10.04.2017 Adrian

Ran an die Wurzel – Injektionsdüngung schont Geruchsnerven und Trinkwasser

Bei der Injektionsdüngung landet der Dünger unmittelbar an der Pflanzenwurzel (Bild: RheinEnergie).

Raps, Getreide, Mais und Rüben – sie alle benötigen Dünger, um optimal zu wachsen. Mit dem Düngen ist oft eine Geruchsbelästigung der Anwohner verbunden. Doch es geht auch anders. Davon konnten sich Politiker der Bezirksvertretung Chorweiler jüngst überzeugen.

Kein Wachstum ohne Dünger – Pflanzen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen brauchen Nährstoffe. Stickstoff, Phosphor und Kalium zum Beispiel. Diese und weitere Stoffe sorgen dafür, dass Getreide, Raps und Co. prächtig gedeihen und schließlich auf dem Teller oder im Futtertrog landen. Für gewöhnlich düngen Landwirte ihre Felder mit Gülle aus der Nutztierhaltung. Die damit verbundene Geruchsbelästigung treibt Anwohnern regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht. 

Ein Grund, warum Landwirt Georg Kellerwessel 18 Vertreter der Bezirksvertretung Chorweiler auf Gut Dresenhof eingeladen hat. Die Politiker hatten Kellerwessel um den Termin gebeten. Sie wollten sich erkundigen, wie es die Bauern vor Ort mit dem Düngen halten. Bei den Politikern beschweren sich in der Düngeperiode häufig Bürger über den Gestank. „Sie können sicher sein, dass wir nur so viel Gülle einsetzen, wie die Pflanzen wirklich benötigen“, entkräftet Kellerwessel gleich zu Beginn den Vorwurf, Landwirte düngten zu viel. „Jede Fuhre kostet uns Geld und davon haben wir keines zu verschenken.“ 

Video: Injektionsdüngung im Wasserschutzgebiet der RheinEnergie (0:47 Min)

Dass die Bauern nur so viele Nährstoffe auf ihren Feldern ausbringen, wie die Pflanzen tatsächlich aufnehmen können, liegt auch im Interesse der RheinEnergie. Denn was die Landwirte in Form von Dünger und Pflanzenschutzmitteln auf die Äcker bringen, kommt im ungünstigsten Fall im Grundwasser an und wird dann zum Problem für die Trinkwasserqualität. Daher kooperieren wir bereits seit 30 Jahren mit dem Arbeitskreis Ackerbau und Wasser und seinem rechtsrheinischen Pendant Drüber und Drunter. Dank der Kooperation, die Beratungen durch Fachleute der Landwirtschaftskammer, Bodenanalysen und regelmäßige Feldbegehungen beinhalten, liegt der Nitratgehalt im Trinkwasser der RheinEnergie weit unterhalb der zulässigen Grenzwerte.

Gülle-Debatte: Mit den Bezirksvertretern zum Schnuppertest

  • Landwirt Georg Kellerwessel (Mitte) hat Vertreter der Bezirksregierung zum Gedankenaustausch auf Gut Dresenhof eingeladen (alle Bilder: RheinEnergie).

  • Die Politiker wollten sich darüber informieren, wie die örtlichen Landwirte ihre Felder düngen. Kellerwessel zeigt die aktuelle "Speisekarte" seiner Tiere.  

  • Kellerwessel züchtet auf dem Dresenhof in zweiter Generation Rinder und Pferde.

  • Seine Rinder der Rasse Blonde d'Aquitaine erhalten im Namen stets den Zusatz "de Cologne". 

  • Die Injektionstechnik ist die modernste Form des Düngens. 

  • Dabei wird Gärsubstrat aus der Biogasanlage Randkanal-Nord in unmittelbarer Nähe zur Wurzel in den Acker eingebracht. 

  • Die Geruchsbelästigung ist auf ein Minimum beschränkt. 

  • V-förmig angebrachte Scheiben graben einen drei bis fünf Zentimeter tiefen Schlitz in den Boden. In diesen fließt das Gärsubstrat. 

  • Nach der Feldbegehung wurden weitere Fragen der Politiker beantwortet. Für die Zukunft sind regelmäßige Gespräche geplant.

Für die Politiker geht es vom Dresenhof aus auf ein nahegelegenes Feld. Anschauungsunterricht am Ort des Geschehens. Dort bringt ein Lohnunternehmer mit seinem tonnenschweren Arbeitsgerät Gärsubstrat aus der Biogasanlage Randkanal-Nord auf dem Acker aus. „Was sie hier sehen, ist die modernste Art und Weise, Dünger auszubringen“, sagt Kellerwessel, „auch was die Geruchsbelästigung angeht.“ Ein tiefer Atemzug gibt ihm Recht. Es riecht allenfalls würzig. Keine Spur vom beißenden Gestank, den Gülle aus der Nutztierzucht mit sich bringt. 

„Das ist ein echtes Positivbeispiel“

Auch unmittelbar auf dem Feld riecht es kaum. Das liegt zum einen am Dünger selbst. Gärsubstrat ist im Vergleich zu Gülle weit weniger geruchsintensiv. Zum anderen wird das Substrat direkt in den Boden injiziert. Dabei heben V-förmig angebrachte Scheiben einen drei bis fünf Zentimeter tiefen Schlitz im Acker aus. In diesen fließt das Substrat und wird von der Pflanze über die Wurzel aufgenommen. Was im Boden und in der Pflanze landet, landet nicht als Gestank in der Luft und auch nicht als Schadstoff im Grund- und Trinkwasser. Eike Danke von der SPD hat die Technik überzeugt: „Das ist ein echtes Positivbeispiel und zeigt, wie umweltschonender Ackerbau vor Ort funktionieren kann.“ 

Der Austausch mit den Politikern soll Schule machen und regelmäßig wiederholt werden. Das gilt auch für die Injektionsdüngung. Die wird in absehbarer Zeit gesetzlich festgeschrieben – sehr zur Freude der Anwohner und der Trinkwasserversorger. 

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