23.08.2017 Adrian

Elektromobilität in Köln – bis zu 400 neue Ladepunkte geplant

In Köln soll die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden (Bild: RheinEnergie) .

Soll die Elektromobilität weiter Fahrt aufnehmen, muss die Ladeinfrastruktur deutlich ausgebaut werden. Wir haben Andrea Blome, Beigeordnete der Stadt Köln für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur, und Dr. Christoph Vielhaber, Leiter der RheinEnergie-Hauptabteilung Strategie, nach den Ausbauplänen für die Stadt Köln befragt.

RheinEnergieBlog: Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz fordert europaweite Quoten für Elektroautos. Glauben Sie, dass eine Quote der richtige Weg ist?

Andrea Blome: Ja, denn in Großstädten wie Köln drohen schon heute Fahrverbote aufgrund erhöhter, vornehmlich durch Dieselfahrzeuge verursachter Stickoxidwerte. Unabhängig davon strengt die Europäische Union regelmäßig Vertragsverletzungs-verfahren gegen die Stadt Köln wegen zu hoher Emissionen an. Elektroautos zeigen da einen Ausweg auf.

RheinEnergieBlog: Wäre die Menge der bereits in Köln installierten Ladesäulen für eine deutlich gesteigerte Nachfrage denn ausreichend?

Dr. Christoph Vielhaber: Nein. Das von der RheinEnergie betriebene Ladeinfrastrukturnetz TankE ist mit 230 Ladepunkten an 85 Standorten zwar gut aufgestellt, wenn deutlich mehr Elektroautos auf den Straßen unterwegs wären, würden wir aber mehr Ladestationen benötigen. Schon heute stoßen zahlreiche Stationen, etwa in der Kölner Innenstadt, an ihre Kapazitätsgrenzen.

Viele Ladesäulen in Köln stoßen bereits an ihre Kapazitätsgrenze (Foto: RheinEnergie).

RheinEnergieBlog: Wie viele Ladesäulen würden Ihrer Meinung nach in Köln zusätzlich benötigt, um der Nachfrage dauerhaft gerecht zu werden?

Andrea Blome: Der Rat der Stadt Köln hat die Verwaltung damit beauftragt 400 Stellflächen im Stadtgebiet zu elektrisieren. Diese Zahl erscheint realistisch. 

Dr. Christoph Vielhaber: Derzeit erarbeitet der Stadtwerke Köln Konzern ein entsprechendes Konzept. Die RheinEnergie steht beratend zur Seite. Schließlich verfügen wir durch unser TankE-Netzwerk über reichlich Erfahrung im Ausbau und Betrieb von Ladeinfrastruktur.

Ladeinfrastruktur in Köln

An unseren TankE-Ladesäulen laden monatlich rund 3.000 Nutzer 28.000 Kilowattstunden Ökostrom – Tendenz steigend. Mit 230 Ladepunkten an 85 meist öffentlich zugänglichen Standorten bietet wir in Köln und im Umland eines der dichtesten Ladenetze für Elektrofahrzeuge in Deutschland. Mehr erfahren >>

RheinEnergieBlog: In welchem Zeitfenster soll der Ausbau erfolgen?

Andrea Blome: Wünschenswert wäre die Umsetzung bis zum Jahr 2020. Aber bleiben wir realistisch: In einem ersten Schritt wollen wir 50 Ladesäulen an neuralgischen Punkten errichten – und das relativ schnell.   

RheinEnergieBlog: Wo sehen Sie die größten Hürden beim Ausbau?

Dr. Christoph Vielhaber: Geeignete Standorte zu finden ist oft nicht leicht. Da sind viele Parameter zu bedenken, etwa die Eigentumsverhältnisse oder die Netzsituation vor Ort. Wenn keine geeigneten Anschlussmöglichkeiten vorhanden sind, müssen wir das Netz erst mit erheblichem Aufwand ertüchtigen. Das ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten dann nicht immer sinnvoll. Auch läuft die Fördermittelvergabe über den Bund manchmal schleppend. Wir müssen für jede einzelne Säule einen umfangreichen Fördermittelantrag stellen. Bis zu einer Zu- oder Absage vergehen dann oft Monate. Zeit, in der der Ausbau stockt.

Andrea Blome:  Es ist übrigens geplant, die Bürgerinnen und Bürger in die Standortfindung einzubeziehen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen sie Vorschläge machen können, wo eine Ladesäule aufgestellt werden soll. 

Abgefahren: das Elektromobilitätsprojekt „colognE-mobil“

RheinEnergieBlog: Glauben Sie persönlich an den Erfolg der Elektromobilität? 

Andrea Blome:  Ja. Politik und Hersteller sind auf einem guten Weg. Die Reichweiten der Autos steigen und die Anschaffungskosten sinken, auch dank finanzieller Anreize durch die Politik. Wir sind nicht mehr weit von der Marke entfernt, an dem Elektroautos unter wirtschaftlichen und praktischen Gesichtspunkten eine echte Alternative zu Autos mit Verbrennungsmotoren darstellen. Ab dann geht es, um im Bild zu bleiben, für die Elektromobilität auf die Überholspur.     

Dr. Christoph Vielhaber:  Ich teile diese Einschätzung. Und auch als Unternehmen glauben wir fest an den Erfolg der Elektromobilität. Ein Grund, warum die RheinEnergie seit Jahren in den Ausbau der Ladeinfrastruktur vor Ort investiert. 

Andrea Blome ist Beigeordnete der Stadt Köln für Mobilität und Verkehrsinfrastruktur. In dieser Funktion ist sie auch für die Kölner Nahverkehrsplanung verantwortlich.

Dr. Christoph Vielhaber leitet bei der RheinEnergie AG die Hauptabteilung Strategie. In seinen Verantwortungsbereich fällt das Geschäftsfeld Elektromobilität.





Jutta

In Köln gab es im Jahr 2015 454.429 zugelassenen KFZs. Da erscheint mir die angedachte Zahl doch eher, wie der Tropfen auf den heißen Stein. Welche Quote soll denn da erfüllt werden?
Mein Fahrtweg zur Arbeit hin und zurück beträgt täglich 140 km und ich wohne in der Innenstadt. Wo soll ich denn jeden Abend tanken? Soll ich ein Kabel aus der Wohnung raushängen? Was machen all die Innenstadtbewohner?
Von sinkenden Preisen kann auch nicht wirklich die Rede sein. Durchschnittlich, bei einer gewissen Reichweite, muss man immer noch 30.000€ zahlen. Da nützen mir keine 2.000€ Zuzahlung.
Es ist vielleicht ein kleiner Anfang, aber wer hier über Erfüllung von Quoten redet, sieht die Welt in einer rosaroten Wolke.

Adrian

Hallo Jutta,

klar, in Sachen Elektromobilität ist noch einiges zu tun. Und vorerst sind Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nicht zu ersetzen. Wir sind aber nicht mehr weit von einem Reichweitensprung bei den E-Autos entfernt – und das bei sinkenden Anschaffungskosten. Die von dir angegebenen 140 Kilometer schaffen neuere Modelle bereits locker – auch bei einem Neupreis unter 30.000 Euro. Tanken? Kannst du beispielsweise mit einer Heim-TankE bei dir Zuhause. Oder während der Arbeit an einer unserer Ladesäulen. 

Liebe Grüße
Adrian

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