30.01.2017 Adrian

Risse in der Tunnelwand – mit Hightech auf Schadenssuche

Woher kam das Wasser? Die Spezialisten gehen der Frage nach (Bild: Michael Bokelmann).

Dass in den Leitungen eines Fernwärmetunnels Wasser fließt, ist nichts Ungewöhnliches. Doch wenn das Wasser plötzlich im Tunnel steht, ist offensichtlich etwas nicht in Ordnung. Das war zuletzt in einem Teilstück unseres Deutzer Fernwärmenetzes der Fall. Nun sucht man mit modernster Technik nach den Ursachen.

Da staunten die Kollegen des Technischen Netzservices nicht schlecht. Bei ihrem Einsatz Ende Februar 2016 hatten sie prüfen wollen, warum aus dem Einstiegsschacht zu unserem Deutzer Fernwärmenetz Wasserdampf austritt. Als Ursache vermuteten sie ein kleineres Leck in der Leitung. Doch als die Techniker die Luke schließlich öffneten, bot sich ihnen ein ungewohnter Anblick: Auf dem Tunnelboden stand Wasser; Grudwasser, das in den rund 260 Meter langen und zwei Meter hohen Tunnel eingedrungen war. Mithilfe mobiler Tauchpumpen ließ sich die Tunnelröhre trockenlegen. Nach einer Grundsanierung hält die Tunnelwand dicht.

Suche nach den Ursachen

Doch woher kam das Wasser? Eine mögliche Erklärung liefert die Lage der Röhre. „Unmittelbar über dem Tunnel verläuft mit der Deutz-Mülheimer Straße eine der Kölner Hauptverkehrsstraßen“, sagt Steffen Gross von der Abteilung Fernwärme. Zudem sei der Grundwasserspiegel zum Zeitpunkt des Wassereintritts durch Hochwasser stark erhöht gewesen. Druck von oben, Grundwasser von allen Seiten. Hat das die Ermüdung des Materials bewirkt?

3D-Animation: Fernwärmetunnel in Köln-Deutz

„Ja, das kann durchaus zu kleinen Rissen in der Tunnelhülle und dann zum Wassereintritt führen.“ Um ganz sicherzugehen, hat man mit der PV ANSPERGER mbH einen erfahrenen Spezialisten für Leitungsdokumentation beauftragt, den Tunnel zu vermessen. In zwei aufeinanderfolgenden Nächten sind die Experten in den Deutzer Untergrund gestiegen und haben den Tunnel vermessen. Tagsüber hätte die Aktion den Verkehr vor Ort zu stark eingeschränkt. Denn der Zugang befindet sich unmittelbar in der Opladener Straße, die für die Arbeiten teilweise gesperrt werden musste.

Bildergalerie: 3D-Scan im Deutzer Fernwärmetunnel

  • In zwei aufeinanderfolgenden Nächten ging es in den Deutzer Untergrund. Mit dabei: jede Menge hochsensible Technik (Bild: Michael Bokelmann).

  • In dieses Teilstück unseres Deutzer Fernwärmenetzes war Grundwasser gelaufen (Bild: Michael Bokelmann).

  • Nach einer Grundsanierung bilden sich am Tunnelboden noch immer kleinere Pfützen (Bild: Michael Bokelmann).

  • Nun soll eine Messung der Experten der PV ANSPERGER mbH Klarheit über die Ursachen des Wassereintritts bringen (Bild: Michael Bokelmann).

  • Neben einer klassichen tachymetrische Messung ... (Bild: Michael Bokelmann)

  • ... führen die Spezialisten einen 3D-Laserscan durch. Der lässt nahezu keine Details im Tunnel unbeachtet (Bild: Michael Bokelmann).

  • Da sich der Zugang zum Fernwärmetunnel unmittelbar in der Opladener Straße befindet, wurden die Arbeiten nachts durchgeführt, um den Verkehr so wenig wie möglich zu beeinflussen (Bild: Michael Bokelmann).

  • Nachdem alle Daten ausgewertet wurden, zeigt sich, ob die Grundsanierung des Tunnels bereits ausgereicht hat oder ob weitere Arbeiten notwendig sind (Bild: Michael Bokelmann).

Im Tunnel hat man zwei Messungsmethoden miteinander verknüpft, um beste Ergebnisse zu erzielen: eine klassische tachymetrische Messung zur Einzelpunktbeobachtung und einen 3D-Laserscan, der sämtliche Details des Tunnels und der Wandoberflächen ermittelt. Nachdem die Spezialisten der PV ANSPERGER die Daten ausgewertet und aufbereitet haben, erhalten die Kollegen ein detailliertes Risskataster. Das zeigt, ob die Grundsanierung bereits ausgereicht hat oder ob weitere Arbeiten notwendig sind. „Nach einem weiteren Scan in ein paar Monaten können wir die Ergebnisse miteinander vergleichen“, sagt Christian Gernhardt vom Technischen Netzservice. „Spätestens dann erkennen wir ganz genau, ob und wie sich das Bauwerk in der Zwischenzeit verformt hat und wo die Schwachstellen liegen.

Neuer Rheindüker in Betrieb

Der neue Rheindüker im Kölner Norden (Doppelklick für Großansicht).

Ansonsten läuft es in unserem Fernwärmenetz im wahrsten Sinne des Wortes rund. Seit dem 17. Dezember 2016 ist der neue Rheindüker im Kölner Norden in Betrieb und macht den Fernwärme-Ringschluss perfekt. Das links- und das rechtsrheinische Fernwärmenetz sind damit an zwei Stellen, auf Höhe der Hohenzollernbrücke und auf Höhe der Mülheimerbrücke, über Rheindüker miteinander verbunden. Der nördliche Anschluss ist Ausgangspunkt für den weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes im Rechtsrheinischen. In Mülheim etwa stehen große Quartiersprojekte in den Startlöchern. Allein auf dem Gelände der Deutz AG sollen bis zu 3.000 neue Wohnungen entstehen, dazu Gewerbeflächen, Schulen und Kindergärten – allesamt mögliche Abnehmer für klimaschonend erzeugte Fernwärme aus unseren Niehler Heizkraftwerken.





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