mal ihren Südstadt-Honig geerntet. Zehn Liter des süßen Nahrungsmittels sind dabei zusammengekommen. Etwas weniger als erwartet. „Für Bienen war 2017 kein gutes Jahr“, sagt Löffler. „Der Winter war lang und kalt. Auf hohe Temperaturen im März folgte ein Temperatursturz. Das hat viele Blüten kaputt gemacht und die Nahrungssuche für die Bienen erschwert.“ 

In der Kölner Südstadt produzieren wir bereits seid 125 Jahren Strom und Wärme (Bild: RheinEnergie).

Der Honig aus der Stadt ist, anders als Landhonig, kaum mit Pestiziden belastet. Denn die kommen in der Stadt nicht zum Einsatz. Auch sonst nutzen Löffler und Helberg im Umgang mit ihren Bienen umweltverträgliche und sanfte Methoden. Um die für Bienenvölker gefährliche Varroamilbe zu bekämpfen, lassen sie etwa Ameisensäure im Bienenstock verdampfen oder versprühen verdünnte Milchsäure. Mit gutem Erfolg.

Erst morden, dann kuscheln

Obwohl noch mitten im Sommer, ist das Bienenjahr bereits vorbei. „Die Insekten finden jetzt kaum noch Nahrung“, sagt Helberg. „Die Linde war der letzte Baum, der geblüht hat. Daher lagern wir nun die Honigwaben ein. Den Rest regeln die Bienen dann selbst.“ „Regeln“ ist in diesem Fall eine freundliche Umschreibung für den sogenannten Drohnenkrieg. Bei diesem drängen die Arbeiterinnen die männlichen Drohnen aus dem Stock und damit in den sicheren Tod. Für das Bienenvolk bringen sie in diesem Stadium schlicht keinerlei Nutzen mehr und würden lediglich die knappen Nahrungsvorräte verbrauchen. Die Natur ist manchmal grausam. 

Kraftwerksleiter Ingo Schönfuß (m.) war von der Idee, Bienen am Standort anzusiedeln, sofort begeistert (Bild: RheinEnergie).

Alles andere als grausam ist die Methode, mit der die verbleibenden Bienen dann die kalte Jahreszeit überdauern. Sinken die Temperaturen unter zehn Grad, kuscheln sich die Bienen eng zur sogenannten Wintertraube zusammen. Durch vibrieren heizen sie sich und den Bienenstock auf. In der Mitte der Traube ist es am wärmsten. Klar, dass sich dort die Königin aufhält. Ansonsten rolliert das System. Wer sich nahe der Mitte aufwärmen konnte, wandert zum kühlen Rand und von dort langsam wieder zum Mittelpunkt. 

Wie sie den geernteten Honig letztlich verteilen, haben die Imkerinnen nocht nicht abschließend geklärt. „Einen Teil essen wir selbst und verschenken ihn an Freunde“, sagt Löffler. „Und Herr Schönfuß bekommt natürlich auch ein paar Gläser seines Kraftwerk-Honigs. Wenn die RheinEnergie auch eine Verwendung hat, sind wir für Vorschläge natürlich immer offen.“ Das hört man gerne. Als ganz besonderes Werbegeschenk macht sich der Südstadt-Honig bestimmt gut.  

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