17.06.2015 Adrian

Wärme die verbindet: Neuer Fernwärmetunnel unter dem Rhein entsteht

Wir bauen einen zweiten Fernwärmetunnel unter dem Rhein: Ab Mitte 2016 versorgt er die rechtsrheinischen Stadtteile mit klimaschonend erzeugter Wärme aus dem neuen Kraftwerk Niehl 3. Bis dahin gräbt Bohrerdame „Marion“ auf Hochtouren – Tag und Nacht. 

Seit 29 Jahren ist er eine Attraktion Kölns: der begehbare Fernwärmetunnel unter dem Rhein. Als bisher einzige Verbindung verknüpft er das Fernwärmenetz der Innenstadt mit dem von Deutz. Ab Mitte 2016, wenn das Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk Niehl 3 seinen Betrieb aufnimmt, kann das Kölner Fernwärmenetz weiter wachsen. Mit effizienter Kraft-Wärme-Kopplung wird Niehl 3 nicht nur rund eine Million Haushalte mit Strom, sondern auch 30.000 Haushalte zusätzlich mit Fernwärme versorgen können. 

Klimaschonende Fernwärme für die „Schäl Sick“

Ausgehend vom neuen Kraftwerk bauen wir seit Jahresbeginn eine zweite Leitung unter dem Rhein nach Mülheim. Sie wird unter anderem aus Mitteln des Klimaschutzprogramms „Energie & Klima 2020“ realisiert. „Die zweite Rheinquerung hilft uns vor allem, weitere Areale in den rechtsrheinischen nördlichen Stadtteilen klimaschonend mit Wärme zu beliefern“, sagt Ulrich Wiesmann, Leiter des Bauprojekts bei der RheinEnergie. Mit der neuen Verbindung wäre zudem der innerstädtische Fernwärmering geschlossen und das Netz so besser gegen Störungen und Ausfälle abgesichert.

Zwei Monate benötigt „Marion“ für die 650 Meter lange Strecke (für Großansicht bitte klicken).

Die neue Fernwärmeleitung verläuft linksrheinisch vom Kraftwerk Niehl 3 parallel zum Kuhweg bis südlich der Auffahrt zur Mülheimer Brücke. Hier startete Mitte Februar eine auf Tunnelbohrungen spezialisierte Firma den Bau der 650 Meter langen Röhre, die rechtsrheinisch unter dem Mülheimer Festplatz enden wird. Zum Einsatz kommt „Marion“: Eine Rohrvortriebsmaschine mit einem kreisrundem Bohrkopf von 3,4 Meter Durchmesser, bestückt mit Schneidrollen und Meißeln. Sie fräst sich ferngesteuert den Weg durch das kieselige, mit Steinblöcken durchsetzte Gestein unter dem Fluss.

Damit die Maschine im Baugrund nicht stecken bleibt, arbeitet sie rund um die Uhr. Das abgebaute Gestein wird über Förderleitungen abtransportiert. Rund 14 Meter schafft „Marion“ pro Tag, nach etwa zwei Monaten soll die Zielgrube am Mülheimer Ufer erreicht sein. Der Tunnel verläuft rund zehn Meter unter der Rheinsohle, so kann er nicht aufschwimmen und ist vor den Schiffsankern geschützt. Zur Stabilisierung der Tunnelwände werden vom Startschacht aus gewaltige Stahlbetonröhren in den Hohlraum gepresst.

Die Röhre hat es in sich (für Großansicht bitte klicken).

Jedes Teilstück misst 3,4 Meter im Durchmesser, ist vier Meter lang und 30 Zentimeter dick, um dem Erd- und Wasserdruck standhalten zu können. „In diesen Tunnel legen wir die zwei Fernwärmerohre, eine Hin- und eine Rücklaufleitung“, so Wiesmann. Zusätzlich werden eine Gasleitung und Leerrohre für 110-Kilovolt-Hochspannungs- und Glasfaserkabel eingezogen. Im Längsschnitt ähnelt der Tunnelverlauf einer Banane. Anders als die erste Rheinquerung von 1984 wird die neue übrigens nicht begehbar sein. Stattdessen werden die Hohlräume im Tunnel komplett mit fließfähigem Beton verfüllt. Mitte 2016 sollen die Bauarbeiten beendet sein.

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