10.07.2015 Adrian

Durchbruch geglückt: Tunnelbohrer „Marion“ erreicht Köln-Mülheim

Tunnelbohrer Marion hat nach sieben Wochen Dauereinsatz das Mülheimer Rheinufer erreicht (Bild: RheinEnergie).

Nach 960 Stunden im Dauereinsatz hat die Tunnelbohrmaschine „Marion“ das Rheinufer in Köln-Mülheim erreicht. Damit ist die Rheinquerung für unseren zweiten Fernwärmetunnel planmäßig geglückt – das war zu Beginn der Bohrung noch nicht sicher.

Marion ist am Ziel. Um Punkt 17:26 Uhr hat sie am Freitagnachmittag in einer Baugrube auf dem Mülheimer Festplatz nach sieben Wochen in Dunkelheit wieder das Sonnenlicht erblickt. Knapp 960 Stunden hat sie bis zu diesem Zeitpunkt ununterbrochen gearbeitet. Was im Falle eines normalen Arbeitnehmers den Betriebsrat und die Gewerkschaft auf den Plan rufen würde, ist für Marion allerdings die Regel. Denn Marion ist eine Tunnelbohrmaschine und hat in den vergangenen Wochen ferngesteuert einen weiteren Fernwärmetunnel unter den Rhein gefräst (wir berichteten). Nonstop. Andernfalls wäre sie im kieseligen und mit Steinblöcken durchsetzten Untergrund steckengeblieben. 

Übersichtskarte der Bauarbeiten (Doppelklick für Großansicht).

Der 650 Meter lange Tunnel verläuft in rund zehn Metern Tiefe unter der Rheinsohle parallel zur Mülheimer Brücke. Ab Mitte 2016 versorgt er die rechtsrheinischen Stadtbezirke mit klimaschonender Fernwärme aus unserem neuen Gas- und Dampfturbinenkraftwerk Niehl 3. „Ein so anspruchsvolles Projekt ist auch für uns nicht alltäglich“, sagt Werner Baum vom Leitungsbau der RheinEnergie kurz nach dem Durchbruch. „Ich bin sehr erleichtert, dass alles so gut geklappt hat.“ Für den 59-Jährigen ist es das letzte größere Projekt vor seinem Ruhestand und damit etwas ganz Besonderes. 

Bombenfund verzögert Bauarbeiten

Dabei hatte die eigentliche Tunnelbohrung erst mit Verzögerung beginnen können. Der Fund einer Zwanzig-Zentner-Bombe an der Dükerbaustelle (Düker entspricht dem niederländischen Wort duiker = Taucher) hatte den Betrieb für zwei Wochen stillgelegt und in Köln die größte Evakuierungsaktion seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Zum Glück hatte das Organisationsteam ausreichend Puffer eingeplant. Einmal in Fahrt lief es für Marion dann nahezu reibungslos. Im Schnitt kam die Maschine zwischen 15 und 20 Meter pro Tag vorwärts. Wenn der Untergrund sandig war, konnten es auch schon mal 30 Meter sein. 

  • Nach 960 Stunden im Dauereinsatz hat die Tunnelbohrmaschine „Marion“ das Rheinufer in Köln-Mülheim erreicht (alle Fotos: RheinEnergie).

  • Gestartet war sie am Riehler Rheinufer am 1. Juni. 

  • Zur Stabilisierung der Tunnelwände sind vom Startschacht aus gewaltige Stahlbetonröhren in den Hohlraum gepresst worden.

  • Das abgebaute Gestein wurde über Förderleitungen abtransportiert.

  • Der 650 Meter lange Fernwärmetunnel verläuft zehn Meter unterhalb der Rheinsohle parallel zur Mülheimer Brücke.

  • Im Schnitt kam die Maschine zwischen 15 und 20 Meter pro Tag vorwärts.

  • Unmittelbar am Bohrkopf (Foto) greift man zur Absprache mit dem Bautrupp, der den Bohrer fernsteuert, auch mal zum Telefon.

  • Ein Blick aus dem Bohrkopf ins Tunnelinnere.

  • Gebannt verfolgen die Arbeiter, wie der Tunnelbohrer aus der Baugrube gehoben wird.

  • Die Aktion erforderte vollste Konzentration vom Kranführer, damit der Bohrer nicht an die Wände der Grube stößt.

  • Nach getaner Arbeit tritt Marion nun die Heimreise an.

„Nur im Uferbereich ging es am Anfang nicht so schnell vorwärts“, so Julia Horstschäfer von der ausführenden Ingenieursfirma Babendererde Enginieers. „Dort musste der Bohrer eine Schichtgrenze zwischen Kies und Sand durchfahren und brauchte eine kleine Gewöhnungsphase. Das ist aber völlig normal.“ Für die 26-jährige Ingenieurin war es das erste größere Projekt dieser Art. Entsprechend froh war auch sie nach dem erfolgreichen Durchbruch. 

So kam Marion zu ihrem Namen

Werner Baum hat den Tunnelbohrer auf den Namen Marion getauft. Darin spiegeln sich die Begriffe „MARe“ und „IONen“ wieder. Eine Anspielung auf das Wasser und die Elektrizität, die ab Mitte 2016 durch den Tunnel fließen werden.

Ein Kran hat den Bohrer mitlerweile aus der Baugrube gehoben. In den nächsten Wochen verlegen die Arbeiter in dem Tunnel zwei Fernwärmeleitungen, eine Gasleitung, Leerrohre für 110-Kilovolt-Hochspannungs- und Glasfaserkabel. Abschließend wird der Tunnel mit Beton verfüllt. Damit ist er, anders als unser Fernwärmetunnel in Köln-Deutz, nicht begehbar. 

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